Anwendung und Wirkung des Muskelrelaxans

Die Faltenunterspritzung mit dem Muskelrelaxans ist eine klassische, nicht-operative Behandlung der ästhetischen Medizin. Der Wirkstoff dient insbesondere der Bekämpfung von mimischen Falten (dynamischen Falten) im Gesicht. Das Muskelrelaxans ist ein bakterielles Protein, welches gezielt Nervensignale für die Muskelkontraktion blockiert. In sehr geringen Mengen mit einer sehr dünnen Nadel unter die Haut in die mimische Muskulatur des Gesichts gespritzt, wird diese minimal geschwächt und vorhandene Falten wie z.B. an der Stirn werden vermindert. So kann es helfen, Falten zu entfernen und wieder ein sichtbar frisches Aussehen zu erlangen.

Neben der Behandlung von Falten findet sich der Wirkstoff auch in anderen medizinischen Bereichen wieder. So kann ein qualifizierter Arzt mit Hilfe von Muskelrelaxanzien übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) behandeln. Hierbei wirkt die Substanz behindernd auf die Nervenübertragung zu den Schweißdrüsen. Darüber hinaus wirkt es effektiv im Rahmen weiterer Behandlungen und Therapien: Bei einer Spastik in Folge eines Schlaganfalls löst es effektiv Blockaden im Muskel und unterstützt somit die Rehabilitation. Gleiches gilt für Fälle infantiler Zerebralparese. In der richtigen Menge besitzt die Substanz somit eine Funktion als Medikament bei Bewegungsstörungen und kommt bei diesen Erkrankungen erfolgreich zum Einsatz.

Was ist ein Muskelrelaxans?

Ein Muskelrelaxans ist ein Eiweiß, das von dem Bakterium Clostridium b. hergestellt wird. Dieses Bakterium produziert acht verschiedene Sorten des Muskelrelaxans (A, B, Cα, Cβ, D, E, F und G). Die stärkste Wirkung besitzt das Muskelrelaxans A. Die Substanz wird seit 1980 zur Muskelentspannung und seit 1990 zur Behandlung von Falten eingesetzt. Seit 1996 wird es auch zur Behandlung schwitziger Hände angewendet. Der bekannte Wirkstoff wurde erstmals 2002 von der US-Arzneimittelbehörde FDA für die Behandlung von Zornesfalten und Stirnfalten zugelassen. Seit 2013 wird es auch für die Behandlung von Augenfalten, auch Krähenfüße genannt, angewendet. Aktuell gibt es drei von der FDA zugelassene Produkte mit dem Inhaltsstoff der Variante A zur Faltenbehandlung: Dysport®/Azzalure®, Vistabel® und Xeomin®/Bocouture®. Heutzutage wird es im Gesicht zum Glätten von Falten und auch zum Lifting der Augenbraue (ästhetisches Anheben der Augenbraue) eingesetzt.

Wie wirkt das Muskelrelaxans?

In sehr geringer Konzentration hemmt eine Muskelrelaxans-Unterspritzung die Signalübertragung der Nerven auf die jeweiligen Muskeln und fungiert so als Muskelrelaxans. Die sichtbaren Falten auf der Haut werden reduziert und das Hautbild wird glatter. Die Signalübertragung erfolgt durch den Botenstoff Acetylcholin. Dieser wird innerhalb der Nervenschaltstellen in kleinen Bläschen gelagert. Wenn ein Nervenimpuls die Muskulatur erreicht, wird der Botenstoff Acetylcholin aus den Bläschen freigesetzt, wie eine Luftblase, die an die Wasseroberfläche tritt. Auf der Innenfläche der Nerven verhindert das Muskelrelaxans, dass die Bläschen an die Oberfläche treten. Sie bleiben sozusagen unterhalb der Wasseroberfläche hängen. Nach einer gewissen Zeit bilden die Nervenzellen wieder das Eiweiß, das zur Öffnung der Bläschen erforderlich ist (synaptosomales Eiweiß mit dem Gewicht von 25 Kilodalton, kurz SNAP-25). Daher nimmt der Effekt des Muskelrelaxans allmählich ab. Er entfaltet sich in einem bestimmten Umkreis um den Injektionspunkt der Behandlung herum. Die Größe der behandelten Areale wird durch die Produkteigenschaften des Muskelrelaxans-Präparates, die verabreichte Dosis und das Volumen sowie der Technik zur Faltenunterspritzung bestimmt. Auf einem Durchmesser von etwa einem Zentimeter um die Einstichstelle der Unterspritzung herum entspannen sich die Muskeln und die Schweißdrüsenproduktion nimmt ab.

Wie lange hält eine Behandlung mit einem Muskelrelaxans an?

Das Ergebnis der Methode beginnt sich bereits zwei Tage nach der Anwendung im Gesicht zu entfalten. Bei neunzig Prozent der Patienten ist an der Haut am siebten Tag ein deutliches Ergebnis der Faltenbehandlung zu sehen. Das gewünschte, natürliche Ergebnis ist ab dem vierzehnten Tag zu erwarten. Wann das Resultat sich in welchem Maße entfaltet, hängt unter anderem vom Produkt, der Dosierung und der Technik der Injektion zum Glätten der Falten ab. Selbstverständlich spielt es auch eine Rolle, ob es sich um besonders tiefe Falten (z.B. ausgeprägte Zornesfalten/ tiefe Zornesfalten an der Stirn) handelt. Im Durchschnitt hält die Wirkung vier Monate an. Bei einem Drittel der Patienten ist auch fünf Monate nach dem Eingriff zur Faltenbehandlung noch eine zufriedenstellende Wirkung nachweisbar. Die generelle Indikation lautet: Eine Wiederholung dieser minimal-invasiven Faltenbehandlung ist frühestens nach drei Monaten sinnvoll. Nach mehrmaliger Faltenunterspritzung im Rahmen einer fortlaufenden Anti-Aging Therapie der ästhetischen Medizin, kann sich die Wirkungsdauer verlängern und die Haut und ihre Fältchen werden langfristiger geglättet, da sich der Querschnitt der entspannten Muskeln verringert.

Was kostet eine Faltenglättung mit dem Muskelrelaxans?

Eine genaue Kostenberechnung erfolgt individuell, beim Beratungstermin mit dem Arzt. Wenn Sie sich im Vorfeld eine Übersicht über den preislichen Rahmen verschaffen möchten, werfen Sie gerne vorab einen Blick auf unserer Kostenseite.

Für welche Behandlungen mit dem Muskelrelaxans werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist nur in medizinisch notwendigen Fällen möglich. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Leistungspflicht der Krankenkassen.

Was ist der Unterschied zwischen Vistabel®, Dysport®/Azzalure® und Xeomin®/Bocouture®?

Der Wirkstoff von Dysport®/Azzalure® wird von dem Pharmakonzern Ipsen mit Hauptsitz in Paris hergestellt. Galderma, ein Schweizer Pharmaunternehmen mit Sitz in Lausanne, hat 2007 die exklusiven Rechte zur Entwicklung, Vermarktung und zum Vertrieb von Dysport®/Azzalure® in Europa erworben. Vistabel® wird von dem Pharmakonzern Allergan mit Hauptsitz in Irvine, Kalifornien hergestellt. Der Pharmakonzern Merz Pharmaceuticals GmbH mit Hauptsitz in Frankfurt stellt das Xeomin®/Bocouture® her. Diese Produkte unterscheiden sich hinsichtlich des Herstellungsprozesses und der Zusatzstoffe. Alle drei Produkte enthalten den A1 Subtyp des Muskelrelaxans A mit dem Molekulargewicht von 150 Kilodalton. In allen drei Produkten ist humanes Serumalbumin enthalten. Die Substanz enthält ca. 0,9 Nanogramm Muskelrelaxans A pro 100 Einheiten, Dysport® enthält 1,6 Nanogramm pro 300 Einheiten und Xeomin® ca. 0,4 Nanogramm pro 100 Einheiten. Es gibt wenige gute faktenbasierte Studien, die einen bedeutenden Unterschied zwischen den drei Produkten nachweisen. Dysport®/Azzalure® und Xeomin®/Bocouture® haben einen früheren Wirkungseintritt als Vistabel®. Der Effekt von Dysport®/Azzalure® hält im Vergleich mit Vistabel® etwas länger an. Dysport®/Azzalure® und Vistabel® sollten bei Temperaturen unter acht Grad Celsius und Xeomin®/Bocouture® bei Temperaturen unter fünfundzwanzig Grad aufbewahrt werden.

Was ist eine Muskelrelaxans Einheit?

Eine Einheit des Muskelrelaxans ist eine Mengenangabe. Die Einheit dieses Muskelrelaxans wurde in Laborversuchen definiert und wird als „E“ abgekürzt. Da die Versuchsbedingungen nicht bis auf das kleinste Detail festgelegt wurden, unterscheiden sich die Einheiten von einem Hersteller zum anderem. Muskelrelaxans-Einheiten sind für jedes Produkt spezifisch und nicht austauschbar. Für die Behandlung von Zornesfalten an der Stirn (zwischen den Augen) werden zum Beispiel folgende Dosierungen zur Injektion empfohlen: Dysport®/Azzalure® 50 E, Vistabel® 20 E, und Xeomin®/Bocouture® 20 E.

Kann ich auf die Faltenbehandlung mit Muskelrelaxanzien immun werden?

Diese ist eine häufige Frage. Der Organismus kann unterschiedliche Antikörper entwickeln. Nur neutralisierende Antikörper können jedoch zu einem Wirkungsverlust und einem verminderten Ergebnis führen. Neutralisierende Antikörper entwickeln sich nur in sehr seltenen Fällen. Das Risiko hierfür ist in der Tat sehr niedrig. In der Weltliteratur wurden nur sehr wenige Fälle beschrieben, in denen Patienten nach einer ästhetischen Behandlung neutralisierende Anti- Körper entwickelt haben. Werden z.B. kleine Fältchen neben den Augen, sogenannte Krähenfüße, mit einer Muskelrelaxans Injektion behandelt, so werden sehr geringe Mengen benötigt. Zudem ist eine Wiederholung der Faltenunterspritzung mit dem Wirkstoff erst nach längerer Zeit erforderlich.

Einige Patienten sprechen nicht gut auf eine Muskelrelaxans Behandlung an. Gelegentlich kommt es in der ersten Woche nach dem Spritzen zu unerwünschten Nebenwirkungen, die aber nicht lange anhalten und leicht bis mittelstark ausgeprägt sein können. Die Ursache für eine allergische Reaktion kann eine unzureichende Dosierung, eine unsachgemäße Lagerung oder Zubereitung sowie eine fehlerhafte Injektionstechnik sein. Allergische Reaktionen sind jedoch sehr selten. So entsteht im Normalfall nach dem Eingriff lediglich eine leichte Schwellung.

Was ist vor einer Faltenunterspritzung mit dem Muskelrelaxans Muskelrelaxans zu beachten?

In jedem Fall ist es empfohlen, eine Muskelrelaxans-Therapie nur von einem erfahrenen Arzt durchführen zu lassen. Die Behandlung erfolgt ambulant. Es ist also kein stationärer Aufenthalt in einer Klinik notwendig. Wählen Sie einen Spezialisten der ästhetischen und plastischen Chirurgie, denn dieser kennt sich nicht nur mit Schönheits-OPs aus. Bei ihm sind Sie für eine Faltenunterspritzung am besten aufgehoben, da er umfassende Erfahrung besitzt. Der behandelnde Arzt analysiert die Ausgangssituation genau. Er erläutert Ihnen im Detail, welche verschiedenen Faltentypen existieren (statische Falten, dynamische Falten etc.) und empfiehlt Ihnen das für Sie geeignetste Verfahren. Sie erhalten selbstverständlich auch Auskunft über alternative Methoden, wie der Anwendung von Fillern zur Faltenunterspritzung im Gesicht (z.B. Hyaluronsäure oder Eigenfett). Der Facharzt mit langjähriger Erfahrung wird Sie über den Ablauf, sowie über eventuelle Schmerzen, mögliche Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen aufklären, die gelegentlich beim Spritzen des Muskelrelaxans Typ A auftreten können. Selbstverständlich beantwortet er auch jegliche, weitere Fragen zur Faltenbehandlung.

Was ist nach einer Faltenunterspritzung mit einem Muskelrelaxans zu beachten?

Wie Sie sich nach dem Eingriff verhalten sollen, damit ein gutes Ergebnis erreicht wird und Sie einer Schwellung vorbeugen, erfahren Sie im Beratungsgespräch mit dem Arzt. Der behandelnde Spezialist weist bei dieser Gelegenheit auf entsprechende Vorsichtsmaßnahmen hin.

Vorher-Nachher Bilder einer Faltenunterspritzung mit Muskelrelaxans

Patienten interessieren sich meist bereits vor dem Eingriff dafür, ein besseres Bild davon zu bekommen, wie das Aussehen ästhetisch verbessert wird. Dass die Mimik durch die Methode eingefroren wird, ist ein weit verbreiteter, jedoch unwahrer Mythos. Patienten möchten dennoch in der Regel sehen, in welchem Maße die Falten nach der kosmetischen Anwendung reduziert werden und sichergehen, dass es sich nicht negativ auf ihre Mimik wirkt, wenn Ihnen ein Muskelrelaxans gespritzt wird. Fragen Sie daher den Arzt der ästhetischen Chirurgie nach Bildern von Behandlungsergebnissen (ohne Make-Up). Bevor Sie sich für eine Faltenunterspritzung entscheiden, besteht in unserer Praxis die Möglichkeit, in einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt festgehaltene Aufnahmen von Ergebnissen einzusehen. Der Arzt wählt die Bilder mit Bedacht aus, da diese vergleichbar sein müssen. Weitere Informationen bzgl. der Möglichkeit zur Einsicht solcher Fotos erhalten Sie auf unserer Seite zu Vorher-Nachher Bildern.

Erfahrungsberichte zur Faltenunterspritzung mit einem Muskelrelaxans

Auf dem Bild sehen sie einen Erfahrungsbericht zur Muskelrelaxans Behandlung bei Centerplast. Wo Sie weitere Bewertungen unserer erfahrenen Fachärzte und Erfahrungsberichte zu entsprechenden durchgeführten Behandlungen finden, erfahren Sie auf unserer Seite Erfahrungsberichte.

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

Haben Sie noch Fragen? – Nutzen Sie unser Schnell-Kontaktformular

Ihr Centerplast-Team um PD Dr. Stéphane Stahl und Dr. Adelana Santos Stahl berät Sie gern.

Nach oben
Logo Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen Logo The American Society for Aesthetic Plastic Surgery Logo ICOPLAST Logo Sociedade Brasileira de Cirurgia Plástica Logo E.S.P.R.A.S Logo Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie Logo Deutsche Gesellschaft für ästhetische Botulinum- und Fillertherapie e.V. Logo Federation of European Societies for Surgery of the Hand