Filler

Die Faltenunterspritzung mit Filler – Füllmaterialien – gilt als eine der bewährtesten und sichersten Methoden, vorhandene Falten zu glätten und das Gesicht zu verjüngen. Ein bewährter Filler ist die Hyaluronsäure, ein natürliches Molekül, das im Körper zwischen den Zellen als Füllmaterial existiert. In geringen Mengen unter bestehende Gesichtsfalten injiziert können so bereits vorhandene Falten unterpolstert und geglättet werden. Besonders wirksam sind Filleranwendungen im Bereich zwischen Nase und Mundwinkeln, an den Lippen, den Schläfen, den Kieferwinkeln und den Wangen.

 

Welche Arten von Gewebefüllern gibt es?

Es gibt grundsätzlich vier Kategorien von Gewebefüllern:

  • Calcium Hydroxylapatit Gewebefüller (zum Beispiel Radiesse®) werden über den natürlichen Stoffwechsel nach etwa 12 bis 18 Monate wieder abgebaut. Sie zeichnen sich durch eine hohe Zähflüssigkeit. Radiesse® eignet sich zur Behandlung tiefer Falten und erschlaffter Gesichtskonturen.
  • Milchsäure Gewebefüller (zum Beispiel Sculptra®) regen die Produktion von neuem Kollagen an, was zu mehr Volumen führt. Es dauert daher etwa 6 Monate bis das Endergebnis sichtbar wird.
  • Polymethylmethacrylat (PMMA) und Rinderkollagen Gewebefüller (zum Beispiel Bellafill®) sind nicht vom Körper abbaubar.
  • Hyaluronsäure Gewebefüller (zum Beispiel Juvéderm® Volbella, Volift, Voluma; Restylane® Volyme, Defyne, Kysse, Skinboosters) bestehen aus natürlich vorkommenden Glycosaminoglycane. In der Regel halten die Ergebnisse der Hyaluronsäurepräparate zwischen sechs Monate bis zu zwei Jahre an. Ein wesentlicher Vorteil der Hyaluronsäure Gewebefüller ist, dass sie bei Bedarf mit dem Enzym Hyaluronidase (Hylase©) schnell abgebaut werden können.

Lipofilling mit Eigenfett

Lipofilling, also das Benutzen von Eigenfett, ist eine interessante Alternative zum Hyaluron-Einsatz. Zum einen ist das Verwenden körpereigenen Materials eine risikoärmere Methode – es besteht keine Gefahr einer Abstoßungs- oder allergischen Reaktion. Zum anderen kann man das Fett von Stellen entnehmen, wo es ohnehin stört.

Deutliche Vorteile ergeben sich dadurch, dass das lebende Fettgewebe verschiedene Zelltypen enthält – beispielsweise Stammzellen, die einen regenerativen Effekt haben und damit das Hautbild über das reine Auffüllen hinaus verbessern können. Da die Zellen an der Transplantationsstelle einwachsen, hält die verschönernde Wirkung eines Lipofillings meist auch deutlich länger an; ein Nachspritzen wie bei Hyaluron ist in der Regel nicht nötig.

Qualifizierung und Berufserfahrung machen einen Unterschied

Die Popularität der Behandlung mit Faltenfüllmaterialien darf nicht darüber hinweggetäuschen, dass fachliches Know How nötig ist, um eine optimales Ergebnis zu erzielen und die Risiken zu minimieren. Für die Erteilung der Erlaubnis zur Ausübung als Heilpraktiker genügt ein Hauptschulabschluss und eine Prüfung beim Gesundheitsamt. Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist freiwillig. Die Chirurgie ist ein Handwerk. Es braucht allerdings nicht nur Training, um den Beruf des Chirurgen ausüben zu können. Viel Wissen und Erfahrung ist notwendig, um erkennen zu können, wann eine Behandlungsmaßnahme angemessen ist und wann nicht. Das Beherrschen von Komplikationen und von Behandlungsalternativen erfordert ebenfalls eine umfassende Ausbildung. Der Begriffe "Schönheitschirurg", "ästhetischer Chirurg" oder "kosmetischer Chirurg" sind nicht geschützt. Anders ist das bei der Berufsbezeichnung "Plastischer und Ästhetischer Chirurg", diese Mediziner haben alle eine entsprechende sechsjährige Weiterbildung absolviert.

Filler (Hyaluron)

Die Unterspritzung von Falten mit Gewebefüllern (Synonym: „Filler“) dient der Verbesserung des äußeren Erscheinungsbilds ohne eine Operation. Filler können ohne Ausfallzeit zur Korrektur von Falten und zum Volumenaufbau unterspritzt werden.

Die heutigen Techniken der Unterspritzungen basieren auf jahrzehnte lange Forschung und Erfahrungen. Der Volumenaufbau mit der Verpflanzung von Eigenfettgewebe vom Oberarm in das Gesicht wurde im 18. Jahrhundert beschrieben (Neuber, F. 1893. Kongressband/Deutsche Gesellschaft für Chirurgie). Die Unterspritzung mit einem Fillerprodukt zum Aufbau von Gesichtskonturen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts unternommen (Gersuny, J. S. 1903. Zentralblatt für Chirurgie).

Erst mit der Herstellung von sicheren und wirksamen Fillern wurde die Gewebeunterspritzung zu einer der häufigsten Behandlungsformen in der Plastischen Chirurgie. Die Anzahl an Filler Behandlungen hat sich weltweit von 2010 bis 2018 mehr als verdoppelt. 2018 wurden weltweit geschätzt etwa 3,8 Millionen Behandlungen durchgeführt (ISAPS Global Statistics).

Was ist Hyaluronsäure?

Bei der Untersuchung des Augenglaskörpers wurde 1880 eine besondere durchsichtige Substanz beschrieben und als Hyalomucin („Hyalos“ altgriechisch für Glas) bezeichnet (Beauregard, 1880, J de l’Anat et de la Physiol Norm et Pathol de l’Homme et des Animaux). Später wurde ein Baustein dieser Substanz entdeckt: die Uronsäure beziehungsweise die Glucuronsäure (Meyer K., et al. 1934, J Biol Chem). Daraus leitet sich die Namensgebung Hyaluronsäure ab. In Wasser aufgelöste Hyaluronsäure wird als Natriumhyaluronat bezeichnet. Hyaluronan ist der wissenschaftliche Überbegriff für die Trockensubstanz Hyaluronsäure und das in Wasser gelöste Natriumhyaluronat.

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Baustoff des menschlichen Körpers, der in identischer Form bei allen Wirbeltieren vorkommt. Hyaluronsäure besteht aus einer Kette einer Zuckerverbindungen, die sich 10.000 bis 25.000 Mal wiederholt (Glucuronsäure und Acetylglucosamin). Hyaluronsäure ist wichtig für die Gesundheit und die Funktion aller Organe. Kollagen und Hyaluronsäure sind wesentliche Bestandteile eines Gerüsts, welches die Zellen im Körpergewebe miteinander verbindet. Hyaluronsäure kommt in der Medizin unter anderem als „Schmiermittel“ und „Stoßdämpfer“ bei verschlissenen Gelenken (Arthrose) zum Einsatz.

Hyaluronsäure bindet so viel Wasser wie kaum eine andere Substanz in der Natur. Die Gründe hierfür sind die wasseranziehenden Zuckerbestandteile und die lange Kette von Zuckerverbindungen der Hyaluronsäure. Sie speichert die Feuchtigkeit und erhöht die Widerstandsfähigkeit der Haut. Ein Gramm Hyaluronsäure bindet etwa 500 Milliliter Wasser (Ogston AG, et al. 1966, Fed Proc).

Für die Ästhetische Medizin ist ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, interessant. Zudem ist sie druckstabil. Beides macht Hyaluron ideal zum Aufpolstern erschlaffter Hautpartien und Unterfüllen von Falten. Unebenheiten der Haut und eingesunkene Hautpartien können mit Hyaluron ausgeglichen werden. Zudem wird Hyaluron genutzt, um Gesichtskonturen oder auch Körperkonturen markanter zu definieren und Lippen voller zu gestalten.

Wo kommt Hyaluronsäure vor?

Hyaluronsäure ist in der Natur weit verbreitet: Es kommt bei Menschen, Wirbeltieren, Weichtieren, Bakterien, Algen und bestimmten Hefepilzen vor (De Oliveira J.D., et al., 2016, Microb Cell Fact). Beim Menschen ist Hyaluronsäure in den Gelenken, der Haut, den Bandscheiben, der Lunge, im Auge und im Gehirn vorhanden. In der tiefsten Hautschicht (Stratum basale) ist eine hohe Konzentration an Hyaluronsäure vorhanden. Die höchste Konzentration an Hyaluronsäure findet sich interessanterweise in der Nabelschnur (4 Milligramm pro Milliliter).

Der Körper eines 70 Kilogramm schweren Menschen beinhaltet etwa 15 Gramm Hyaluronsäure (Stern R. 2004. Eur J Cell Biol). Die größte Menge an Hyaluronsäure (7-8 g beim Erwachsenen) befindet sich in der Haut (Reed RK, et al. 1988. Acta Physiol Scand).

Hyaluronsäure füllt den Raum zwischen den Zellen (extrazelluläre Matrix) aus. Diesen Raum kann man sich als Gerüst vorstellen, das aus Hyaluronsäure, Kollagen und Zuckermolekülen besteht. Enzyme an der Oberfläche spezifischer Zellen, auch Fibroblasten genannt, stellen die Hyaluronsäure her. Die Enzyme setzen die Kette der Hyaluronsäure im Zellinneren zusammen. Die länger werdende Kette der Hyaluronsäure wird in den Zwischenzellraum (extrazelluläre Matrix) freigesetzt.

Was macht Hyaluronsäure im Körper?

Viele Studien beschäftigen sich intensiv mit der Rolle der Hyaluronsäure. Hyaluronsäure beeinflusst viele Abläufe in unserem Körper. Hyaluronsäure steuert unter anderem:

  • den Zusammenhalt von Zellen,
  • die Wanderung von Zellen,
  • die Vermehrung von Zellen,
  • die Heilung von Wunden und
  • dient als Schmiermittel in der Gelenksflüssigkeit,
  • der Formgebung des Glaskörpers des Auges,
  • der Fortleitung von Impulsen von Nerven und
  • der Entwicklung und Ausreifung des Kindes im Mutterleib.

Viele Vorgänge werden gesteuert, in dem die Hyaluronsäure wie ein Schlüssel in einem Schloss an einer Zelloberfläche eine Reaktion auslöst. Eines der häufigsten „Schlösser“ für die Hyaluronsäure nennt sich CD44. Dieses Schloss ist auf fast allen Zellen des menschlichen Körpers vorhanden.

Die Steuerungsmechanismen sind hochkomplex und werden von vielen Parametern beeinflusst. Tatsächlich kann im Körper ein Schlüssel unterschiedliche Schlösser öffnen und unterschiedliche Schlüssel können ein und das gleiche Schloss öffnen. Eine Vielzahl von verschiedenen Signalmolekülen (Wachstumsfaktoren, Zytokinen und extrazellulären Matrixproteinen wie Fibronektin) können das CD44 Schloss öffnen. Die Wirkung der Hyaluronsäure hängt auch von der Länge der Kette der Hyaluronsäure und der Konzentration der Hyaluronsäure ab (Cyphert J.M., et al., 2015, Int J Cell Biol).

Wie unterscheiden sich Hyaluron-Produkte?

Die Unterspritzung von Hyaluronsäure wurde 1996 in Europa und 2003 erstmals in den USA für die Behandlung von Gesichtsfalten zugelassen. Hyaluronsäure Präparate zur Faltenbehandlung unterscheiden sich beispielsweise in folgenden Eigenschaften:

  • die Konzentration der Hyaluronsäure,
  • die Größe der Hyaluronsäure Moleküle,
  • die Anteile von hoch- und niedermolekularer Hyaluronsäure,
  • der Grad und die Art der Vernetzung der Hyaluronsäure,
  • die Fähigkeit Wasser zu binden,
  • die Neigung, in die Ursprüngliche Form zurückzukehren (Elastizitätsmodul: G‘ in Pascal, je höher der Wert desto fester das Gel),
  • die Zähflüssigkeit des Gels (Viskositätsmodul: G‘‘ in Pascal, je höher der Wert desto dickflüssiger das Gel),
  • der Zusammenhalt des Gels (Kohäsivität),
  • die Zugabe eines örtlichen Betäubungsmittels.

Eine dichte Vernetzung der Moleküle, eine hohe Konzentration und ein hohes Molekulargewicht von Hyaluronsäure verlangsamen den körpereignen normalen Abbau. Mit zunehmender Molekülgröße und Konzentration erhöht sich die Zähflüssigkeit des Gels.

Wie wird Hyaluronsäure abgebaut?

Etwa ein Drittel der gesamten Menge an Hyaluronsäure im menschlichen Körper wird täglich abgebaut und neu gebildet (Volpi N, et al. 2009, Curr Med Chem). Hyaluronsäure wird unter normalen Umständen bereits nach wenigen Stunden abgebaut. Mit dem Alter wird immer weniger Hyaluronsäure hergestellt. Im Alter von 19 bis 47 Jahren besteht die Haut zu 0,03 Gewichtsprozent aus Hyaluronsäure. Im Alter von 60 beziehungsweise 75 Jahren verringert sich der Anteil auf 0,015 beziehungsweise 0,007 Prozent. Darüber hinaus werden die Ketten der Hyaluronsäure im Alter kürzer (Longas MO, et al. 1987 Carbohydr Res). Die Folgen sind trockene Haut und Falten.

Die Hyaluronsäure wird im menschlichen Körper durch Enzyme (Hyaluronidasen) und durch chemische Reaktion mit Sauerstoff zerkleinert. Die zerlegten Bausteine der Hyaluronsäure werden in der Leber zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut. Die Hyaluronsäure wird an verschiedenen Stellen des Körpers unterschiedlich schnell abgebaut. Zum Vergleich wird die Zeitspanne angegeben, nach der die Hälfte der Hyaluronsäure abgebaut ist (Halbwertszeit). Die Halbwertszeit der Hyaluronsäure in der Haut beträgt 24 Stunden, im Knorpel 1-3 Wochen und im Glaskörper 70 Tage (Schiraldi C., et al, 2010, Biopolymers).

Wie wird hyaluronsäure hergestellt?

Hyaluronsäure kommt bei medizinischen und medikamentösen Behandlungen, als Kosmetikprodukt und als Nahrungsergänzungsmittel zur Anwendung. Entsprechend intensiv wird die biotechnologische Herstellung erforscht. Ziel dieser Anstrengungen ist die Herstellung von reiner Hyaluronsäure, ressourcenschonend und kosteneffektiv. Bei der modernen Herstellung der Hyaluronsäure kommen daher bestimmte Bakterienstämmen zum Einsatz (Tezel A, et al., 2008, J Cosmet Laser Ther). Dieses Verfahren wird auch als NASHA (nicht-tierisch stabilisierte Hyaluronsäure) bezeichnet. Die Gewinnung von Hyaluronsäure aus tierischem Gewebe ist zeit- und arbeitsintensiv und wird daher kaum noch angewandt. Tierische Hyaluronsäure haben zehn bis fünfzehn tausend Zuckerverbindungen pro Kette. Die bakterielle Hyaluronsäure hat hingegen vier bis sechs tausend Zuckerverbindungen pro Kette. Die von Bakterien hergestellte Hyaluronsäure wird von der Amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA: Food and Drug Administration) als unbedenklich eingestuft (Widner et al. 2005).

Der Grad der Vernetzung gibt den Prozentsatz der Zuckerverbindungen der Hyaluronsäure an, die mit einer anderen Kette von Hyaluronsäure verbunden sind. Ein Vernetzungsgrad von vier Prozent bedeutet, dass vier von hundert Zuckerverbindungen einer Kette vernetzt sind. Ein höherer Grad der Vernetzung geht mit einer höheren Zähflüssigkeit und einer geringeren Fähigkeit Wasser zu binden einher. Verbundene Ketten von Hyaluronsäure werden von Enzymen langsamer abgebaut. Die Wirkung der Hyaluron Unterspritzung hält länger an.

Die am häufigsten verwendete Substanz zur Vernetzung der Hyaluronsäure ist 1,4-Butandioldiglycidylether (BDDE). BDDE wird seit 1986 eingesetzt (Weiss C. et al., 1986, Bull Hosp Jt Dis Orthop Inst). Die stabile Verbindung des BDDE verlängert die Hyaluronsäure Wirkung bis zu einem Jahr. Durch einen komplexen Reinigungsprozess wird das nicht gebundene BDDE bis auf 0,002 Milligramm pro Milliliter Hyaluronsäure-Gel entfernt. Das BDDE wird in der Leber durch ein bestimmtes Enzym (Cytochrome P450) in Glycerin und Butandiol abgebaut. Beide Stoffe werden wiederum in Kohlendioxid abgebaut werden. Andere Substanzen wie Divinylsulfon werden kaum noch eingesetzt, da BDDE verträglicher als Divinylsulfon ist (De Boulle K, et al., 2013, Dermatol Surg).

Wie lange hält eine Hyaluronspritze?

Der Abbau der unterspritzten Hyaluronsäure hängt von folgenden Parametern ab:

  • der Konzentration der Hyaluronsäure,
  • der Größe der Hyaluronsäure Moleküle,
  • die behandeltet Körperregion,
  • die Menge der injizierten Hyaluronsäure,
  • der Stoffwechsel der jeweiligen Person und
  • den Grad und die Art der Vernetzung der Hyaluronsäure.

Die Wirkung von Hyaluronbehandlungen hält je nach verwendetem Hyaluron-Präparat nur eine begrenzte Zeit lang an. Die Spanne kann von drei bis vierundzwanzig Monaten bei den üblicherweise im Gesicht verwendeten Hyaluron-Präparaten reichen (Fallacara A. et al, 2017, Facial Plast Surg). Das Ergebnis einer Hyaluronsäure-Unterspritzung der Wangen oder der Tränenrinnen ist langanhaltender als die Behandlung der Falte zwischen Nase und Mund (Nasolabialfalte) (Park KY et al., 2017, Dermatol Surg).

Kann ich allergisch auf Hyaluronsäure reagieren?

Hyaluronsäure kommt in allen Organen des Körpers vor. Eine allergische Reaktion auf die Hyaluronsäure selbst ist daher nicht möglich. Eine Hautreaktion tritt schätzungsweise bei einem von fünf tausend Patienten auf. Anzeichen sind Rötung, Schwellung, Schmerzen, Juckreiz oder vorübergehende Unebenheiten. Die Beschwerden treten im Durchschnitt zweiundzwanzig Tage nach der Behandlung auf und sind nach einigen Wochen rückläufig. Auslöser hierfür sind vermutlich eiweißhaltige Rückstände von der bakteriellen Herstellung (Friedman PM, et al., 2002, Dermatol Surg). Auch Konservierungsmittel oder Substanzen die zur Vernetzung der Hyaluronsäure benutzt werden, kommen als Auslöser in Frage. In diesen seltenen Fällen wird eine Kortison-Behandlung empfohlen, um die Entzündungszeichen zu lindern. Bei anhaltenden Beschwerden kann Hyaluronidase helfen (Turkmani MG, et al., 2019, Clin Cosmet Investig Dermatol).

Welche Hyaluronsäure ist die beste?

Ein hochwertiges Produkt sollte sich durch folgende Eigenschaften auszeichnen:

  • An der Sicherheit des Fillers sollte es keine Zweifel geben.
  • Das Produkt sollte gut Gewebeverträglich sein.
  • Es sollte keine Allergien auslösen.
  • Der Filler sollte leicht anzuwenden sein.
  • Die Substanz sollte langlebig aber abbaubar sein.
  • Das Behandlungsergebnis sollte natürlich aussehen.
  • Der Gewebefüller sollte sich nicht im Körper verteilen.
  • Der Filler sollte bei Bedarf auflösbar sein.
  • Das Produkt sollte nicht zu teuer sein.

Die Auswahl des optimalen Gewebefüller sollte sich nach den Bedürfnissen richten. Ein Filler zur Behandlung der Lippen hat unterschiedliche Eigenschaften wie ein Filler zur Verbesserung hängender Wangen.

Die Zulassung durch die US Food and Drug Administration (FDA) ist an strengeren Vorlagen gebunden. Die Daten von guten wissenschaftlichen Untersuchungen, die Erfahrungswerte über viele Jahre und die Zulassung der US Amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) sind Qualitätsmerkmale eines Filler-Produktes.

 

Sind Filler Medizinprodukte oder Arzneimittelprodukte?

Filler werden als Medizinprodukte eingestuft, wie zum Beispiel Verbandstoffe oder Sehhilfen. Die Hyaluronsäure-Präparate zur Unterspritzung unterliegen nicht dem strengen Arzneimittelgesetz. Die CE-Kennzeichnung für Medizinprodukte sieht eine Überprüfung der Verträglichkeit vor. Die Zulassung als Arzneimittel ist wesentlich strenger. Sie beinhaltet zum Beispiel den Nachweis der Wirksamkeit und der Unbedenklichkeit in aussagekräftigen klinischen Studien. Diese Studien erfordern erhebliche finanziellen Mittel sowie umfangreiche personelle und materielle Ressourcen. Anerkannten und etablierten Firmen fällt es leichter diese Mittel aufzubringen.

Wer darf Filler spritzen?

Grundsätzlich dürfen approbierte Ärzte und Heilpraktiker Hyaluronsäure spritzen. Für ein gutes Ergebnis ist nicht nur die Qualität der Hyaluronsäure wichtig, sondern auch die Fertigkeiten und das Wissen des Anwenders. Folgende Hinweise sollen Ihnen helfen sich zu entscheiden, wem Sie sich anvertrauen:

  • Wie vor jeder medizinischen Behandlung ist zunächst ein Gespräch und eine Untersuchung erforderlich, um den genauen Befund zu erheben. Eine Diagnose auf dem Fachgebiet der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie zu stellen, erfordert eine entsprechende Ausbildung und Berufserfahrung.
  • Oftmals führt die Kombination verschiedener Verfahren zu dem bestmöglichen Ergebnis (zum Beispiel Microneedling, PRP, Botox). In manchen Fällen sind gänzlich andere Behandlungstechniken erforderlich (zum Beispiel Eigenfettunterspritzung, Straffungsoperationen, Silikonimplantate). Die Kenntnisse und Erfahrungen darüber sind wichtig, um Sie richtig beraten zu können.
  • Für eine sorgfältige Abwägung verschiedener ärztlicher Behandlungsmethoden ist eine wissenschaftliche Ausbildung und eine stetige Aktualisierung der Kenntnisse erforderlich.
  • Ein vorausschauender Behandlungsplan ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes Ergebnis. Hierfür ist eine Abschätzung der individuellen Gesundheitsrisiken und eine Kenntnis über vorbeugende Maßnahmen erforderlich.
  • Eine ästhetische Behandlung ist eine ärztliche Behandlung. Vor jeder medizinischen Behandlung ist eine Aufklärung über mögliche Risiken notwendig. Eine Aufklärung durch nicht ärztliches Personal verstoßt gegen das Bürgerliche Gesetzbuch Paragrafen 630c Absatz 2 S. 1, 630e Absatz 1, Absatz 2 S. 1 Nr. 1.
  • Der Behandler sollte in der Lage sein, mögliche Komplikationen zu beherrschen. Notfallmedikamente wie Hylase® und ein ärztlicher Notfallkoffer sollten vorhanden sein. Art der Anwendung und Dosierung der Notfallmedikamente sollten geläufig sein.
  • Die Behandlung erfordert eine genaue Kenntnis der Anatomie, des Zusammenwirkens der Zellen, der Vorgänge im Gewebe und des Stoffwechsels. Erfahrung in der Durchführung und der Behandlung von Komplikationen ist notwendig.
  • Heilpraktiker darf sich jede Person nennen, die über einen Hauptschulabschluss verfügt und eine Prüfung beim zuständigen Gesundheitsamt besteht. Eine Ausbildung ist freiwillig. Der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie hat sich einem Zulassungsverfahren zum Medizinstudium unterzogen. Das Medizinstudium umfasst 5.500 Stunden theoretischen und praktischen Unterrichts und drei Staatsprüfungen. Ein Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie hat eine praktische Ausbildung von etwa 11.600 Stunden absolviert und eine mündliche Prüfung bestanden. Die Europäische Facharztbezeichnung setzt das Bestehen einer zusätzlichen mündlichen und schriftlichen Prüfung voraus.

Hyaluronsäure als Nahrungsergänzungsmittel

Hyaluronsäure als Nahrungsmittelergänzung wird zu etwa zehn Prozent vom Körper aufgenommen und in verschiedenen Organen gespeichert (Balogh L., et al., 2008, J. Agric. Food Chem. 2008). Mehrere vergleichende Untersuchungen zeigen, dass die Aufnahme von 40 bis 240 Milligramm Hyaluronsäure über vier bis zwölf Wochen zu einer Verbesserung der Hautfeuchtigkeit führt (Kawada C., et al., 2014, Nutr. J.). Es gibt auch Hinweise, dass die Nahrungsergänzung mit Hyaluronsäure Knieschmerzen lindert (Oe, M., et al, 2016, Nutr. J.). Die Anzahl der untersuchten Personen und die Dauer der Untersuchung sind nicht immer sehr aussagekräftig. Auch ist die Unabhängigkeit der Untersucher bei gewissen Studien fragwürdig (Göllner I., et al, 2017, J. Evid. Based Complement. Altern. Med.). Zur Verbesserung des Hautbildes scheint die Kombination von Nahrungsmittelergänzung, Hautpflegecreme und einer Hyaluronsäure Unterspritzung vielversprechend (Kawada C., et al, 2015, J. Photochem. Photobiol. B.).

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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