Was ist ein Muttermal?

Ein Muttermal ist eine örtliche Vermehrung von Pigmentzellen der Haut (Melanozyten), die als ein dunkler Fleck in Erscheinung tritt. Umgangssprachlich werden auch die Begriffe Schönheitsfleck und Leberfleck benutzt. Der Fachbegriff für ein Muttermal ist Nävus (plural Nävi). Die Anzahl von Muttermalen nimmt mit dem Alter zu. Neue Muttermale können bis zu dem vierzigsten Lebensjahr auftreten. Pigmentflecke, die im fortgeschrittenen Alter auftreten, werden als Altersflecken bezeichnet. Ein gewöhnliches Muttermal ist normalerweise kleiner als etwa 5 Millimeter im Durchmesser. Es ist rund oder oval, hellbraun bis dunkelbraun. Ein Muttermal hat eine glatte Oberfläche und ist scharf von der umgebenden Haut abgrenzbar. Muttermale entstehen besonders häufig an den Körperstellen, die der Sonne ausgesetzt wurden. Je nach erblicher Veranlagung entwickelt ein erwachsener Mitteleuropäer durchschnittlich 10 bis 40 Muttermale über zwei Millimeter im Durchmesser am gesamten Körper. Ab einer Zahl von 50 Muttermalen besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Hautkrebs (Garbe C. et al. 1994, J Invest Dermatol). Das Risiko, dass sich ein Muttermal zu einem Hautkrebs entwickelt ist gering. Auf den Zeitraum eines Jahres bemessen, beträgt das Risiko je nach Lebensalter zwischen 1:200.000 und 1:33.000 (Cymerman RM, et al., 2016, J Natl Cancer Inst). In über 70 Prozent der Fälle entsteht schwarzer Hautkrebs an Stellen, an denen kein Muttermal vorhanden ist (Pampena R., et al., 2017, J Am Acad Dermatol).

Wie entsteht ein Muttermal?

Die Herkunft der Pigmentzellen kann bis auf die ersten Wochen des ungeborenen Kindes zurückverfolgt werden. Unter dem Einfluss von Botenstoffen entwickeln sich die Zellen aus der Gegend des zukünftigen Rückenmarks (auch Neuralleiste genannt) in Bindegewebszellen, Knorpelzellen, Nervenzellen und Pigmentzellen. Bestimmte Botenstoffe leiten die Entwicklung von Vorläuferzellen zu Pigmentzellen ein. UV-Licht kann das Erbgut in Pigmentzellen verändern. Bestimmte Veränderungen des Erbgutes führen zu einer Vermehrung von Pigmentzellen, die als Muttermale sichtbar werden (Grichnik JM, et al., 2014, Exp Dermatol).

Wie werden Muttermale unterteilt?

Hautmale werden nach dem Lebensalter unterteilt in dem sie auftreten. Angeborene Muttermale treten im Mutterleib beziehungsweise in den ersten Lebenswochen auf. Muttermale, die sich im Kindheitsalter und später entwickeln, werden als erworbene Muttermale bezeichnet. Pigmentmale, die sich nach dem 40. Lebensjahr entwickeln, sind Altersflecken.

Muttermale werden auch nach Ihrer Lage in den Schichten der Haut unterschieden. Ein Muttermal, das an der Grenzschicht zwischen Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Dermis) auftritt, wird als Junktionsnävus bezeichnet. Finden sich Pigmentzellen sowohl in der Oberhaut wie auch in der Lederhaut, spricht man von einem Compoundnävus. Der Fachbegriff für ein Muttermal, dessen Pigmentzellen nur in der Lederhaut zu finden sind, ist dermaler Nävus.

Mit einer Speziallupe (Dermatoskop) wird die Anordnung der Pigmentzellen in der Haut untersucht. Die Anordnung der Pigmentzellen kann in Muster wie Linien, Schollen, Kreise oder Punkte unterteilt werden. Muttermale an der Handinnenfläche oder der Fußsohlen weisen parallele Linien in den Furchen der Haut auf (Kittler H., 2015, Dermatoskopie: Musteranalyse pigmentierter und unpigmentierter Hautläsionen). Weitere Merkmale die zur Unterscheidung von Pigmentflecken dienen, sind zum Beispiel Farbe, Größe und die Körperstelle an der sich das Muttermal befindet.

Welche Arten von Pigmentflecken gibt es?

Zu den häufigsten Pigmentflecken zählen vor allem:

  • Sommersprossen (Epheliden).
  • Leberfleck (Lentigo simplex, Altersfleck: Lentigo solaris).
  • Erworbenes Muttermal (Nävus vom Junktionstyp, vom Compoundtyp oder der dermale Nävus).
  • Angeborenes Muttermal (Kongenitaler Nävuszellnävus).
  • Cafe au Lait Fleck (Nävus pigmentosus).

Zu den seltenen Sonderformen gehören:

  • Blauer Nävus (Naevus caeruleus).
  • Halo- oder Sutton-Nävus.
  • Spitz-Nävus (Spindelzell- und Epithelioidzell-Nävus).
  • Reed- Nävus (Spindelzell-Nävus).
  • Nävus spilus.
  • Becker-Nävus.
  • Großer angeborener Leberfleck im Gesicht (Nävus Ota).
  • Großer angeborener Leberfleck an der Schulter (Nävus Ito).

Was ist ein auffälliges Hautmal (atypischer oder dysplastischer Nävus)?

Das ungewöhnliche Erscheinungsbild atypischer Hautmale lässt sich mit Hilfe der ABCDE-Regel von Muttermalen abgrenzen. Auch bei der Betrachtung der einzelnen Zellen unter dem Mikroskop sind Veränderungen gegenüber gewöhnlichen Muttermalen zu erkennen. Atypische Muttermale treten erst während oder nach der Pubertät auf. Sie sind häufig größer als 6 Millimeter im Durchmesser, erhaben oder unregelmäßig gemustert. Besonders gefährdet sind Menschen mit heller Haut, rot oder blondem Haar, mit blauen oder grünen Augen und Sommersprossen. Sonnenbrände besonders in der Kindheit, erhöhen das Risiko für die Entwicklung atypischer Muttermale.

Atypische Muttermale treten in Europa bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung (Spannbreite: 7-24 Prozent) auf (Tucker M.A., 2009, Hematol Oncol Clin North Am). Es wird davon ausgegangen, dass mit der Anzahl atypischer Muttermale das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs steigt (Gandini S., et al., 2005, Eur J Cancer). Das Risiko der Entwicklung von schwarzem Hautkrebs bei auffälligen Muttermalen wird auf etwa 1:30.000 bis 1:40.000 geschätzt (Tsao H., et al., 2003, Arch Dermatol).

Es wird daher empfohlen auffällige Hautmale rückstandslos zu entfernen (Winkelmann R.R., et al., 2015, J Am Acad Dermatol. 2015).

Welches Muttermal ist gefährlich?

Hautkrebs oder Krebsvorstufen fallen durch bestimmte Merkmale auf. Die ABCDE-Regel hilft verdächtige Muttermale zu erkennen. Dabei steht jeder Buchstabe für ein Merkmal. Wenn mindestens eines dieser Merkmale vorliegt, sollte eine Untersuchung durch einen Hautarzt (Dermatologen) erfolgen.

  • A = Asymmetrie: ungleichmäßige Form des Muttermals.
  • B = Begrenzung: unregelmäßig oder unscharf begrenzte Ränder, ohne klare Abgrenzung zur gesunden umgebenden Haut.
  • C = Colorierung: unterschiedliche Färbung mit hellen, dunklen oder rosa Anteilen.
  • D = Durchmesser: an der breitersten Stelle liegt ein Durchmesser von mehr als 6 Millimeter vor.
  • E = Entwicklung / Erhabenheit: Veränderungen der Größe, Form oder Farbe / Wachstum über das Hautniveau.

Muttermale an der Fußsohle oder an den Schleimhäuten werden häufig bei der Selbstuntersuchung übersehen. Muttermale die jucken oder bluten sollten ebenfalls zu einer Untersuchung bei einem Hautarzt veranlassen.

Was ist ein angeborenes Muttermal?

Angeborene Muttermale sind Hautflecken, die bei der Geburt vorhanden sind oder sich innerhalb der ersten Lebenswochen entwickeln. Angeborene Hautmale sind dunkel und gelegentlich behaart. Sie können leicht erhaben sein und eine Vielzahl von Farben, von hellbraun bis schwarz, aufweisen. Angeborene Muttermale wachsen im Verhältnis zum Größenwachstum des Menschen. Sie bestehen aus dicht gepackten Pigmentzellen. In der Fachsprache spricht man von einem kongenitaler melanozytären Nävus. Angeborene Muttermale kommen bei 1 von 100 Neugeborenen vor. Sie treten etwas häufiger bei Frauen als bei Männern auf (Verhältnis von 3:2). Die Pigmentzellen liegen bei angeborenen Muttermalen in der Lederhaut (Dermis).

Die Muttermale werden nach Ihrer Größe unterteilt:

  • Klein: weniger als 1,5 Zentimeter.
  • Mittel: 1,5 bis 20 Zentimeter.
  • Groß: 20 bis 40 Zentimeter.
  • Riesig: größer als 40 Zentimeter.

Je größer das angeborene Muttermal, desto größer ist das Entartungsrisiko zu Hautkrebs (Kinsler VA, et al., 2017, Br J Dermatol). Das Risiko für kleine angeborene Muttermalen einen Hautkrebs im Laufe eines Lebens zu entwickeln beträgt ca. ein Prozent (Caccavale S., et al., 2020, Dermatology). Das Risiko der Allgemeinbevölkerung in Europa im Laufe eines Lebens an schwarzem Hautkrebs zu erkranken beträgt 0,3 to 1,6 Prozent (Erdmann F, et al., 2013, Int J Cancer).

Muttermale ohne OP entfernen

Muttermale können auf verschiedenen Wegen entfernt werden. In gewissen Fällen kann ein Muttermal weggelasert werden. Mit dem Laser wird hochenergisches Licht auf die Haut übertragen. Über Bruchteile einer Sekunde wird das Gewebe stark erhitzt. Einzelne Gewebsschichten oder Zellen verdampfen oder verkohlen.

Einige Laser geben die Energie an chemische Verbindungen mit einer bestimmten Farbe ab (Hämoglobin, Melanin, Wasser). Damit lassen sich gezielt Pigmentzellen zerstören, während das umgebende Gewebe geschont wird. Allerdings haben diese Laser eine begrenzt eindringtiefe. Pigmentzellen in tieferen Hautschichten können bestehen bleiben und sich erneut vermehren. Dies ist besonders Gefährlich, wenn im Vorfeld nicht mit letzter Gewissheit ein schwarzer Hautkrebs ausgeschlossen wurde. Das Lasern birgt auch das Risiko, dass helle Hautflecken entstehen, wenn alle Pigmentzellen zerstört werden. Andere Laser, wie der CO2 Laser, zerstören die oberflächlichste Gewebsschicht ohne eine Unterscheidung nach Farbpigmenten. In 25 bis 50 Prozent der Fälle entstehen hierbei Narben, in bis zu 18 Prozent können sich die Wunden entzünden (Eggen C.A.M., et al., 2018, Br J Dermatol).

Das Ergebnis einer Laserbehandlung ist von der Art des Muttermals, den Hautmerkmalen des Patienten, den Eigenschaften des Lasers und der Erfahrung des Anwenders abhängig. Unter Experten besteht Einigkeit darüber, dass Muttermale sorgfältig für eine Laserbehandlung ausgewählt werden müssen. Lässt sich ein Krebsverdacht nicht ausschließen, muss eine Gewebsprobe feingeweblich (fachsprachlich: histologisch) untersucht werden (Empfehlung der Strahlenschutzkommission, Februar 2016).

Von der selbstständigen Entfernung eines Muttermals zu Hause wird strengsten abgeraten. Im ungünstigsten Fall kann dadurch die Diagnose eines Hautkrebses verzögert werden.

Die chirurgische Entfernung von Muttermalen

Das Verfahren der ersten Wahl zur sicheren Beurteilung von krebsverdächtigen Hautveränderungen ist die dreidimensionale, mikrographisch kontrollierte Entfernung. Die Verfahren des Shavens, des Ausschabens oder Ausstanzens haben bei der feingeweblichen Untersuchung eine eingeschränkte Aussagekraft. Bei einer schonenden Behandlung des Gewebes und einer spannungsfreien feinen Hautnaht verbleibt in der Regel eine feine strichförmige Narbe. Bei einer Operationsplanung unter ästhetischen Gesichtspunkten, wird die Narbe so ausgerichtet, dass sie kaum noch zu erkennen ist. Größere Angeborene Muttermale werden in mehreren Eingriffen entfernt, damit die Hautnaht ohne Spannung heilen kann. Der plastische Chirurg spricht dann von einer seriellen Exzision.

Muttermale im Gesicht entfernen

Um ein ästhetisch optimales Ergebnis zu erreichen arbeiten erfahrene plastische Chirurgen mit feinen Instrumenten und einer Lupenbrille. Der Eingriff ist schmerzfrei bis schmerzarm. Mit einer sehr feinen Kanüle wird das Betäubungsmittel eingespritzt. Der Zusatz von Adrenalin zu dem Betäubungsmittel verringert das Risiko, dass ein blauer Fleck nach der Operation zu sehen ist. Die Entfernung eines Muttermals erfolgt in örtlicher Betäubung und dauert selten länger als fünfzehn Minuten. Erfahrung mit mikrochirurgischen und plastisch chirurgischen Techniken sorgen für kaum sichtbare Narben. Die kleinsten Wunden werden entlang der Hautspannungslinien mit feinsten Nähten verschlossen. Unter diesen Umständen kann die Wunde spannungsfrei heilen und die Fäden können nach wenigen Tagen entfernt werden.

Was ist nach der Entfernung eines Muttermals zu beachten?

Die Wunde sollte am ersten Tag etwas gekühlt werden. Das Duschen ist in der Regel bereits am ersten Tag nach der Operation möglich. Dennoch sollte längeres Baden oder Schwimmen in den ersten 2 Wochen vermieden werden. Eine Krankschreibung ist meist nicht notwendig. Die Hautfäden werden nach 5 bis 7 Tagen entfernt. Die Wundheilung ist meist nach 7 bis 10 Tagen abgeschlossen. Das Zigarettenrauchen verzögert die Wundheilung und erhöht das Entzündungsrisiko. Nach zwei bis drei Wochen kann die Narbenheilung durch häufiges eincremen unterstützt werden. Für eine besonders unscheinbare Narbe empfiehlt sich die Anwendung eines UV-Schutzes in den ersten Monaten.

Was kostet die Entfernung eines Muttermals?

Die Krankenkasse kommt für die Entfernung von Muttermalen auf, wenn es medizinisch notwendig ist, also ein Krebsverdacht besteht. Muttermale können auch wenn sie ästhetisch störend sind, entfernt werden. Der Preis für die Entfernung von gutartigen Muttermalen hängt von der Größe und der Position und der Zahl der zu entfernenden Muttermale ab. Eine Größenordnung der Preise finden Sie auf unserer Kostenseite.

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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