Fett-Weg-Spritze (Injektionslipolyse)

Umschriebene Fettpolster wie zum Beispiel ein Doppelkinn, Hamsterbäckchen, Hängebäckchen oder Fettpolster an der Innenseite der Knie oder den Achseln lassen sich durch Training oder Diäten nicht beeinflussen. Bestimmte Ansammlungen von Fettgewebe können Sie auch ohne eine Operation loswerden. Eine Fett-Weg-Spritze lässt den Fettüberschuss in gewissem Maß schmelzen. Die Fett-Weg-Spritze ergänzt das Behandlungsspektrum der Fettabsaugung- und Straffungsoperationen. Die Behandlung mit einer Fett-Weg-Spritze ersetzt jedoch nicht die chirurgische Fettabsaugung.

Was ist die Fett-Weg-Spritze?

Unter einer Fett-Weg-Spritze versteht man die Verabreichung unterschiedlicher Wirkstoffe, um störende Fettpolster zu verringern. Hierfür werden geringe Substanzmengen gleichmäßig unter die Haut in das Fettgewebe eingespritzt. Es kommt zu einer Schrumpfung und einem Abbau von Fettzellen nach mehreren Wochen. Hierfür muss die Behandlung in der Regel mehrmals wiederholt werden.

Was ist Lipostabil® N?

Die Wirkstoffe von Lipostabil N® ist Phosphatidylcholin (fünf Prozent). Phosphatidylcholin wurde 1959 in der Sowjetunion erstmals beschrieben. Die Desoxycholsäure (2,5 Prozent) dient ursprünglich der Lösung des Phophatidylcholins. Lipostabil® N ist für die Behandlung von Fettembolien zugelassen. Die Verwendung der Wirkstoffe von Lipostabil N® zu anderen Zwecken wird als „Off-​Label-Use“ bezeichnet. „Off-Label-Use“ bedeutet, dass der Einsatz die vorgesehene Zulassung überschreitet. Das bedeutet, dass eine Haftung des pharmazeutischen Unternehmens ausgeschlossen ist.

Das Präparat wurde zunächst von dem Pharmaunternehmen Nattermann hergestellt. 2006 wurde Lipostabil® N verschreibungspflichtig. Nach mehreren Firmenübernahmen hat der letzte Hersteller MCM Klosterfrau hat die Produktion 2019 eingestellt. Das Medikament kann nach Verschreibung durch einen Arzt weiterhin von bestimmten Apotheken hergestellt werden. Die Injektionslösung ist eine klare, farblose, sterile Flüssigkeit. Die Lipostabil N® Zusammensetzung entspricht ungefähr fünfzig Milligramm pro Milliliter Phosphatidylcholin und fünfundzwanzig Milligramm pro Milliliter Desoxycholat (Salz der Desoxycholsäure).

Lipostabil N® wurde erstmals 1966 von Kroupa zur Behandlung der Fettembolie eingesetzt. Maggiori setzte Lipostabil N® 1988 erstmals zur Behandlung von Fetteinlagerung unter der Haut (sogenannte Xanthelasmen) ein. 1995 hat die Brasilianerin Rittes Lipostabil N® zur Behandlung von Tränensäcken eingespritzt. Wegen des Risikos von Hautuntergang hat das brasilianische Gesundheitsministerium 2011 die Injektion von Lipostabil® N zu ästhetischen Zwecken verboten.

Was ist Phosphatidylcholin?

Phosphatidylcholin ist das in der Natur am häufigsten vorkommende Phospholipid. Phospholipide sind Fette mit einer wasserlöslichen und einer wasserabweisenden Seite. Die Hülle jeder Zelle jedes Lebewesen (Menschen, Tieren, Pflanzen und Algen) besteht zur Hälfte aus Phosphatidylcholin. Phosphatidylcholin hilft bei der Verstoffwechselung von Cholesterin. Phosphatidylcholin unterstützt die Verdauung von Fetten und schützt vor Gallen- und Nierensteinen. Eine vorbeugende Wirkung von Phosphatidylcholin bei der Alzheimer Erkrankung, der Gefäßverkalkung und der Fettleber wird noch erforscht. Mit der Nahrung nehmen wird täglich vier bis acht Gramm Phosphatidylcholin auf (zum Beispiel Eigelb, Sojaprodukte, Milch, Mais, Blumenkohl). Phosphatidylcholin führt zur Freisetzung von Blutfetten und stimuliert Fettzellen zur Ausschüttung bestimmter Botenstoffe (TNFα und IL-1β). Diese Botenstoffe leiten den programmierten Zelltod der Fettzellen ein. Phosphatidylcholin wirkt nicht auf Muskelzellen, Gefäßwandzellen (Endothelzellen) und Bindegewebszellen (Fibroblasten). Die maximale Dosis von Phosphatidylcholin pro Behandlung entspricht etwa 2500 Milligramm.

Was ist Desoxycholsäure?

Die Desoxycholsäure ist eine Gallensäure. Gallensäuren wirken wie ein Lösungsmittel, durch das Vermengen von Fett und Wasser. Im Körper wird Desoxycholsäure von der Leber gebildet und über die Gallenwege ausgeschieden. Hier dient Desoxycholsäure der Verdauung fettreicher Nahrung. Im Gewebe führt Desoxycholsäure zu einem Abbau von Fettzellen durch sogenannte Fresszellen (Makrophagen). Es wird davon ausgegangen, dass Desoxycholsäure die Hüllen von Zellen unspezifisch zerstört. Der Tod der Fettzellen durch Schädigung der Zellwand wird auch als Nekrose bezeichnet. Auch Muskelzellen, Bindegewebszellen und Nervenzellen können geschädigt werden. Die Fette aus den Fettzellen werden freigesetzt. Es entsteht ein örtlich begrenzter Entzündungsreiz. Bindegewebszellen (Fibroblasten) bilden darauf hin vermehrt Kollagen. Pro Behandlung sollten nicht mehr als 100 Milligramm Desoxycholsäure verabreicht werden (Jones DH, et al., 2016, Dermatol Surg).

Was ist Kybella®?

In den USA wurde Desoxycholsäure zur Behandlung des Doppelkinns 2015 von der US-amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) zugelassen. Das Präparat wird unter dem Namen Kybella® von der Firma Allergan vertrieben. Kybella® ist in Arzneimittelstudien auch unter dem Namen ATX-101 bekannt. Kybella® ist derzeit nicht in Deutschland zugelassen. 2019 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) vor dem Risiko von Haut- und Gewebeuntergang (Nekrose) bei dem Einsatz von Kybella® gewarnt. Eine Ampulle Kybella® von zwei Milliliter enthält zwanzig Milligramm Desoxycholsäure (zehn Milligramm pro Milliliter).

Was ist Prostrolane Inner-B?

Prostrolane Inner-B enthält Natriumhyaluronat- und Eiweißkomplexe (Nonapeptid-32, Pentapeptid-43, Tripeptid-41, Octapeptid-11). Prostrolane Inner-B hat 2018 die Zulassung als Medizinprodukt nach der ISO-Norm 10993-1 erhalten. Es unterliegt damit nicht dem deutlich strengerem Arzneimittelgesetz. Prostrolane Inner-B wird für die Behandlung von Fettpolstern von der Südkoreanischen Firma Caregen Co., LTD. vertrieben. Das Präparat unterdrückt fettaufbauende Gene (PPARγ, ACC und aP2) und aktiviert fettabbauende Gene (CPT1a, Acox, HSL, ATGL, PLIN1) und Eiweiße (phospho-HSL, phospho-ATGL). Prostrolane Inner-B wurde nicht einer klinischen Prüfung unter amtlicher Überwachung unterzogen. Wissenschaftliche Veröffentlichungen über die Wirksamkeit oder Nebenwirkungen gab es bis Ende 2019 nicht.

Was erwartet mich bei der Behandlung mit der Fett-Weg-Spritze?

Die Unterspritzung mit der Fett-Weg-Spritze dauert etwa fünfzehn bis dreißig Minuten. Zur Optimierung des Patientenkomforts wird die Einnahme von 600mg Ibuprofen eine Stunde vor der Behandlung empfohlen. Eine dreiviertel Stunde vorher kann eine Betäubungscreme aufgetragen werden. Selten ist eine örtliche Betäubung erforderlich. Die Kühlung der Haut fünf Minuten vor der Behandlung und unmittelbar nach der Behandlung lindert zusätzlich die Schmerzen und beugt blauen Flecken vor. Das zu behandelnde Fettpolster wird in Absprache mit Ihnen auf der Haut mit einem Stift umrissen. Die Behandlung wird nach strengsten Hygienevorschriften durchgeführt. Die Händedesinfektion und medizinische Einmalhandschuhe beugen einer Keimverschleppung vor. Hautkeime werden durch mehrmaliges Auftragen eines Desinfektionsmittels abgetötet. Für die Behandlung werden feinste Kanülen benutzt. Das Präparat wird im Abstand von fünf bis zehn Millimeter eingespritzt. Bei der Anwendung des Kombinationspräparates (Lipostabil N®) werden 0,4 Milliliter (zwanzig Milligramm Phosphatidylcholin und zehn Milligramm Desoxycholsäure) pro Einstich eingespritzt. Bei der Anwendung von Desoxycholsäure alleine (Kybella®) oder Prostrolane werden 0,2 Milliliter (zwei Milligramm Desoxycholsäure) pro Einstich eingespritzt. Die Tiefe variiert je nach Körperregion von sechs bis zehn Millimeter. Die Behandlung wird alle vier bis sechs Wochen wiederholt. In der Regel sind drei bis fünf Behandlungen erforderlich, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Protrolane Inner-B wird bis zu vier Mal pro Areal im Intervall von zwei Wochen unterspritzt.

Wie schnell wirkt die Fett-Weg-Spritze?

Bei der Anwendung von Desoxycholsäure (Lipostabil N®) wird gelegentlich kurzzeitig ein kribbelndes oder brennendes Gefühl wahrgenommen. Die Wirkung der Fett-Weg-Spritze tritt sofort ein. Die körpereigene Antwort auf die zerstörten Fettgewebszellen erfolgt unmittelbar. In den ersten Tagen äußert sich die Körperantwort durch eine leichte Schwellung. Die Fettzellen werden über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen abgebaut. Je größer die Körperregion desto mehr Zeit vergeht, bis sich das endgültige Ergebnis abzeichnet. Wird die Behandlung dreimal wiederholt, ist das Endergebnis spätestens sechs Monate nach der ersten Behandlung ersichtlich.

Wie lange hält die Fett-Weg-Spritze?

Die Fett-Weg-Spritze führt zu einem Absterben und Abbau von Fettzellen. Ungesunde Ernährung und wenig körperliche Aktivität führen zu einer Zunahme des Körpergewichts und der Umfangsmaße. Überschüssige Energie wird in Fettzellen gespeichert, die sich vermehren und größer werden. Im Erwachsenenalter bleibt die Anzahl der Fettzellen allerdings konstant. Nach einer Fett-Weg-Spritze bleibt die Kontur der behandelten Region im Verhältnis zu den übrigen Körperregionen dauerhaft vermindert.

Führt die Fett-Weg-Spritze zu einer Hautstraffung?

Die Fett-Weg-Spritze ist zur Behandlung leichter bis mittelgradiger Fettpolster geeignet. Bei guter Hautelastizität schrumpft die Haut in der Regel in den darauffolgenden Monaten. Die Fett-Weg-Spritze hat keine hautstraffende Wirkung.

10 Gründe, warum die Ausbildung des Behandlers bei der Fettwegspritze wichtig ist.

  1. Ästhetische Behandlungen sind ärztliche Behandlungen.

  2. Kosmetiker oder Friseure verstoßen gegen Paragraf 5 des Heilpraktikergesetzes, wenn sie eine ästhetische Behandlung durchführen.

  3. Jede medizinische Behandlung setzt eine Aufklärung über die Risiken der Behandlung sowie über Behandlungsalternativen voraus. Die Aufklärungspflicht ist von dem behandelnden und hinreichend qualifizierten Arzt zu erfüllen. Eine Aufklärung durch nicht ärztliches Personal verstoßt gegen das Bürgerliche Gesetzbuch Paragrafen 630c Absatz 2 S. 1, 630e Absatz 1, Absatz 2 S. 1 Nr. 1.

  4. Der Heilpraktiker ist im Gegensatz zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie nicht in der Lage mögliche Komplikationen zu behandeln.

  5. Desoxycholsäure (Lipostabil N®) ist verschreibungspflichtig. Die Verschreibung oder Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente durch einen Heilpraktiker ist ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz Paragraph 96 Absatz 15.

  6. Wie vor jeder medizinischen Behandlung ist zunächst ein Gespräch und eine Untersuchung erforderlich, um den genauen Befund zu erheben. Eine medizinische Diagnose zu stellen erfordert ein Medizinstudium und Berufserfahrung als Arzt.

  7. Die Auswahl der angemessenen Behandlung bedarf umfassendes fachliches Wissen über gleichwertige indizierte oder übliche Behandlungsalternativen. Für eine sorgfältige Abwägung verschiedener ärztlicher Behandlungsmethoden ist eine wissenschaftliche Ausbildung und eine stetige Aktualisierung der Kenntnisse erforderlich.

  8. Ein vorausschauender Behandlungsplan ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes Ergebnis. Hierfür ist eine Abschätzung der individuellen Gesundheitsrisiken und eine Kenntnis über vorbeugende Maßnahmen erforderlich.

  9. Die Behandlung erfordert eine genaue Kenntnis der Anatomie, des Zusammenwirkens der Zellen, der Vorgänge im Gewebe und des Stoffwechsels. Erfahrung in der Durchführung und der Behandlung von Komplikationen ist notwendig.

  10. Um die Erlaubnis zu erhalten, als Heilpraktiker tätig zu sein, genügt eine Prüfung beim zuständigen Gesundheitsamt und ein Hauptschulabschluss. Eine Ausbildung ist absolut freiwillig. Weder Ausbildungsinhalt, Ausbildungsdauer oder die Akkreditierung der Ausbildungsstätten ist hierfür gesetzlich vorgeschrieben. Zum Vergleich: Der Weg zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie beginnt mit dem Zulassungsverfahren zum Medizinstudium. Das Studium an einer Universität dauert mindestens sechs Jahre und umfasst 5.500 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht und drei Staatsprüfungen. Es folgt eine sechsjährige praktische Ausbildung (11.600 Stunden) und eine mündliche Prüfung für den Erwerb der Facharztbezeichnung. Die Europäische Facharztbezeichnung setzt zusätzlich das Bestehen einer mündlichen und schriftlichen Prüfung voraus.

Nebenwirkungen der Fett-Weg-Spritze

Die Injektionslipolyse kann die chirurgische Fettabsaugung ergänzen, aber nicht ersetzen. In den Händen eines erfahrenen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie ist die Behandlung mit einer Fett-Weg-Spritze sicher. Gefährlich ist die Anwendung, wenn eine unzureichende Kenntnis der Anatomie vorliegt, wenn alternative Behandlungsmethoden nicht beherrscht und daher nicht erwogen werden, oder wenn der Anwender nicht im Stande ist mögliche Komplikationen zu behandeln.

Gelegentliche Nebenwirkungen der Fett-Weg-Spritze (Desoxycholsäure mit oder ohne Phosphatidylcholin) sind Schmerzen wie bei einem Muskelkater, eine Rötung, Taubheit und Schwellungen. Diese Beschwerden sind auf die Einstichstelle beschränkt und meist nach zwei bis drei Tagen rückläufig. Nach einer Desoxycholsäure Anwendung (Kybella®) können Schwellung und leichte Schmerzen bis zu zehn Tage anhalten. Die Verletzung kleinster Blutgefäße kann zu blauen Flecken führen. Das Kühlen nach der Einspritzung vermindert das Risiko von Blutergüssen. Gelegentlich sind in den ersten Wochen nach der Behandlung Verhärtungen unter der Haut zu tasten. Der Heilungsprozess geht mit kleinsten Narben im Fettgewebe unter der Haut einher. Diese Verhärtungen vergehen wieder nach drei bis vier Wochen. Massage und Kompressionskleidung unterstützen die Rückbildung der Verhärtungen.

Eine oberflächliche Unterspritzung kann zu einer Schädigung der Haut führen. Die Verabreichung einer zu großen Dosis oder die Einspritzung in schlecht durchblutetes oder vernarbtes Gewebe erhöhen die Gefahr eines Hautuntergangs (auch Nekrose genannt). Ein vorübergehender Haarausfall am Hals wird bei männlichen Patienten in sieben Prozent der Fälle beobachtet. Dieser wird vermutlich durch eine oberflächliche Unterspritzung und Schädigung der Haarwurzeln bedingt.

Bei der Doppelkinn Behandlung kann eine vorübergehende Nervenlähmung auftreten. In vier Prozent der Fälle kann es Stunden bis Tage nach der Behandlung zu einer Schwäche von Muskeln des Kinns und des Mundwinkels kommen. Die Unterlippe kann beim Lachen vorübergehend verzogen sein. Der betroffene Nerv erholt ist in der Regel nach drei bis sechs Monaten. In zwei Prozent der Fälle treten nach einer Doppelkinn Behandlung mit Desoxycholsäure (Kybella®) Schluckstörungen auf. Die Schluckstörungen bilden sich in der Regel nach drei Tagen zurück.

Was kostet die Fett-Weg-Spritze?

Die Kosten der Behandlung durch die Fett-Weg-Spritze sind abhängig von Größe der zu behandelnden Fettpolster. Einen Richtwert bekommen Sie auf unserer Kostenseite. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass die Behandlung in der Regel dreimal wiederholt wird, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Allergische Reaktionen auf die Fett-Weg-Spritze

Schwere allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock) nach der Behandlung mit einer Fett-Weg-Spritze wurden noch nicht beschrieben. Bei einer bekannten Sojaallergie oder einer Allergie auf Benzylalkohol sollte von einer Fett-Weg-Spritze abgesehen werden. Im Zweifelsfall sollte im Vorfeld ein Allergietest durchgeführt werden.

Fett-Weg-Spritze während der Schwangerschaft

Ist eine Schwangerschaft wahrscheinlich, raten wir dringend von einer Behandlung ab. Die Risiken der Anwendung einer Fett-Weg-Spritze während der Schwangerschaft sind nicht bekannt. Nach einer Fett-Weg-Spritze (Lipostabil N®) sind keine Veränderungen des Stoffwechsels oder der Blutwerte nachweisbar (Blutfette, Blutzucker, Hormone wie Insulin und Leptin, Leber-Werte, Entzündungsmarker wie Interleukin 6 und das C-reaktive Protein, weiße Blutkörperchen) (Reeds DN, et al. 2013, Aesthet Surg J). Es gibt keine Berichte über Patientinnen, die nach einer Behandlung von Ihrer Schwangerschaft erfahren haben. Das Risiko von Fehlbildungen lässt sich durch Tierversuche nicht auszuschließen. Wirkstoffe, die dem Inhaltsstoff der Fett-Weg-Spritze Lipostabil N® oder Kybella® (Desoxycholsäure) ähnlich sind, werden zur Behandlung eines Gallenstau in Tablettenform (Ursodeoxycholsäure) verordnet. Diese Behandlung ist auch bei werdenden Müttern üblich, da keine schädlichen Wirkungen auf das Ungeborene zu befürchten sind.

Wann ist von einer Fett-Weg-Spritze abzusehen?

Unter folgenden Umständen sollte eine Fett-Weg-Spritze nicht angewendet werden:

  • Narben oder Entzündungen an der Körperstelle
  • Bei einer Blutungsneigung oder der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten
  • Bei einer Schwangerschaft
  • Bei einer Allergie auf Soja oder Benzylalkohol
  • Bei gesundheitlichen Einschränkungen

Fett-Weg-Spritze wie lange kein Sport

Der Wirkstoff der Fett-Weg-Spritze Lipostabil N® oder Kybella® (Desoxycholsäure) führt bereits am Tag der Behandlung zum Auflösen der Fettzellen. Nach drei Tagen wandern weiße Blutkörperchen (Neutrophile) und nach sieben Tage Fresszellen (Makrophagen) in das Gewebe ein. Sie helfen die Reste der aufgelösten Fettzellen abzuräumen. Die Antwort des Immunsystems, auch Entzündungsreaktion genannt, dauert zwei bis vier Wochen. Die Rötung und Schwellung im Bereich der Einstichstellen sind äußere Anzeichen davon. Ein Entzündungsvorgang geht mit einem erhöhten Bedarf an Sauerstoff und Nährstoffen und der Ausschüttung von Botenstoffen einher. Intensives Muskeltraining und Kardiotraining führt ebenfalls zur Ausschüttung von Botenstoffen und verbraucht Sauerstoff sowie Nährstoffe. Daher wird die Heilungsphase durch intensiven Sport beeinträchtigt. Ausdauernder oder intensiver Sport sollte für zwei Wochen pausiert werden. Entspannte Bewegung (50 bis 60 Prozent der maximalen Pulsfrequenz) über dreißig bis sechzig Minuten pro Tag ist schon am Tag nach der Behandlung möglich.

Fett-Weg-Spritze versus Fettabsaugung

Die Fett-Weg-Spritze wird mit feinsten 0,3 Millimeter kleinen Kanülen verabreicht. Die Fettabsaugung erfolgt mit zwei bis drei Millimeter feinen Kanülen. Die Kanülen der Fettabsaugung ermöglicht die Behandlung der tieferen Fettschichten, während die Fett-Weg-Spritze Fettdepots wenige Millimeter unter der Haut auflöst. Anbei die direkte Gegenüberstellung beider Verfahren:

  Fett-Weg-Spritze Fettabsaugung
Für welche Fälle ist die Anwendung am besten geeignet? Kleine bis mittlere Fettpolster. Mittlere und große Fettpolster.
Für welche Körperregionen ist die Anwendung besonders geeignet? Doppelkinn, Hamsterbäckchen, Hängebäckchen, Innenseite der Knie, Achseln. Gesamter Körper.
Wann bin ich wieder gesellschaftsfähig? Sofort. Nach zwei bis drei Tagen bei der Behandlung mittlerer Fettpolster.
Wie viele Behandlungen sind notwendig? Drei. Eine.
Was ist das Ergebnis zu sehen? Nach vier bis sechs Monaten. Nach drei Monaten.
Sind Narben nach der Behandlung zu sehen? Nein. Kaum sichtbare drei bis vier Millimeter kleine Narben.
Ist die Behandlung schmerzhaft? Leichte Schmerzen bis zu eine Woche. Leichte Schmerzen bis zu eine Woche.
Welche Behandlung ist finanziell günstiger? Kosteneffektiv bei kleinen Fettpolster (zwei Ampullen und drei Behandlungen). Kosteneffektiv bei mittleren und großen Fettpolster (Patel S, et al., 2018, Facial Plast Surg).
     

Fett-Weg-Spritze versus Kryolipolyse

Die feinste Nadel der Fett-Weg-Spritze wird auf dem Millimeter genau platziert. Sie wirkt punktgenau. Die Kryolipolyse wirkt durch die Übertragung von Kälte auf das Fettgewebe. Das aktuell kleinste Übertragungsinstrument misst 2,5 x 7,5 Zentimeter. Beide Verfahren behandeln das oberflächliche Fettgewebe. Die nachfolgende Tabelle vergleicht beide Methoden:

  Fett-Weg-Spritze Kryolipolyse
Für welche Fälle ist die Anwendung am besten geeignet? Kleine bis mittlere Fettpolster. Kleine bis mittlere Fettpolster.
Für welche Körperregionen ist die Anwendung besonders geeignet? Gut abgrenzbare kleine Stellen: Doppelkinn, Hamsterbäckchen, Hängebäckchen, Innenseite der Knie, Achseln. Größere Flächen: Bauch, Hüfte, Oberschenkel, Rücken.
Wann bin ich wieder gesellschaftsfähig? Sofort. Sofort.
Wie viele Behandlungen sind notwendig? Drei. Drei.
Was ist das Ergebnis zu sehen? Nach vier bis sechs Monaten. Nach vier bis sechs Monaten.
Sind Narben nach der Behandlung zu sehen? Nein. Nein.
Ist die Behandlung schmerzhaft? Leichte Schmerzen bis zu eine Woche. Behandlung kann etwas unangenehm sein.
Welche Behandlung ist finanziell günstiger? Variiert je nach Wirkstoff und Größe der Körperstellen. Variiert je nach Gerät und Größe der Körperstellen.

Fett-Weg-Spritze am Bauch

Die Fett-Weg-Spritze ist am besten geeignet für eine gezielte Behandlung kleiner überschüssiger Fettpolster (bis 300 Milliliter). Bei normalem Körpergewicht und gut abgrenzbaren kleinen Fettpolster ist die Behandlung mit der Fett-Weg-Spritze besonders vielversprechend. Eine Injektionslipolyse kann zur Korrektur der Konturen nach einer Fettabsaugung oder nach einer Eigenfettbehandlung angewendet werden. Überschüssiges Fettgewebe am Bauch wird in der Regel am besten durch eine Fettabsaugung entfernt. Die Ergebnisse nach einer Fettabsaugung am Bauch sind schneller zu sehen. Darüber hinaus ist eine Fettabsaugung am Bauch in der Regel kostengünstiger als eine vielfach wiederholte Injektionslipolyse. Mehr dazu erfahren Sie unter unserer Seite zur Fettabsaugung am Bauch.

Fett-Weg-Spritze für die Oberarme

Vor einer Behandlung mit einer Fett-Weg-Spritze muss besonders im Bereich der Oberarme die Mengen an überschüssigen Fett und überschüssiger Haut genau untersucht werden. Auch hier gilt, dass eine Injektionslipolyse nur zur Entfernung geringer Mengen überschüssigem Fettes geeignet ist. Besonders an den Oberarmen ist eine sehr gute Hautelastizität eine Voraussetzung für ein gutes Ergebnis. Die Hautelastizität kann durch verschiedene Faktoren vermindert sein: Hautalterung ab dem 35. Lebensjahr, Zigarettenrauch, vernachlässigter Sonnenschutz, starke und häufige Gewichtsschwankungen. Ist die Spannkraft der Haut vermindert, lässt sich durch eine Fett-Weg-Spritze oder eine Fettabsaugung häufig kein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen. In dem Fall sollte eine Oberarmstraffung erwogen werden. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite über Oberarmstraffung.

Fett-Weg-Spritze gegen Doppelkinn

Füllige Konturen des Halses unter dem Kinn können verschiedene Ursachen haben. Meist liegt überschüssiges oberflächliches Fettgewebe vor. Bei der Untersuchung schauen wir auch nach anderen Ursachen, wie zum Beispiel eine Schwellung der Speicheldrüse, vermehrtes tiefes Fettgewebe oder ein ausgeprägter zweibäuchiger Muskel (Musculus digastricus).

Die Fett-Weg-Spritze Kybella® (Desoxycholsäure) wurde von der US-amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) zur Behandlung des Doppelkinns zugelassen. Die Lipostabil N® ähnliche Fett-Weg-Spritze wird nach geprüften Vorschriften von Apotheken zubereitet. Fünfundachtzig bis neunzig Prozent der Patienten sind nach der Behandlung des Doppelkinns mit der Fett-Weg-Spritze sehr zufrieden (Beer K. et al., 2019, J Drugs Dermatol; Behr K. et al, 2019, Dermatol Surg). Die Untersuchung und Berücksichtigung der Hautelastizität ist entscheidend für eine gutes Ergebnis. Wenn bereits ein Hautüberschuss vorliegt und eine Schrumpfung der Haut unwahrscheinlich ist, können ansprechendere Ergebnisse mit einer Halsstraffung erreicht werden. Die Halsstraffung und die Fettabsaugung hinterlassen in der Regel unscheinbare Narben.

Nach der Behandlung des Doppelkinns durch Injektionslipolyse können eine leichte Schwellung, eventuell Blutergüsse und geringe Schmerzen auftreten. Für ein zufriedenstellendes Ergebnis sollte von drei Behandlungen im Abstand von vier bis sechs Wochen ausgegangen werden. Eine Fettabsaugung bei Doppelkinn muss hingegen nicht wiederholt werden. Bei einer Fettabsaugung können auch die Konturen am Übergang zum Unterkiefer behandelt werden. Bei der Anwendung der Fettwegspritze am Unterkieferrand besteht die Gefahr einer Nervenschädigung. Es kann zu einer Verzerrung des Mundwinkels kommen, die meist vorübergehend ist. Die Hautschnitte einer Fettabsaugung sind nur wenige Millimeter kurz und lassen sich am Ohrläppchen oder unter dem Kinn gut verstecken.

Schwellungen, Blutergüsse und leichte Schmerzen treten sowohl nach der Fettwegspritze als auch nach der Fettabsaugung auf. Die Erholung ist nach jeder Behandlung von Patienten zu Patienten unterschiedlich. Daher ist auch die Abwägung, ob die Fettwegspritze oder die Fettabsaugung die bessere Lösung ist, eine individuelle Entscheidung.

Fett-Weg-Spritze gegen Tränensäcke (Malar bags)

Tränensäcke (auf Englisch „festoons“, „malar mounds“ oder „malar bags“ genannt) entstehen durch das Absinken und Vorwölben des Fettpolsters hinter dem Augenringmuskel. Die Fettwegspritze verkleinert das vorgewölbte Fettpolster. Begleitend oder alternativ kann eine Ansammlung von Gewebeflüssigkeit zu Tränensäcken führen (auf Englisch „malar edema“ genannt). Die Gewebeflüssigkeit wird nicht durch die Fettwegspritze beseitigt. Wir untersuchen daher im Vorfeld, ob eine Ansammlung von Flüssigkeit oder Fettgewebe im Bereich der Tränensäcke vorliegt. Allergien, sowie Funktionsstörungen des Herzens, der Nieren, der Leber oder der Schilddrüse können zu einer Ansammlung von Gewebeflüssigkeit führen. Für ausgeprägte und lange andauernde Tränensäcke ist eine operative Korrektur die Behandlung der ersten Wahl (Newberry et al., 2019, Aesthetic Surgery Journal). Erschlaffte Bänder oder ein erschlaffter Augenringmuskel werden durch eine Unterlidstraffung korrigiert. Die Straffung beseitigt auch überschüssige Haut des Unterlids.

Fett-Weg-Spritze gegen Hamsterbacken

Hamsterbäckchen werden durch überschüssige Fettpolster der Wangen verursacht. Das oberflächliche Wangenfett (superficial cheek fat) und der Wangenfettpfropf (buccal fat pad) betonen die Gesichtskontur unterhalb des Wangenknochens. Unterhalb des oberflächlichen Wangenfetts verlaufen die Nerven der Muskeln der Augenlider und der Lippen. Eine Behandlung mit der Fettwegspritze an der Wange birgt eine hohe Verletzungsgefahr dieser Nerven. Eine Fettwegspritze ist daher nicht geeignet, um Hamsterbacken zu korrigieren. Die Entfernung des tiefen Wangenfettpfropfs gilt als ein anerkanntes Verfahren zur Korrektur von Hamsterbacken. Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung und ambulant durchgeführt werden. Narben sind äußerlich nicht zu sehen, da die Entfernung über die Mundschleimhaut erfolgt. Das oberflächliche Wangenfett kann durch eine schonende Fettabsaugung reduziert werden. Um harmonische Proportionen zu erhalten, kann auch der Übergang zum Hals mit einer Fettabsaugung behandelt werden. Der Zugang erfolgt in einer Falte vor dem Ohr und hinterlässt eine unscheinbare Narbe.

Fett-Weg-Spritze gegen Lipome

Die Fettwegspritze wird in seltenen und ausgewählten Fällen zur Behandlung von Lipomen eingesetzt. Lipome sind gutartige Tumore des Fettgewebes. Lipome verändern ihre Größe über Jahre nur minimal. Sie fühlen sich weich an und haben eine einheitliche Struktur. Lipome lassen sich gut von dem umgebenden Fettgewebe unterscheiden. Untersuchungen mit dem Ultraschall oder dem MRT helfen die Lage und die Größe des Fettgeschwulstes zu bestimmen. Bildgebende Verfahren und der Augenschein bei einer operativen Entfernung helfen bei der Unterscheidung gutartiger und bösartiger Tumore. Die Untersuchung des entfernten Gewebes unter dem Mikroskop hat die höchste Aussagekraft bei der Beurteilung von Fettgeschwulsten. Bei einer Behandlung mit der Fettwegspritze kann eine ergänzende Untersuchung des Gewebes sinnvoll sein. Die Fettwegspritze hilft große aber ansonsten unauffällige Geschwulste zu verkleinern. Die Entfernung des Lipoms nach der Behandlung mit der Fettwegspritze hinterlässt eine kleinere Narbe. Das entfernte Lipom wird anschließend unter dem Mikroskop untersucht, um Zweifel auszuräumen.

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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