Was ist ein Schnappfinger?

Ein Schnappfinger ist eine Entzündung der Beugesehnen der Finger oder des Daumens. Eine knotige Verdickung beeinträchtigt das Gleiten der Sehne. Bei Überwindung des Widerstands wird der Finger oder der Daumen mit mehr oder weniger starken Schmerzen ruckartig in Streckung gebracht. Im Volksmund ist daher die Bezeichnung schnellender Finger oder Daumen, schnalzender Finger, Springfinger oder Triggerfinger gebräuchlich. Diese Art der Sehnenscheidenentzündung wird nicht durch Krankheitserreger verursacht. Die Beugesehnen verbinden die Fingerspitzen mit den Muskeln am Unterarm. Die Sehnen werden durch ringförmige Bänder geführt, wie eine Angelschnur durch die Ringe einer Angelrute. Die Bänder der Sehnenscheiden lassen sich nach ihrer Form in Ringbänder und Kreuzbänder unterscheiden. Bei einem Schnappfinger entsteht das Gleithindernis am ersten Ringband des Fingers oder des Daumens. Daher kommt auch der Fachbegriff A1 Ringbandstenose. Durch die Entzündung und das Reiben kommt es zu einer Schädigung der Sehne. Der Schweregrad eines Schnappfingers wird in vier Stadien eingeteilt:

  • Grad I: Es lässt sich eine schmerzhafte Schwellung in der Hohlhand tasten
  • Grad II: Der Finger schnappt, kann aber noch gestreckt werden
  • Grad III: Der Finger kann nur unter Zuhilfenahme der gesunden Hand gestreckt werden
  • Grad IV: Der Finger lässt sich nicht mehr ganz gerade machen

Was sind die Symptome eines Schnappfingers?

Gelegentlich wird zunächst eine Berührungsempfindlichkeit der Handinnenfläche bemerkt. Das Schließen der Faust löst an dem betroffenen Finger Schmerzen aus. Wird die Hand dann wieder geöffnet, kommt es zu einer ruckartigen Streckung des Fingers. Die Beschwerden entwickeln sich über Tage bis Wochen. Das Schnappen des Fingers macht sich vor allem morgens bemerkbar. Der Wechsel vom Liegen zum Stehen und die Bewegung der Finger führt zu einer Umverteilung des Gewebswassers. Durch die Abschwellung im Tagesverlauf bessert sich das Schnappen. Wenn die Schwellung der Sehne zunimmt, springt der Finger dauerhaft. Das Strecken des Fingers wird mühsamer und schmerzhafter. Wenn das Springen des Fingers schon Monate andauert ist eine spontane Besserung unwahrscheinlich. Wird der Finger auf Grund der Schmerzen über Tage nicht gestreckt, verkürzen sich die Bänder und das Mittelgelenk steift ein. Nicht selten werden ähnliche Beschwerden an anderen Fingern der gleichen oder der anderen Hand verspürt. Über 40 Prozent der Betroffenen leiden ebenfalls unter einem Karpaltunnelsyndrom (Kumar P, et al., 2009, J Hand Surg Eur Vol). In dem Fall kann es zu einem Taubheitsgefühl der Finger kommen, besonders nachts.

Was sind die Ursachen eines Schnappfingers?

Ursachen und Auslöser werden häufig durcheinandergebracht, wenn über die Entstehung von Sehnenscheidenentzündungen gesprochen wird. Am Beispiel des Herzinfarktes lässt sich der Unterschied verdeutlichen. Körperliche Anstrengung kann ein Herzinfarkt auslösen, besonders bei Menschen die unter Bewegungsmangel leiden. Dabei hilft Sport einem Herzinfarkt vorzubeugen. Bei einem Schnappfinger werden das Schnellen und die Schmerzen durch die Bewegung der Finger ausgelöst. Die Ursachen der Sehnenverdickung sind jedoch anlagebedingt. Veränderungen des Hormonstoffwechsels begünstigen die Entstehung eines Schnappfingers. Bewegungsmangel und plötzliche ungewohnte Belastung im beruflichen wie im privaten Leben können zu Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats führen. Regelmäßige körperliche Belastung, ob als Ausdauertraining oder als Krafttraining führt hingegen zu einer Anpassung des Körpers. Daher ist die Sehnenscheide der Finger von Sportkletterern nachweislich widerstandsfähiger (Schreiber T, et al., 2015, Eur J Sport Sci). Berichte über das gehäufte Auftreten schnellender Finger bei Sportkletterer oder bei Konzertpianisten gibt es nicht. Bei anderen Sehnenscheidenentzündungen der Hand, wie die Tendovaginitis stenosans de Quervain, wurde die Vermutung einer Verursachung durch Überbelastung widerlegt (Stahl S, et al., 2015, BMC Musculoskelet Disord; Stahl S, et al., 2013, Plast Reconstr Surg).

Wie häufig ist ein Schnappfinger?

Der Schnappfinger ist eine der häufigsten Erkrankungen der Hand. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens an einem Schnappfinger zu erkranken beträgt 2,6 Prozent. Die Inzidenz wurde auf 28 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern angegeben (Strom L., 1977, Journal of the Medical Society of New Jersey). Die Krankheitshäufigkeit in der Allgemeinbevölkerung beträgt etwa ein Prozent (Shen PC, et al., 2019, Medicine (Baltimore)). Frauen sind häufiger betroffen (1:4) (Fleisch SB, et al., 2007, J Am Acad Orthop Surg). Am häufigsten treten Schnappfinger im fünfzigsten Lebensjahr auf. Meist ist der Daumen, der Ringfinger oder der Mittelfinger betroffen (Ragoowansi R., et al., 2005, Br J Plast Surg).

Wie wird ein Schnappfinger festgestellt?

Die schmerzhafte schnellende Bewegung ist für ein Schnappfinger recht typisch. Da die Krankheit allmählich entsteht, ist der genaue Beginn der Beschwerden häufig nicht erinnerlich. Bei der Untersuchung kann eine Schwellung in der Handfläche unterhalb des betroffenen Fingers getastet werden. Ein Druck an dieser Stelle ist in der Regel schmerzhaft. Bei der Bewegung des Fingers kann das Gleiten der verdickten Sehne getastet werden. Ein Schnappen kann auch durch eine Verletzung der Strecksehne verursacht werden (Streckerhaubenruptur, Luxation eines Strecksehnenseitenzügels). Selten kann auch bei einer Fehlstellung des Fingers (Schwanenhals-Deformität) ein Schnellen ausgelöst werden. Diese Verletzungen oder Fehlstellung können durch die Untersuchung durch einen Handchirurgen von einem Schnappfinger abgegrenzt werden.

Was tun bei einem Schnappfinger?

Viele Portale geben Ihnen gerne Auskunft, wenn es um die Heilung oder Linderung Ihrer Beschwerden geht. Wenn es um Ihre Gesundheit geht, sollten sich die Empfehlungen auf Fakten stützen. Wissenschaftlich belegte Tatsachen geben Ihnen mehr Sicherheit, um die richtige Entscheidung zu treffen. Der Nutzen von Salben, Globuli, Bandagen, Ultraschall- und Elektrotherapie sowie der extrakorporale Stoßwellentherapie ist mit Bezug auf den Schnappfinger nicht gesichert. Kälteanwendung, Übungen und Krankengymnastik haben einen wichtigen Stellenwert nach einer Operation. Übungen alleine können einen Schnappfinger jedoch weder vorbeugen noch heilen. Ein ergonomisches Arbeitsumfeld, zum Beispiel mit einer Handballenauflage und einer ergonomischen Tastatur sind zur Unterstützung der Heilung sinnvoll. Schonung oder ein Arbeitsplatzwechsel können eine Entzündung der Sehnenscheiden nicht vorbeugen oder heilen.

Was sind die Nebenwirkungen der Kortisonbehandlung eines Schnappfingers?

Die Wirksamkeit einer Kortisonspritze ist in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen gut dokumentiert (Peters-Veluthamaningal C, et al., 2009, Cochrane Database Syst Rev). Vor jeder Behandlung sollten Risiken, Nutzen und alternative Behandlungsmethoden sorgfältig geprüft werden. Nach einer Kortisonspritze kehrt ein schnalzender Finger in bis zu 48 Prozent der Fälle wieder (Ring D., et al., 2008, J Hand Surg Am). Wiederholte Kortisonspritzen schädigen die Sehnen und unterdrücken die körpereigene Kollagenherstellung (Scutt N, et al., 2006, J Orthop.Res.). Darunter kann es zu einem Reißen der vorgeschädigten Sehne kommen. Die Wirksamkeit der Kortisonspritzen ist bei wiederkehrenden oder lange andauernden Springfingern vermindert. Die Behandlung durch einen kleinen chirurgischen Eingriff behebt das Schnappen dauerhaft in annähernd 100 Prozent der Fälle (Fiorini H.J., et al., 2018, Cochrane Database Syst Rev).

Schnappfinger und Schnappdaumen bei Kindern und Babys

Auch Kleinkinder und Babys können unter einem Schnappfinger oder Schnappdaumen leiden. Häufig berichten die Eltern, dass ihr Kind einen Daumen nicht strecken kann. Die angeborene Verengung der Beugesehne macht sich zwischen dem ersten und dem vierten Lebensjahr bemerkbar. Der Daumen ist bei weitem am häufigsten betroffen (Pollex flexus congenitus oder rigidus). Ein Schnappfinger tritt bei weniger als drei von tausend Neugeborenen auf (Rodgers W. B., et al., 1994, J Hand Surg Am). Auch beide Seiten können betroffen sein. Bei der Untersuchung tastet sich eine knotige Verdickung der Beugesehnen in der Grundgliedbeugefalte. Ein Schnappdaumen kann auch nach mehreren Jahren von alleine ausheilen. Wissenschaftliche Veröffentlichungen und die handchirurgische Erfahrung zeugen davon, dass mit einem kleinen chirurgischen Eingriff der Engpass der Sehne schnell und verlässlich behoben werden kann. Die chirurgische Behandlung zeichnet sich durch sehr gute Ergebnisse aus (Farr S, et al., 2014, J Hand Surg Eur Vol.). Da bei Kleinkindern eine kurze Vollnarkose erforderlich ist, wird empfohlen die Operation nach dem sechstem Lebensmonat durchzuführen.

Welcher Arzt behandelt ein Schnappfinger?

Die Behandlung von Erkrankungen der Hand bedarf hoher Fachkompetenz und Sorgfalt. Eine dreijährige Ausbildung vermittelt das notwendige Verständnis für das komplexe Zusammenspiel von Sehnen, Nerven und Gelenken auf engstem Raum. Ein Handchirurg ist auf das Erkennen, die Vorbeugung und die Behandlungen von Erkrankungen an der Hand spezialisiert. Mikrochirurgische Techniken werden in der Ausbildung zum plastischen Chirurgen und in der Zusatzausbildung zum Handchirurgen erlernt. Ein plastischer Chirurg ist im Umgang mit feinen Instrumenten besonders erfahren. Die Beherrschung von Techniken zur Gewebeverschiebung ermöglichen es einen plastischen Chirurgen und Handchirurgen auch seltene Komplikation optimal zu behandeln.

Die Operation zur Behandlung des Schnappfingers

Mit einem 15minütigen ambulanten Eingriff in örtlicher Betäubung kann die Sehne aus ihrer Einengung befreit werden. Ist das Gleithindernis behoben, heilt die Entzündung von alleine aus. Vor einer Operation empfiehlt sich die Hand sorgfältig mit Seife zu waschen. Lange Nägel, lackierte Nägel und Kunstnägel erschweren die Desinfektion und sollten daher vermieden werden. Unmittelbar vor der Operation wird die Haut mit einer Alkohol-Lösung desinfiziert. Die Nerven der Handinnenfläche werden mit feinsten Kanülen gezielt betäubt. Die Blutleere, optische Vergrößerung und mikrochirurgische Techniken helfen wichtige Strukturen zu schonen und erlauben eine bessere Beurteilung der Sehnen. Der kurze Hautschnitt von ein bis zwei Zentimetern wird von dem Handchirurgen sorgfältig geplant. Das einengende Band wird gespalten. Bei Bedarf werden Verklebungen gelöst, die Sehne wird geglättet und das geschädigte Band oder verdicktes Gleitgewebe wird entfernt. Der Handchirurg überzeugt sich während der Operation von dem freien Gleiten der Sehnen. Von allen Behandlungsmethoden ist die Operation die wirksamste Methode zur dauerhaften Linderung der Beschwerden (Amirfeyz R, et al, 2017, J Hand Surg (Eur Vol)). Bei entsprechender Nachsorge verbleibt eine kleine, feine, unscheinbare Narbe.

Komplikationen wie Entzündungen, Bewegungseinschränkungen oder Folgeoperationen sind selten. Begleiterkrankungen wie eine Zuckerkrankheit, Zigarettenrauchen, Übergewicht und hohes Alter erhöhen diese Risiken. Im Allgemeinen beträgt das Risiko einer Bewegungseinschränkung 0,8 bis 1,6 Prozent. Das Risiko einer Entzündung beträgt 0,5 bis 0,6 Prozent (Werner BC, et al., 2016, J Hand Surg Eur Vol.). Andere seltene Risiken sind ein komplexes regionales Schmerzsyndrom, ein Bogensehnen-Phänomen und Nervenverletzungen.

Wie können Sie sich auf eine Schnappfinger OP vorbereiten?

  • Alle Ihre Fragen zu möglichen Komplikationen und alternativen Behandlungen sollten im Vorfeld beantwortet sein.
  • Schränken Sie Nikotin- und Alkoholkonsum auf ein Minimum ein!
  • Operationen schränken die Flugreisetauglichkeit ein. Planen Sie daher in den 4 Wochen nach der Operation keine Flugreisen beruflich wie privat!
  • Legen Sie sich zu Hause Eiswürfel oder Kühlpads bereit zur Kühlung der Haut nach der Operation!

Was müssen Sie nach einer Schnappfinger OP beachten?

  • Das Hochlagern und Kühlen der Hand in den ersten 72 Stunden ist sehr wichtig.
  • Stündlich sollten mehrmalig vollständige Faustschluss- und Fingerstreckungsübungen durchgeführt werden.
  • Die Hautfäden werden nach 10 bis 14 Tagen entfernt.
  • Postoperative klinische Kontrollen empfehlen sich am 3. postoperativen Tag und nach 1 und 2 Wochen.
  • Die selbstständige Narbenmassage ab der 3. postoperativen Woche mit rückfettender Salbe (z. B. Bepanthen® Wund- und Heilsalbe, Linola® Fett Creme) verhilft zu unscheinbaren weichen Narben.

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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