Eigenbluttherapie

Was ist die Eigenbluttherapie?

Die Erneuerung von körpereigenem Gewebe ist der Heiligen Gral der Medizin. Fast täglich erweitert die Wissenschaft unser Verständnis darüber, wie sich Zellen regenerieren. Bereits 1974 wurde beschrieben, dass Bestandteile des Blutes, die sogenannten Blutplättchen, die Erneuerung von Zellen anregen (Ross R, Glomset J, et al., 1974, Proc Natl Acad Sci U S A.). Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, sind kernlose Zellelemente, die aus Vorläuferzellen im Knochenmark gebildet werden. Ein gesunder Mensch besitzt etwa 150.000 bis 400.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut. Der Name Blutplättchen oder auf Englisch „platelet“ leitet sich von der flachen scheibenartigen Form der Thrombozyten ab. Sie haben einen Durchmesser von kaum zwei Mikrometer und besitzen kleine Bläschen namens Granula, in denen Botenstoffe gespeichert sind.

Bei einer Freisetzung der Botenstoffe kommt es zu einer Vermehrung von Zellen des Bindegewebes und der Gerüstbauteile um die Zellen herum. Die Botenstoffe der Thrombozyten fördern den Aufbau von Kollagen (Pierce GF, Mustoe TA, et al., 1989, J Cell Biol.). Auch die Entwicklung neuer Zellen aus Stammzellen wird angeregt. Die Hautfarbe, zum Bespiel bei dunklen Augenringen, wird gleichmäßiger. Die Hauttextur und Hautelastizität werden verbessert und die Tiefe von Falten im Gesicht und Dekolleté wird verringert. Es führt auch zu einer Zunahme der Haarfollikel, der Haardicke und Haardichte bei altersbedingtem und kreisrundem Haarausfall.

Bei einer Eigenblutbehandlung werden die regenerierenden Eigenschaften der Thrombozyten genutzt. Die körpereigenen Blutplättchen werden in konzentrierter Form verabreicht, daher der Name plättchenreiches Plasma oder PRP. Die hautverjüngende Wirkung von Blutplättchen wurde 2009 beschrieben und ist mittlerweile gut erforscht (Cervelli V, Palla L, et al., 2009, Aesthetic Plast Surg.).

Wie wirkt die Eigenbluttherapie?

Die Wirkung der Eigenbluttherapie wird durch die körpereigenen Blutplättchen vermittelt. Blutplättchen enthalten eine Fülle von Wachstumsfaktoren, die sie im Zielgewebe freigeben. Die Wirkungen von Wachstumsfaktoren sind hochkomplex und können sich je nach Konzentration und Kombination unterscheiden (Mazzucco L, Borzini P, et al., 2010, Transfus Med Rev.). Es ist bekannt, dass die Wirkung der Eigenblutbehandlung nicht auf einen einzelnen Wachstumsfaktor oder Botenstoff zurückgeführt werden kann. Die Wirkung beruht vielmehr auf eine gegenseitige Verstärkung der Wirkung vieler Faktoren. Eine genaue Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen einzelnen Botenstoffen und der Aktivierung von Stammzellen und der Zelle des Bindegewebes ist daher auch nur schwer nachweisbar (Chamata ES, et al., 2021, Plast Reconstr Surg.). Die Wachstumsfaktoren werden nach den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe benannt. Die wichtigsten Wachstumsfaktoren der Eigenblutbehandlung sind:

VEGF (engl. vascular endothelial growth factor):

  • Fördert die Wanderung und Vermehrung von Zellen, die die Innenseite der Blutgefäße auskleiden,
  • Erhöht die Durchlässigkeit von Blutgefäßen,
  • Fördert das Wachstum von Blutgefäßen und von Zellen an inneren und äußeren Oberflächen des Körpers,
  • Steigert die Bildung von Kollagen (Bao P, Kodra A, et al., 2009, J Surg Res.).

PDGF (engl. platelet-derived growth factor):

  • Stimuliert den Abbau von altem Kollagen,
  • Aktiviert Vorläuferzellen im Stützgewebe,
  • Regt die Vermehrung von Abwehrzellen im Blut und Stützgewebe an (Pierce GF, Mustoe TA, et al., 1991, J Cell Biochem.).

FGF (engl. fibroblast growth factor):

  • Stimuliert die Bildung neuer Gefäße,
  • Spielt eine Rolle beim Gewebeumbau,
  • Fördert die Wanderung von Zellen des Bindegewebes der Haut (Akita S, Akino K, et al., 2013, Adv Wound Care).

EGF (engl. epithelial cell growth factor):

  • Erhöht die Wanderung von Zellen der Oberhaut,
  • Regt die Wanderung von Zellen des Bindegewebes der Haut an,
  • Unterstützt die Bildung von Granulationsgewebe (Bodnar RJ., 2013,. Adv Wound Care (New Rochelle).

TGF-β (engl. transforming growth factor beta):

  • Fördert die Bildung neuer Gefäße,
  • Aktiviert die Vermehrung von Zellen des Bindegewebes der Haut und Zellen der Oberhaut,
  • Stimuliert die Bildung von Kollagen, Hyaluronsäure, Fibronectin und Proteoglykane (Liao MH, Liu SS, et al., 2014, Cell Tissue Res.).

IGF (engl. insulin-like growth factor):

  • Regt die Vermehrung von Zellen des Bindegewebes der Haut an (Giacco F, et al., 2006. FASEB J),
  • Förderung das Haarwachstum.
  • Stimulation die Vermehrung von Zellen der Oberhaut (Maria-Angeliki G, Alexandros-Efstratios K, et al., 2015, Int J Trichology).

Vorteile der Eigenblutbehandlung

Die Eigenblutbehandlung zeichnet sich bei der Bewertung nach allgemeingültigen Maßstäben durch folgende Vorteile aus:

  • Faktengestützte Wirksamkeit: Es gibt von Monat zu Monat mehr hochwertige und aussagekräftige Studien, die den Nutzen zweifelsfrei belegen.
  • Hohe Sicherheit: Die Risiken einer allergischen Reaktion, einer Unverträglichkeit oder die Übertragung einer Krankheit sind bei der Eigenblutbehandlung ausgeschlossen.
  • Hohe pharmazeutische Qualität: Eine hygienisch fachärztliche Blutabnahme und die Verwendung geschlossener Systeme gewährleistet eine reine, einheitliche und normkonforme Herstellung.
  • Kosteneffektivität und Wirtschaftlichkeit: Im Labor hergestellte Botenstoffe in vergleichbaren Konzentrationen kosten mehrere tausend Euros.
  • Verfügbarkeit: Im Durchschnitt produziert ein Erwachsener jeden Tag ein hundert Milliarden Blutplättchen, um eine normale Thrombozytenzahl aufrechtzuerhalten. Bei Bedarf kann der Körper die Bildung neuer Blutplättchen um das zehnfache erhöhen (Kaushansky K., 2015, J Clin Invest). Bei einer PRP Behandlung werden also weniger als 0,01 Prozent der täglichen gebildeten Blutplättchen verwendet.

Muss vor einer Eigenblutbehandlung eine Blutuntersuchung erfolgen?

Unbestritten ist, dass die Wirkung der Eigenblutbehandlung von den Botenstoffen der Blutplättchen ausgeht. Allerdings lässt sich nicht eine Mindest- oder Höchstgrenze der für eine optimale Wirkung erforderlichen Thrombozytenzahl festlegen. Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Thrombozytenzahl ist vor einer Eigenblutbehandlung daher nicht erforderlich. Allgemein ist bekannt, dass die Anzahl von Blutplättchen von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Die Anzahl von Thrombozyten kann bei krankhaften Veränderungen wie Entzündungen, Erkrankungen des Knochenmarks, Autoimmunerkrankungen, genetischen Erkrankungen oder einem Vitaminmangel deutliche verändert sein. Leichte Abweichungen können aber auch ganz natürlich vorkommen oder durch Lebensgewohnheiten bedingt sein. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr nimmt die Thrombozytenzahl stetig mit jedem Jahrzehnt um vier bis fünf Prozent ab (Santimone I, Di Castelnuovo A, et al., 2011, Haematologica.). Allgemein haben Frauen etwa drei Prozent mehr Thrombozyten als Männer (Hermann W, Risch L, et al., 2020, J Clin Med.). Zigarettenraucher haben etwa 17 Prozent weniger Thrombozyten als Nichtraucher (Varol E, Icli A, et al., 2013, Thromb Hemost). Bei gleicher Anzahl von Blutplättchen, lässt sich nachweisen, dass Übergewicht sich ungünstig auf die Größe der Blutplättchen auswirkt (Coban E, Yilmaz A, et al., 2007, Platelets). Auch eine Erhöhung des Blutzuckers wirkt sich nachteilig auf die Größe der Blutplättchen aus (Lippi G, Salvagno GL, et al., 2015, Prim Care Diabetes).

Ablauf der Eigenblutbehandlung

Vor jeder Behandlung, prüft die Fachärztin oder der Facharzt, mit welcher Maßnahme, nach dem Stand der Wissenschaft, Ihre Ziele am besten erreicht werden. Eine genaue Untersuchung und eine gute Beratung sind wichtig für den Erfolg jeder Behandlung. Anschließend wird Ihnen, wie bei einem allgemeinen Gesundheits-Check, etwa 20 Milliliter Blut abgenommen. Damit das Eigenblut nicht unmittelbar nach der Entnahme verklumpt, wird das Kalzium im Blut gebunden. Dies geschieht durch die Zugabe von Gerinnungshemmern wie zum Beispiel Citrat. Das ungerinnbar gemachte Blut wird dann in einer Laborzentrifuge geschleudert. Dadurch trennen sich die Blutbestandteile nach ihrer Dichte auf. Die Blutplättchen reichern sich an einer bestimmten Stelle im Reagenzglas an.

Bei der Aufbereitung sollte ein schonendes Verfahren eingesetzt werden und auf eine vorsichtige Handhabung der Blutplättchen geachtet werden. Zur Herstellung des Eigenblutes stehen spezielle Aufbereitungssysteme zur Verfügung. Aus eigener langjähriger Erfahrung haben sich geschlossene Systeme bewährt. Dabei kann weder das Blut aus dem Reagenzglas austreten, noch kann von außen etwas in das Reagenzglas gelangen. Dieser Prozess ist hygienischer, standardisiert und besser reproduzierbar. Hierfür stehen mehrere kommerziell hergestellte Systeme zur Verfügung, zum Beispiel Regenkit®, ACP Arthrex®. Die Systeme einschließlich der Zentrifuge sollten in der EU zugelassen sein, beziehungsweise eine CE-Kennzeichnung haben.

Bei gewissen Systemen kommt zur Auftrennung der Blutplättchen zusätzlich ein Gel Filter zum Einsatz. In der Regel erreicht die Thrombozytenkonzentrationen das 2- bis 9-fache über dem Blutwert. Konzentrationen von mehr als einer Million Blutplättchen pro Mikroliter werden im Allgemeinen als wirksam angesehen (Chamata ES, et al., 2021, Plast Reconstr Surg.). Damit die Blutplättchen ausreichend mit Nährstoffen versehen sind, sollten zu hohe Konzentrationen vermieden werden (Straum OK., 2020, PeerJ.).

Der Kontakt mit bestimmten Substanzen regt die Blutplättchen an, ihre Botenstoffe freizusetzen. Daher wird gelegentlich den konzentrierten Thrombozyten Kalzium oder Thrombin zugefügt. Bei dem Zusatz von Thrombin ist zu beachten, dass allergische Reaktionen auftreten können. Innerhalb weniger Minuten setzen die Zusatzstoffe die Gerinnung beziehungsweise die Verklumpung der Thrombozyten in Gang. Da das Kollagen im Unterspritzten Gewebe die Thrombozyten gleichfalls aktiviert und in Studien die Wirksamkeit der Eigenblutbehandlung ohne Zusatzstoffe gezeigt werden konnte, verzichten wir auf Zusatzstoffe (Mishra, A., Pavelko, T. 2006, Am J Sports Med.). Ohne Zusatzstoffe setzen die Blutplättchen die Botenstoffe allmählich im Gewebe frei.

Für die vorsichtige Unterspritzung der Blutplättchen werden besonders feine Kanülen verwendet. Betäubungscreme, die sogenannte „Vibrationsanästhesie“ und unterstützende Maßnahmen wie eine ablenkende Hintergrundmusik oder Aromatherapie sorgen für eine angenehme fast schmerzfreie Behandlung. Das Volumen der Unterspritzung unterscheidet sich je nach Ort und Behandlung. Im Allgemeinen werden etwa 0,3 Milliliter pro Quadratzentimeter Hautoberfläche unterspritzt.

Wer ist für eine Eigenbluttherapie geeignet?

Der Nutzen der Eigenbluttherapie ist in hunderten von Studien vor allem zur Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls, der Behandlung von Narben, von Schwangerschaftsstreifen und zur Hautverjüngung nachgewiesen. Die Eigenblutbehandlung kann allein oder in Verbindung mit anderen Verfahren eingesetzt werden. Für die Anwendung der Eigenbluttherapie gibt es keine Altersbeschränkungen. Bei Patienten ab dem 45. Lebensjahr und bei Zuckerkrankheit sind oft mehr Behandlungen notwendig, da die Konzentration einiger Wachstumsfaktoren mit dem Alter geringer ist (Tian J, Lei XX, et al., 2019, Platelets).

Bei schweren Grunderkrankungen raten wir allgemein von ästhetischen Behandlungen ab. Dies betrifft sowohl seltene erblich bedingte Erkrankungen der Blutplättchen, wie auch Blutarmut, Grippe oder Fieber. Die Einnahme blutverdünnender Medikamente (zum Beispiel Aspirin®, Thomapyrin®, Ibuprofen, Diclofenac) und Kortison-Präparate sollten zwei Wochen vor einer Behandlung und zwei Tage nach einer Behandlung vermieden werden, da diese Medikamente die Konzentration von Wachstumsfaktoren beeinträchtigen.

Eigenblutbehandlungen gegen Aknenarben

Es herrschen viele Irrglauben über die Ursachen, die Behandlung und die Folgen von Akne. Das Gerücht einer harmlosen Erkrankung hat die Wissenschaft längst widerlegt. Es zeigt sich, dass Akne und deren Folgen mit Stress, sozialem Rückzug, Stigmatisierung, Angst, Depressionen, sexuellen Funktionsstörungen und Selbstmordgedanken verbunden sind (Stamu-O'Brien C, et al, 2021, J Cosmet Dermatol.).

Die Anwendung von Eigenblut in Verbindung mit einer Microneedling Behandlung führt zu einem feineren Hautbild, einen gleichmäßigeren Teint und weniger sichtbaren Narben. In Studien lässt sich eine hohe Zufriedenheit der Patienten nachweisen (Long T, Gupta A, et al., 2020, J Cosmet Dermatol.). Eine leichte Schwellung oder Rötung der Haut bessern sich spontan nach wenigen Stunden. Die Ergebnisse sind dauerhaft und bereits nach 3 Monaten sichtbar. Wir empfehlen drei bis sechs Sitzungen im Abstand von zwei bis vier Wochen.

Erfahrungsberichte zur Eigenblut-Behandlung

Auf dem Bild sehen Sie einen ausgewählten Erfahrungsbericht zur Eigenblut-Behandlung bei Centerplast. Wo Sie weitere Bewertungen unserer erfahrenen Fachärzte und Erfahrungsberichte zu entsprechenden durchgeführten Behandlungen finden, erfahren Sie auf unserer Seite Erfahrungsberichte.

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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