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    Was ist eine Mukoidzyste?

    Mukoidzysten sind Aussackungen der Finger- und Daumenendgelenke bei beginnendem Verschleiß des Fingerendgelenks oder der Zehen. Dabei haben di Zysten einen mit gallertiger gelblicher Flüssigkeit gefüllten Hohlraum. Die mukoide Dorsalzyste tritt als Kirschkern-großes, hartes und durch die darüberliegende Haut schimmerndes gutartiges Geschwulst in Erscheinung. Die Schwellung fühlt sich prall-elastisch an. Es handelt sich um einen kleinen, (gutartigen) Tumor. Diese Ganglien Art befindet sich am häufigsten streckseitig der Fingerendgelenke. Meist entsteht ein solches Ganglion am Mittelfinger, Zeigefinger und Daumen der Führungshand. Mukoide Zysten treten in 75% der Fälle bei Frauen auf, meist zwischen dem vierzigsten und siebzigsten Lebensjahr. Es besteht immer eine Verbindung zum betroffenen Gelenk des Fingerendes. Im Wesentlichen besteht die enthaltene Flüssigkeit aus Hyaluronsäure, welche von Fibroblasten produziert wird. Die gefüllte Mukoidzyste wird in der Literatur auch als Pseudozyste oder (mukoide) Dorsalzyste bezeichnet. Druck und Scherkräfte im Endglied werden als mögliche Ursachen für die Entstehung der Mukoidzysten angenommen. Mukoide Dorsalzysten treten häufig mit knöchernen Anbauten am Endgelenk auf, den so genannten Heberden Knoten. Die Heberden-Arthrose ist eine idiopathische Arthrose des Fingers am Endgelenk. Bei einer Bouchard Arthrose sind hingegen die Fingermittelgelenke betroffen.

    Eine ästhetische Beeinträchtigung durch die Schwellung und Störung des Nagelwachstums sind meistens der Anlass für einen Arztbesuch. Symptome wie leichte bis stärkere Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen kommen seltener vor. Bei circa dreißig Prozent der Patienten verformt sich jedoch der Nagel. Die Verformung des Fingernagels bildet sich nach einer medizinischen operativen Maßnahme meistens zurück. Wenn eine schmerzhafte Einschränkung der Bewegung des Fingerendgelenks vorliegt, empfiehlt der Spezialist der Dermatologie bzw. im besten Fall der Handchirurg eine Röntgenuntersuchung.

    Was ist eine Dorsalzyste?

    Dorsalzysten werden auch als Mukoidzysten bezeichnet. Bei einem Verschleiß der Fingerendgelenke bildet sich vermehrt Gelenkflüssigkeit. Die Flüssigkeit kann zu einer Ausstülpung der Gelenkhaut (Gelenkkapsel) führen. Die Zyste tritt als Schwellung am Fingerrücken in Erscheinung. Drückt die Zyste auf das benachbarte Nagelbett oder die Nagelwurzel kann es zu einer Verformung des Nagels kommen. Bleibt die Ursache für die Zystenbildung, also der Gelenkverschleiß bestehen, kann die Zyste wiederkehren. Ein schmerzhafter Gelenkverschleiß kann durch eine Versteifung des Fingerendgelenks behandelt werden. Bei einer Eröffnung der Zyste droht eine folgenreiche Entzündung des Fingergelenks, durch die danach eine operative Entfernung notwendig wird.

    Wie wird die Entfernung der Mukoidzyste durchgeführt?

    Für eine optimale und schonende Operationstechnik und um den Blutverlust zu minimieren, wird in Fingerblutleere operiert. Am betroffenen Finger wird die ausgedünnte Haut im Rahmen des Eingriffs präzise und spindelförmig chirurgisch entfernt. Die Entfernung des Stiels erfordert eine behutsame Präparation des Zystenstiels zwischen Kollateralband und Strecksehne. Kleinere Gefäße werden mittels der bipolaren Technik verödet. Die Zyste wird entfernt. Störende Knochenanbauten (Osteophyten) werden im nächsten Schritt des operativen Eingriffs geglättet. In der Regel ist eine Verschiebung des angrenzenden Bindegewebes (Lappenplastik) im Verlauf erforderlich.  Das angrenzende Gewebe wird gelöst, um in Beugestellung einen spannungsfreien Verschluss der Wunde zu erreichen. Damit eine Verschiebung gelingt, muss das umliegende Gewebe am Fingerrücken großräumig umschnitten werden.

    Der Erfolg der Behandlung wird nicht nur an einer geringen Rezidivrate gemessen. Eine örtliche Gewebeverschiebung (Lappenplastik) ermöglicht tendenziell einen rascheren Heilungsverlauf der Wunde bei geringerer Entzündungsgefahr. Bei Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit des Endgelenks wird eine Versteifung empfohlen. Die Versteifung des Endgelenks schließt ein erneutes Auftreten sicher aus. Die Einschränkungen durch eine Versteifung des kleinen Gelenkes sind bei beweglichem Mittel- und Grundgelenk vernachlässigbar.

    Die Entfernung von Mukoidzysten des Fingerendgelenkes beugt einer spontanen Öffnung vor und ermöglicht die Korrektur einer leichten bis starken Verformung des Nagels. Die versehentliche Öffnung der Dorsalzyste, zum Beispiel bei Gartenarbeiten, geht mit einer hohen Entzündungsgefahr einher. Die Entzündung einer verletzten Mukoidzyste kann zu schweren Gelenkentzündungen führen. Der chirurgische Eingriff kann die Beweglichkeit erhalten. Das Risiko des Wiederkehrens einer Dorsalzyste nach einer Entfernung in Form einer Operation ist gering. Selbstverständlich ist eine Ruhigstellung des Finger nach der OP nötig. Die anderen Finger sind von der Bewegungseinschränkung nicht betroffen. Der behandelnde Chirurg wird Sie hierüber genau aufklären, alle Fragen beantworten und Ihnen weitere Informationen geben.

    Gibt es Alternativen zur Operation einer Mukoidzyste?

    Eine Vielzahl von nicht-operativen Behandlungen mit sehr unterschiedlichen Erfolgsaussichten wurden beschrieben, von konservativen Therapien (konservativen Behandlungen) mit Medikamenten über die Strahlentherapie bis hin zur chemischen Verätzung. Das minimal-invasive Anstechen und Aufnehmen der Flüssigkeit mit einer Hohlnadel gilt heutzutage als obsolet. Nach einer Punktion zur Entfernung des Inhalts tritt eine Zyste nicht nur in seltenen Fällen, sondern in dreißig bis Einhundert Prozent der Fälle wieder auf. Zusätzlich besteht eine hohe Entzündungsgefahr. Aufgrund der geringeren Häufigkeit des Wiederauftretens hat sich die chirurgische Entfernung als beste Therapie durchgesetzt.

    Wie können Sie sich auf die Entfernung der Mukoidzyste vorbereiten?

    • Fragen Ihrerseits zu einer möglichen Komplikation und betreffend alternativer Behandlungen sollten vor dem OP-Termin beantwortet sein.
    • Schränken Sie in jedem Fall Ihren Alkohol- sowie Nikotinkonsum auf ein Minimum ein.
    • Blutverdünnende Medikamente wie beispielsweise ASS und Thomapyrin® müssen Sie mindestens 10 Tage vor der Mukoidzysten-OP (nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt) absetzen.
    • Vitaminpräparate (A, E) sowie Nahrungsergänzungsmittel (Omega-3-Fettsäuren, Johanniskraut Präparate etc.) müssen 4 Wochen vor der OP abgesetzt werden.
    • Chirurgische Eingriffe schränken die Flugreisetauglichkeit ein. Planen Sie deshalb keine Flugreisen (weder beruflich wie privat) in den vier Wochen nach der Operation.
    • Legen Sie sich zu Hause Eiswürfel oder Kühlpads bereit zur Kühlung der Haut nach der Operation.

    Was müssen Sie nach der Entfernung eine Mukoidzyste beachten?

    • Ihr Wohlbefinden sowie das Ergebnis der OP werden regelmäßig kontrolliert.
    • Das Hochlagern & Kühlen der Hand in den ersten 3 Tagen fördert die Abschwellung und die Wundheilung.
    • Führen Sie stündlich mehrmals vollständige Faustschluss- sowie Fingerstreckungsübungen durch.
    • Ab der 3. postoperativen Woche verhilft mehrfach tägliches Massieren für einige Minuten zu unscheinbaren Narben. Setzen Sie dazu fettende Cremes (zum Beispiel Bepanthen® Salbe oder Linola® Fett) ein und massieren Sie stets kreisförmig, sowie längs & quer zum Narbenverlauf.
    • Die Hautfäden werden nach 10-14 Tagen entfernt.
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    Zum Autor

    Privatdozent Dr. Stéphane Stahl

    “Wir liefern Ihnen umfangreiches Experten-Wissen, um gemeinsam mit Ihnen den bestmöglichen Behandlungsweg auszuwählen.”

    Privatdozent Dr. med. Stéphane Stahl ist ehemaliger Direktor der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie am Klinikum Lüdenscheid. Dr. Stahl studierte Medizin an den Universitäten Freiburg und Berlin. 2011 legte er die Europäische und 2012 die Deutsche Facharztprüfung für Plastische und Ästhetische Chirurgie ab. Es folgten weitere Facharztqualifikationen und Zusatzqualifikationen (u.a. Qualitätsmanagement, Medizindidaktik, Physikalische Therapie, Notfallmedizin, Laserschutzbeauftragte, Handchirurgie) sowie Preise und Auszeichnungen. 2015 habilitierte er sich im Fach Plastische und Ästhetische Chirurgie in Tübingen. Er ist ein erfahrener Mikrochirurg, gefragter Gutachter und regelmäßiger Referent auf Fachkongressen. Stéphane Stahl wurde nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren zum Mitglied der American Society for Aesthetic Plastic Surgery (ASAPS), eine der weltweit größten und einflussreichsten Fachgesellschaften für Ästhetische Chirurgie. Zu seinen Autorenschaften gehören u.a. zahlreiche Beiträge in angesehenen peer review Zeitschriften und chirurgischen Standardlehrwerken.

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