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    Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

    Das Karpaltunnelsyndrom (auch KTS, Carpaltunnel-Syndrom oder CTS) ist eine häufige Erkrankung, die auf einer Schädigung des Mittelhandnerven (Nervus medianus) am Handgelenk beruht. Der Mittelhandnerv verläuft von der Schulter bis zu den Fingerspitzen. Er vermittelt das Gefühl an Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und dem hälftigen Ringfinger. Der Nerv durchquert dabei bestimmte räumlich begrenzte Stellen. Die Engstelle am Handgelenk ist der sogenannte Karpaltunnel und wird auch als Karpalkanal bezeichnet, durch den auch die Beugesehnen verlaufen. Der Raum wird durch eine straffes Bindegewebsband (Retinaculum flexorum) und den Handwurzelknochen begrenzt. Der Mittelhandnerv zieht zusammen mit neun Sehnen durch diesen Tunnel. Nerven reagieren auf Druck, wie zum Beispiel nach längerem Überkreuzen der Beine, sehr empfindlich. Wenn aus unterschiedlichen Gründen der Platz im Karpaltunnel nicht ausreicht, kommt es zu Missempfindungen des Mittelhandnerven (nervus medianus). Umgangssprachlich spricht man vom Einschlafen der Finger, in der Fachsprache von einer Brachialgia paraesthetica nocturna.

    1 Bindegewebe bedeckt Gefäße und Nerven 2 Tiefe Beugesehne 3 Fingernerv 4 Fingerarterie 5 Oberflächliche Beugesehne 6 C1 Ringband 7 A2 Ringband 8 A1 Ringband 9 Schnittführung der Ringbandspaltung 10 Verdickte Beugesehne 11 Mittelnerv (Nervus medianus) 12 Muskeln des Daumenballens 13 Schnittführung der Karpaltunnelspaltung 14 Bindegewebsband (Retinaculum flexorum) 15 Ellennerv (Nervus ulnaris) 16 Ellenarterie (Arteria ulnaris) 17 Zur Handfläche gehöriger Ast des Ellennervs 18 Zur Handfläche gehöriger Nerv des Mittelnervs 19 Hautnerv aus dem Armgeflecht

    Wie häufig ist ein Karpaltunnelsyndrom?

    Das carpal tunnel syndrom zählt zu den Engpasssyndromen (periphere Nervenkompressions-Syndrome). In 90 Prozent aller Engpasssyndrome ist der Mittelhandnerv im Karpaltunnel betroffen. 3,1 Prozent der Allgemeinbevölkerung leidet im Laufe des Lebens unter einem KTS. Eine Druckschädigung des Mittelhandnerven am Handgelenk tritt bei 1,73 von 1000 Personen pro Jahr auf. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen [1]. Die Altersgruppe der 50-Jährigen ist am häufigsten betroffen.

    Was sind die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms?

    Die ersten Anzeichen des Syndroms sind ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Fingern. Dies entsteht durch die Druckeinwirkung auf den Mittelhandnerven. Oft wird das Gefühl auchwie ein „Elektrisieren” beschrieben. Die Beschwerden treten bei der betroffenen Hand an Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und den hälftigen Ringfinger auf. Bei einem Karpaltunnelsyndrom ist das Gefühlsempfinden am Daumenballen und an den Fingerrücken normal. Anfangs treten die typischen Symptome meist nachts im Liegen auf und stören so die Nachtruhe. Zur Linderung der Symptome schütteln manche die Hand kräftig aus. Andere halten die Hand unter fließendes kaltes Wasser. Je länger der Nerv eingeengt ist, desto schwerer und nachhaltiger ist die Nervenschädigung. Schmerzen im Handgelenk, die in den Arm oder die Hand ausstrahlen, sind keine typischen Symptome für ein KTS [2]. Wenn die Nervenimpulse nicht mehr an die entsprechenden Muskeln weitergeleitet werden, kommt es zum Muskelabbau (Muskelatrophie) am Daumenballen. Der Daumenballen wirkt durch den Muskelschwund wie eingefallen. Fast ein Drittel der Patienten mit einem carpal tunnel syndrom leidet ebenfalls unter dem sogenannten Schnappfinger [3].

    Typischer Befund eines KTS: Ein eingefallener Daumenballen und ein glattes Fingerkuppenrelief.

    Karpaltunnelsyndrom oder Bandscheibenvorfall der HWS

    Die Nervenfasern des Mittelhandnerven entspringen aus dem Rückenmark als Nervengeflecht des Armes. Jede Nervenfaser versorgt unterschiedliche Muskeln oder Sinneszellen. Prinzipiell kann ein Nerv von seinem Austritt aus dem Rückenmark bis zu den Sinneszellen oder Muskeln eine Druckschädigung erleiden. Je nach Schädigungsort, kommt es zu unterschiedlichen Ausfallserscheinungen. Im Mittelhandnerv vereinigen sich die Fasern aus mehreren Nervenaustrittslöcher der Halswirbelsäule (HWS). Ein solches Loch enthält Nervenfasern, die sich in unterschiedlichen Bündeln vereinen. Eine Druckschädigung auf Höhe des Austrittslochs verursacht daher andere Ausfallserscheinungen als eine Schädigung auf Höhe des Handgelenks. Typischerweise geht ein Karpaltunnelsyndrom (KTS) mit einem unangenehmen Taubheitsgefühl der Finger besonders nachts einher. Ein Bandscheibenvorfall führt zu Schmerzen, die im Liegen meist nachlassen. Im Unterschied zu einem KTS sind bei einem Bandscheibenvorfall der HWS bei der betroffenen Hand auch die Fingerrücken taub. Ein Bandscheibenvorfall kann zu einem Kraftverlust an der Schulter, dem Ellenbogen oder dem Handgelenk führen. Bei einem KTS ist lediglich der Muskel des Daumenballens betroffen.

    Karpaltunnelsyndrom Diagnose

    Am Anfang jeder Diagnose steht das ärztliche Gespräch und eine gezielte Befragung nach Beschwerden eines Karpaltunnelsyndroms und anderer möglichen Erkrankungen. Dazu gehört typischerweise das Kribbeln der ersten drei Finger der Hand. Anfangs treten die Beschwerden üblicherweise nachts auf. Im weiteren Verlauf tritt das Taubheitsgefühl häufiger auf und das Kribbeln oder „elektrisierende“ Gefühl bleiben tagsüber bestehen. Später kommt es zu einem Gefühlsverlust und einer Muskelschwäche. Diese Folge der Beschwerden tritt nur selten bei anderen Erkrankungen als dem KTS auf. Im Weiteren wird die Hand untersucht. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Daumenballen eingefallen und die für den Fingerabdruck typischen Hautleisten sind verstrichen. Die Haut an den ersten drei Fingern der Hand kann etwas trocken sein. Die Veränderungen werden bei dem Vergleich beider Hände häufig offensichtlich. Verschiedene Tests können die Beschwerden bei der Untersuchung auslösen. Bei dem Nerven-Kompressions-Test drückt der Arzt mit seinem Daumen zwischen Daumen- und Kleinfingerballen. Bei einem Karpaltunnelsyndrom schlafen die Finger nach wenigen Sekunden ein. Bei dem Phalen-Test wird das Handgelenk vollständig gebeugt. Der Test ist positiv, wenn eine Taubheit der Finger nach 20 bis 30 Sekunden verspürt wird. Ein positives Hoffmann-Tinel-Zeichen beschreibt elektrisierende Missempfindungen beim Beklopfen des Nerven im Bereich der Engstelle.

    Gerätegestützte Untersuchungsverfahren können die Diagnose verfeinern. Hierfür kann der behandelnde Arzt auf elektrophysiologische Untersuchungsmethoden wie die Elektroneurografie zurückgreifen. Hierfür misst ein Nervenarzt (Neurologe) die Weiterleitung elektrischer Impulse entlang der Nervenfasern. Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit gibt Auskunft über die Impulse des Tastsinns und der Muskelansteuerung. Aus noch ungeklärten Gründen sind zu Beginn die Impulse des Tastsinns beeinträchtig (sensorische Nervenaktionspotentiale: SNAPs). Eine Nervenleitgeschwindigkeit von weniger als 50 Meter pro Sekunde über den Karpaltunnel oder ein erheblicher Seitenunterschied weist auf ein CTS (Carpaltunnelsyndrom) hin. Die Zeit zwischen einem Reizimpuls und der Muskelantwort (distale motorische Latenz) ist bei einem KTS häufig länger als 4,2 Millisekunden. Andere Messverfahren haben nur bei seltenen sehr spezifischen Fragenstellungen einen Stellenwert. Dazu gehört die Ultraschallkontrolle (zur Messung der Querschnittsfläche des Nervus medianus) und die Magnetresonanztomographie (MRT) des Handgelenks (zum Nachweis eines abnormalen Nervensignals).

    1 Bindegewebsband (Retinaculum flexorum) 2 Muskeln des Daumenballens 3 Mittelnerv (Nervus medianus) 4 Handwurzelknochen (Hakenbein)

    Was sind die Ursachen des Karpaltunnelsyndroms?

    Die Frage nach den Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms wird seit langem intensiv erforscht. Interessanterweise finden sich im Internet, je nach Leserschaft, sehr unterschiedliche Antworten. Medizinische Internetseiten mit Patienteninformationen führen als häufige Ursachen einen Vitamin B Mangel oder das Arbeiten am Computer auf. Wissenschaftliche Informationsquellen für Ärzte hingegen sprechen viel häufiger von einer erblichen Veranlagung. Die teilweise irreführende Informationsdarstellung von Gesundheitsportalen wurde wissenschaftlich untersucht und belegt [4]. Diskussionen über die Entstehung des KTS müssen zwischen Ursachen und Risikofaktoren unterscheiden. Auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind, gibt es viele Hinweise, dass die Ursache des Karpaltunnelsyndroms in den Genen liegt. Hormonelle Veränderungen können die Entstehung eines Karpaltunnels begünstigen. Zu den Risikofaktoren eines Karpaltunnels gehören eine Zuckerkrankheit, eine Schilddrüsenunterfunktion, die Wechseljahre und eine Schwangerschaft. Wenn im Anfangsstadium des Syndroms bereits eine kritische Enge des Mittelhandnerven besteht, kann weiterer Druck von außen Beschwerden auslösen. So kann bei der Arbeit oder in der Freizeit, zum Beispiel beim Fahrradfahren eine übermäßige Belastung in einem späteren Stadium zu weiteren Symptomen führen. Der Zusammenhang zwischen der Benutzung von Computern (Tastatur oder Maus) und dem KTS ist nach wie vor umstritten [5]. Viele wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf, dass der Glaube an eine Verursachung durch Überlastung oder das berufliche Umfeld den Heilungsprozess behindert [6]. Bei einer Verletzung des Handgelenks oder der Unterarmknochen kann es zu einer schweren Quetschung des Mittelhandnerven kommen. In der Fachsprache spricht man von einem posttraumatischen akuten Karpaltunnelsyndrom.

    Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms ohne OP

    Die Ziele einer Behandlung können in zwei Kategorien unterteilt werden: die Behebung der Ursache oder die Linderung der Beschwerden. Fiebersenkende Maßnahmen, zum Beispiel, lindern die Beschwerden einer Erkältung, ohne die ursächlichen Viren zu bekämpfen. Konservative Behandlungen können die Beschwerden eines Karpaltunnelsyndroms lindern, ohne jedoch die räumliche Enge des Karpalkanals zu beeinflussen. In Gesundheitsportalen werden viele konservative Behandlungsmethoden empfohlen:

    • Physikalische Maßnahmen: Massage, Ergotherapie, Übungen (Liebscher Bracht), Osteopathie.
    • Naturheilkunde: Johanniskrautöl, Traumeel, Retterspitz.
    • Homöopathie: Globuli, Schüßler Salze.
    • Traditionelle chinesische Medizin (TCM): Akupunktur.
    • Hausmittel: Quarkwickel, Salben.
    • Nahrungsergänzungsmittel: Vitamin B6, DMSO (DiMethylSulfOxid).
    • Apparative Behandlung: niederenergetische Laseranwendung (low-level laser therapy), TENS Geräte, Magnetfeld-Therapie.
    • Hilfsmittel: Bandagen, Schiene für die Nacht, ergonomischer Tastaturen.

    Wissenschaftliche Belege für die Wirkung von Naturheilkunde, Homöopathie, TCM, Nahrungsergänzungsmittel oder Hausmittel bei der Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms gibt es nicht [7]. Insbesondere gibt es keine hochwertigen Belege für die Wirksamkeit von Übungen und Mobilisierung von Karpaltunnelstrukturen [8]. Die Wirksamkeit ergonomischer Tastaturen bei der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms ist unbekannt [9]. Cortisonspritzen, entzündungshemmenden Medikamenten und eine Nachtlagerungsschiene können die Beschwerden lindern. Die Linderung ist in der Regel nur vorübergehend. Die Linderung birgt langfristig die Gefahr, dass auf Grund der verminderten Symptome eine wirkungsvolle Behandlung verschleppt wird. Wenn zu lange bis zu einer Behandlung gewartet wird, können dauerhafte Nervenschäden entstehen. Eine Operation kann dem Nerven mehr Platz verschaffen und ist, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, anderen Behandlungen überlegen. Es gibt keine wissenschaftlichen hochwertigen Belege dafür, dass einem Karpaltunnelsyndrom vorgebeugt werden kann oder, dass eine Heilung ohne OP möglich ist.

    Welcher Arzt behandelt das Karpaltunnelsyndrom?

    Die Behandlung des KTS erfordert eingehende Kenntnisse in der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des Unterarms und der Hand. Folgende Argumente sollen Ihnen helfen den richtigen Spezialisten zu finden:

    • Die Erkennung eines KTS erfordert eine verlässliche Abgrenzung zu ähnlichen Krankheitsbildern auf dem Gebiet der Handchirurgie. Die dreijährige Zusatzausbildung zum Handchirurgen vermittelt eingehende Kenntnisse in der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen der Hand und des Unterarms.
    • Für eine optimale Beratung ist die Abwägung verschiedener alternativer Behandlungsverfahren erforderlich. Ein Handchirurg ist in der Durchführung operativer und konservativer Behandlungsmethoden erfahren.
    • Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung “Physikalische Therapie und Balneologie” ist in der Anwendung konservativer Maßnahmen umfassend ausgebildet. Die Zusatzweiterbildung vermittelt Kenntnisse, Erfahrung und Fertigkeiten der Krankengymnastik und Ergotherapie.
    • In 16% bis 43% der Fälle liegt bei einem KTS auch ein behandlungsbedürftiger Schnappfinger (Tendovaginosis stenosans) vor [10]. Die Behandlung anderer begleitender Erkrankungen der Hand oder des Handgelenks kann durch einen Handchirurgen sichergestellt werden.
    • Ein Handchirurg ist auch in der Erkennung und Behandlung seltener Komplikation wie Bewegungseinschränkungen, Entzündungen oder die Verletzung angrenzender Strukturen geschult.
    • Das KTS kann auch durch Geschwülste oder durch individuelle anatomische Besonderheiten verursacht werden. Die Kenntnisse darüber werden in einer Handchirurgischen Ausbildung vermittelt.
    • Die Europäische Facharztbezeichnung (FESSH: Europäische Gesellschaft für Handchirurgie) ist eine zusätzliche Auszeichnung eines Handchirurgen, die das Bestehen einer zusätzlichen schriftlichen und mündlichen Prüfung voraussetzt.
    • Durch Forschung und die Ausbildung von Medizinstudenten werden die Kenntnisse ständig auf dem neuesten Stand gehalten. Die Habilitation ist die höchstrangige Hochschulprüfung in Deutschland und eine Anerkennung der fachlichen Expertise.
    • Vorträge und Beiträge in Standardlehrwerken zeichnen die Erfahrung und das Fachwissen in besonderer Weise aus.

    Wann sollte ein Karpaltunnelsyndrom operiert werden?

    Das Karpaltunnelsyndrom wird durch einen zu engen Karpalkanal verursacht. Eine Druckeinwirkung auf den nervus medianus führt unbehandelt zu einer dauerhaften Taubheit und einem Muskelabbau. Das nächtliche Einschlafen der Finger kann durch eine Schiene, eine Kortison-Spritze oder eine ergonomische Tastatur gelindert werden. Eine Linderung der Beschwerden ist Vergleichbar mit dem Senken von Fieber bei einer Grippe. Wenn der Druck auf den Nerven unbemerkt fortbesteht, entstehen bleibende Nervenschäden. Die Erweiterung des Karpaltunnels durch eine operative Therapie ist die einzige bekannte Behandlung, die den Druck auf den Nerven und damit den Krankheitsverlauf dauerhaft verbessert. Wenn ein nur leichter Druck auf den Nerven und vorübergehende begünstigende Umstände vorliegen, wie eine Schwangerschaft, ist ein konservativer Behandlungsversuch gerechtfertigt. Die Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) bestätigt, dass eine OP konservativen Maßnahmen eindeutig überlegen ist. Der Eingriff ist auch Schwangeren zu empfehlen, wenn Ausfallserscheinungen vorliegen.

    Die Karpaltunnelsyndrom OP

    Der operative Eingriff zur Erweiterung des Karpaltunnels ist die einzige bekannte Behandlung, die den Krankheitsverlauf langfristig positiv beeinflusst. Je früher operiert wird, desto besser und schneller ist die Erholung des eingeengten Mittelhandnerven [11]. Man unterscheidet die Technik der offenen Operation (kurzer Längsschnitt zwischen Kleinerfinger- und Daumenballen) von einer endoskopischen Operation (Schlüssellochmethode). Bei der endoskopischen Technik bedarf es eines kleineren Schnittes und die zurückbleibende Narbe ist ca. ein bis zwei Zentimeter kürzer, jedoch besteht ein größeres Risiko von Nervenverletzungen [12]. Der Eingriff wird in Blutleere und mit Hilfe einer Lupenbrille durchgeführt, um die feinen Gewebsstrukturen besser differenzieren zu können. Bei der offenen Operationstechnik hingegen wird ein etwa drei Zentimeter kurzer Hautschnitt zwischen Daumen- und Kleinfingerballen gesetzt. Der Nerv wird in mikrochirurgischer Technik aus Verwachsungen gelöst und das überspannende Band wird erweitert. Die Erweiterung des Bandes oberhalb des Nervens (Retinaculum flexorum) führt zu einer Verbesserung der Funktion und einer hohen Patientenzufriedenheit [13]. Bei entsprechender Nachsorge verbleibt eine kleine, feine, unscheinbare Narbe. Die nächtlichen Symptome sind in der Regel in der ersten Nacht deutlich gebessert. Der Eingriff dauert etwa zehn bis zwanzig Minuten. Das Risiko einer Entzündung ist bei Rauchern und Patienten mit Begleiterkrankungen erhöht und beträgt im Durchschnitt 0,3 Prozent [14]. Eine zögerliche Beübung der Finger nach der Operation kann ein komplexes regionales Schmerzsyndrom verursachen. Nach dem Eingriff sollte der Patient daher die Finger mehrmals in der Stunde entsprechend der Anweisungen des behandelnden Arztes in gezielten Übungen bewegen. Das Kühlen und das Hochlagern beugen einer Schwellung der Hand vor.

    Wie lange ist man nach einer Karpaltunnelsyndrom OP arbeitsunfähig?

    Das nächtliche Kribbeln ist in der Regel unmittelbar nach einer Karpaltunneloperation völlig beseitigt. Je länger die Beschwerden vor der Operation bestanden, desto länger dauert die Erholung des Nervens danach. Die Wundschmerzen sind meist sehr gering. Die Hautfäden werden zehn bis vierzehn Tage nach der Operation entfernt. Die Finger sollten sofort nach dem Eingriff bewegt werden. Eine Belastung der Hand, die über das Tragen einer Getränkeflasche hinaus geht, sollte für zwei bis drei Wochen gemieden werden. Einer beruflichen Tätigkeit im Büro kann oft schon wieder nach einer Woche bis zehn Tage nachgegangen werden.

    Wie können Sie sich auf den Eingriff vorbereiten?

    • Fragen zu möglichen Komplikationen sowie in Bezug auf alternative Behandlungsmethoden sollten stets im Vorfeld beantwortet sein.
    • Schränken Sie den Nikotinkonsum auf ein Minimum ein. Gleiches gilt für Alkohol!
    • OPs schränken die Flugreisetauglichkeit ein, planen Sie daher in den 4 Wochen nach der Karpaltunnelsyndrom-OP keine Flugreisen, weder beruflich noch privat!
    • Wenn Sie sich zu Hause Eiswürfel und/oder Kühlpads bereitlegen, können Sie zeitnah nach der OP beginnen, diese zur Kühlung der Haut einzusetzen!

    Was müssen Sie nach dem Eingriff beachten?

    • Das Hochlagern und Kühlen der Hand in den ersten 72 Stunden ist sehr wichtig.
    • Stündlich sollten mehrmalig vollständige Faustschluss- und Fingerstreckübungen durchgeführt werden.
    • Die Hautfäden werden nach 10 bis 14 Tagen entfernt.
    • Postoperative klinische Kontrollen (körperliche Untersuchungen) empfehlen sich am 3. postoperativen Tag und nach 1 und 2 Wochen.
    • Die selbstständige Narbenmassage ab der 3. postoperativen Woche mit rückfettender Salbe (z. B. Bepanthen® Wund- und Heilsalbe, Linola® Fett Creme) verhilft zu unscheinbaren weichen Narben.
    • Unterschiedliche leichte Berührungsreize der Fingerkuppen, wie das Erlernen der Blindenschrift, fördern die Erholung des Nervens.

    Das Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft

    Das Auftreten von Beschwerden um den Geburtstermin, veranlasst zum Glauben, dass das Tragen des Babys ein Karpaltunnel verursache. Hormone in der Schwangerschaft und in der Stillzeit können zu einer Wassereinlagerung führen. Wenn anlagebedingt bereits ein enger Karpalkanal vorliegt, führen bereits kleine Veränderungen zu merklichen Beschwerden. Der Mittelhandnerv zieht am Handgelenk durch den Karpalkanal, zusammen mit neun Sehnen, die von Sehnenscheiden umhüllt sind. Sehnenscheiden reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen des Hormonhaushalts. Eine Schwellung der Sehnenscheiden vor oder nach der Geburt kann zu einer Druckschädigung des Mittelhandnervs führen. Bei einem leichten Kribbeln der Finger kann zunächst ein Behandlungsversuch mit einer Lagerungsschiene zur Nacht unternommen werden. Bleiben Besserungen aus, empfehlen deutsche und internationale Leitlinien die Entlastung des Mittelhandnerven im Rahmen eines ambulanten chirurgischen Eingriffs in örtlicher oder regionaler Betäubung.

    Erfahrungsberichte zu Karpaltunnelsyndrom Operationen

    Heutzutage setzen Patienten viel Wert auf Patientenberichte und Bewertungen, die sie im Internet finden. Die Zufriedenheit der Patienten steht bei uns an oberster Stelle. Wenn Sie sich über die Meinung unserer Patienten zu unserer hochqualitativen Beratung und den Behandlungsergebnissen informieren möchten, besuchen Sie unsere Seite zu Erfahrungsberichten.

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    Zum Autor

    Privatdozent Dr. Stéphane Stahl

    “Wir liefern Ihnen umfangreiches Experten-Wissen, um gemeinsam mit Ihnen den bestmöglichen Behandlungsweg auszuwählen.”

    Privatdozent Dr. med. Stéphane Stahl ist ehemaliger Direktor der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie am Klinikum Lüdenscheid. Dr. Stahl studierte Medizin an den Universitäten Freiburg und Berlin. 2011 legte er die Europäische und 2012 die Deutsche Facharztprüfung für Plastische und Ästhetische Chirurgie ab. Es folgten weitere Facharztqualifikationen und Zusatzqualifikationen (u.a. Qualitätsmanagement, Medizindidaktik, Physikalische Therapie, Notfallmedizin, Laserschutzbeauftragte, Handchirurgie) sowie Preise und Auszeichnungen. 2015 habilitierte er sich im Fach Plastische und Ästhetische Chirurgie in Tübingen. Er ist ein erfahrener Mikrochirurg, gefragter Gutachter und regelmäßiger Referent auf Fachkongressen. Stéphane Stahl wurde nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren zum Mitglied der American Society for Aesthetic Plastic Surgery (ASAPS), eine der weltweit größten und einflussreichsten Fachgesellschaften für Ästhetische Chirurgie. Zu seinen Autorenschaften gehören u.a. zahlreiche Beiträge in angesehenen peer review Zeitschriften und chirurgischen Standardlehrwerken.

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