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    Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

    Die Sehnenscheidenentzündung ist eine Reaktion des Sehnengleitgewebes, die mit den klassischen Entzündungszeichen Schwellung, Überwärmung, Schmerzen, Rötung und Bewegungseinschränkung einhergehen kann. Grundsätzlich werden Entzündungen der Sehnenscheiden nach der betroffenen Körperregion und der Ursache unterteilt.

    Im Wesentlichen lassen sich zwei Ursachen für eine Sehnenscheidenentzündung unterscheiden. Die Entzündung kann durch Krankheitserreger oder durch Gewebeveränderungen ausgelöst werden. Unbestimmte Veränderungen des Gewebes sind der häufigste Grund für eine Entzündung der Sehnenscheiden.

    Zu den häufigen betroffenen Körperregionen gehören der Ellenbogen (Tennisellenbogen), die Schulter (Rotatorenmanschette), die Achilles-Sehne und die Hand (Schnappfinger) sowie das Handgelenk (Tendovaginitis stenosans de Quervain). Viele Begriffe werden für die Sehnenscheidenentzündung gleichbedeutend verwendet: Tenosynovialitis, Tenosynovitis, Endosynovitis, Tendovaginitis, Tendovaginose, Perivaginitis, Peritendinitis, Paratenonitis, Tendinopathie oder Tendinitis. Nicht selten wird die Diagnose einer Sehnenscheidenentzündung für unspezifische Schmerzen missbraucht. Die Feststellung einer Sehnenscheidenentzündung sollte sich auf eine sorgfältige klinische Untersuchung stützen. Ähnliche Krankheitsbilder werden im Zweifel durch weiterführende Untersuchungen ausgeschlossen.

    Wie kommt es zu einer Sehnenscheidenentzündung?

    Am häufigsten werden Entzündungen der Sehnenscheiden durch Umbauvorgänge des Sehnengleitkanals und der Sehnen hervorgerufen. Verhärtungen des Sehnenkanals und Verdickungen der Sehnen führen zu einer Widerstandserhöhung. Der mechanische Reiz schädigt das Gewebe und verursacht eine Entzündungsreaktion sowie die Neubildung von Blutgefäßen. Die Entzündung steigert den Gewebeumbau und unterhält damit einen Teufelskreis, was zu einem chronischen Verlauf führen kann.

    Es gibt unterschiedliche Vermutungen zu den Ursachen des Gewebeumbaus. Zu diesen Annahmen gehören Überbelastung, Verletzungen, hormonelle Veränderungen, entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Amyloidosen, Mukopolysaccharidosen), Zuckerkrankheit (Diabetes), Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Antibiotika (Fluorchinolone) und angeborene Variationen der Sehnen.

    Bei der Betrachtung der Zusammenhänge werden gelegentlich Ursachen und Auslöser verwechselt. Wenn beispielsweise ein Herzinfarkt beim Sport auftritt, hat der Sport den Herzinfarkt ausgelöst, aber nicht verursacht. So kann das Tragen eines Babys auf dem Arm akute Schmerzen bei einer Sehnenscheidenentzündung des Handgelenks auslösen. Die Ursache der stechenden Schmerzen der Entzündung liegt jedoch in der schwangerschaftsbedingten hormonellen Umstellung. Die Beobachtung, dass Frauen häufiger und zudem besonders in der Schwangerschaft und Stillzeit oder in den Wechseljahren betroffen sind, stützt die Vermutung einer hormonellen Ursache. Studien haben gezeigt, dass eine Bindungsstelle (Rezeptor) für ein weibliches Hormon (Östrogen) besonders zahlreich im Gewebe von Sehnenscheidenentzündungen vorhanden ist [1].

    Die Untersuchung genetischer Fingerabdrücke hat Hinweise erbracht, dass bestimmte Abschnitte des Erbguts bei Menschen mit Sehnenscheidenentzündungen häufiger vorkommen. Die verdächtigen Abschnitte (KLHL1 und POLE2) steuern den Aufbau von Bindegewebszellen (Fibroblasten) und die Reparaturvorgänge der Erbsubstanz [2].

    Wo können Sehnenscheidenentzündung an der Hand auftreten?

    Sehnenscheidenentzündungen treten bevorzugt an natürlichen Engpässen der Sehnenfächer am Handgelenk und der Hand auf. Kleinste Veränderungen führen zu einer Einengung des Sehnen-Gleitraumes. An der Hand und am Handgelenk werden folgende Sehnenscheidenentzündungen häufiger angetroffen:

    • Die A1 Ringbandstenose ist eine Entzündung der Fingerbeugesehnen. Sie wird im Volksmund als Schnappfinger oder schnellender Finger bezeichnet.
    • Die Tendovaginitis stenosans de Quervain ist eine Entzündung des ersten Strecksehnenfaches am speichenseitigen Handgelenk und wird umgangssprachlich auch Hausfrauendaumen genannt.
    • Das Intersektions-Syndrom ist eine seltene Entzündung vier bis acht Zentimeter körpernah des Handgelenks, wo sich mehrere Sehnen überkreuzen (Sehnen des Musculus abductor pollicis longus sowie des Musculus extensor pollicis brevis und die Sehne der Musculi extensor carpi radialis brevis et longus).
    • Eine Entzündung des dritten Strecksehnenfachs (Musculus extensor pollicis longus) tritt in bis zu fünf Prozent nach körperfernen Speichenbrüchne auf. Die Schädigung der Daumenstrecksehne kann zu einem Sehnenriss führen.
    • Eine Entzündung des vierten und fünften Strecksehnenfaches ist selten und geht häufig mit einer rheumatischen Erkrankung einher.

    Was sind die Symptome einer Sehnenscheidenentzündung an der Hand?

    Eine Sehnenscheidenentzündung macht sich vor allem durch Schmerzen bemerkbar. Diese manchmal ziehenden Schmerzen beginnen meist schleichend, ohne einen vorausgegangenen Sturz, eine ungewöhnliche oder besonders starke Belastung. Bestimmte Bewegungen können die Schmerzen allerdings plötzlich auslösen oder verstärken. Bei der Untersuchung lässt sich der Ort der stärksten Schmerzen meist punktgenau ermitteln. In der Fachsprache wird die Stelle als Punctum maximum bezeichnet. Hier tastet man häufig eine knotige Verdickung der Sehne. Zu den typischen Symptomen gehört zudem, dass nach einiger Zeit kraftvolle Handgriffe schmerzbedingt nicht mehr ausgeführt werden können. Wenn die Entzündung länger anhält, kann der entzündete Bereich anschwellen. Eine sich ausbreitende Rötung und eine Überwärmung sind eher charakteristisch für Entzündungen, die durch Krankheitserreger hervorgerufen werden. Der erhöhte Widerstand der entzündlich veränderten Sehnenscheide kann selten auch mal zu hören sein. Das Reibungsgeräusch wird mit dem Knirschen von frischem Schnee (Schneeballknirschen) oder dem Knarren von Leder verglichen.

    Sehnenscheidenentzündung durch Überlastung

    Seit der 5. Berufskrankheitenverordnung 1952 werden Erkrankungen der Sehnenscheiden oder des Sehnengleitgewebes unter bestimmten Voraussetzungen als Berufserkrankung nach der Nummer 2101 anerkannt. In der allgemeinen Meinung wird oft eine Überbelastung als häufigste Ursache für eine Sehnenscheidenentzündung erwähnt. Bei genauerer Betrachtung lässt sich feststellen, dass die zugrunde liegenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht zwischen Auslöser und Ursachen unterscheiden. Bei einer Sehnenscheidenentzündung rufen bestimmte, manchmal monotone Bewegungen die Schmerzen hervor. Das häufige Auftreten von Beschwerden während der Arbeitszeiten war zu damaligen Zeiten ausreichend, um einen ursächlichen Zusammenhang abzuleiten [3]. Bisherige wissenschaftliche Veröffentlichungen sind von unzureichender Qualität, um einen Ursache-Wirkungszusammenhang zu belegen [4]. Die vielen Unsicherheiten hinsichtlich der möglichen Ursachen und dem Krankheitsbild spiegeln sich in den unterschiedlichen Bezeichnungen wider. Die verwirrenden Begriffe wie „repetetive strain injury (RSI)“, „cumulative trauma disorders (CDT)“ oder „work related upper limb pain“ werden auch unter dem Namen „non-specific forearm pain“ zusammengefasst. Das Sportklettern ist ein Beispiel für eine Form der extremen Belastung der Sehnen und Sehnengleitkanäle. Bei Sportkletterern passt sich das Gewebe an die Belastung an und wird widerstandsfähiger [5]. Ein schnellender Finger (Schnappfinger) ist eine für Sportkletterer höchst ungewöhnliche Erkrankung. Bei der Tendovaginitis stenosans de Quervain wurde die Vermutung einer Überlastung als Ursache der Sehnenscheidenentzündung widerlegt [6].

    Wie erkennt man eine Sehnenscheidenentzündung der Hand?

    Die Diagnose einer Sehnenscheidenentzündung entsteht durch eine gezielte Befragung und Untersuchung. Wegen des schleichenden Beginns kann die Dauer der Beschwerden nicht auf den Tag genau bestimmen werden. Die Stelle der stärksten Schmerzen lässt sich meistens verlässlich eingrenzen. In dem Bereich kann eine Wassereinlagerung sichtbar oder tastbar sein. Die Bewegung der betroffenen Sehne verstärkt die Schmerzen. Benachbarte Sehnen oder Gelenken sind nicht beeinträchtigt. Beim vorsichtigen Abtasten lässt sich der Punkt der stärksten Schmerzen genau der betroffenen Sehne zuordnen. Die genaue Ermittlung der Stelle, wo der Schmerz am stärksten ausgeprägt ist, ist entscheidend, um die Diagnose zu stellen. Gelegentlich lässt sich eine keulenartig verdickte Sehne tasten. Im Zweifelsfall müssen andere Erkrankungen oder Verletzungen mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen werden. Die Feststellung von Verletzungen oder Erkrankungen der Knochen oder der Gelenke erfordert eine spezifische Röntgenuntersuchung. Schmerzarme Schwellungen der Sehnenscheiden an untypischen Stellen lassen sich durch eine Kernspintomographie näher einordnen. Eine Blutuntersuchung kann den Verdacht einer rheumatischen Erkrankung, einer Gicht oder einer bakteriellen Infektion bestätigen, aber nicht gänzlich ausschließen. Wenn ein Infekt einer Sehnenscheide vermutet wird, ist eine zeitnahe chirurgische Untersuchung und Behandlung angezeigt.

    Welcher Arzt behandelt eine Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk?

    Ein Facharzt mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie verfügt über die notwendigen Kenntnisse und Erfahrung, um eine Sehnenscheidenentzündung festzustellen und zu behandeln. Die geschützte Gebietsbezeichnung Handchirurgie setzt eine spezielle dreijährige Ausbildung voraus, im Anschluss an eine chirurgische Facharztanerkennung. Die Handchirurgie ist ein wichtiger Bestandteil der Facharztausbildung Plastische und Ästhetische Chirurgie. Ein Handchirurg und Plastischer Chirurg besitzt somit mehr als neun Jahre der Berufserfahrung auf dem Gebiet der Handchirurgie. Ein Plastischer Chirurg zeichnet sich durch ein gewebeschonendes Vorgehen sowie das Beherrschen der Techniken der Mikrochirurgie und des Gewebeersatzes aus. Die europäische Anerkennung als Handchirurg (FESSH: Federation of the European Societies for Surgery of the Hand) wird mit Bestehen einer mehrtätigen schriftlichen und mündlichen Prüfung erlangt. Ein Handchirurg ist mit den chirurgischen und den nichtoperativen Behandlungsmöglichkeiten vertraut. Mit entsprechender Erfahrung ist ein Handchirurg in der Lage sämtliche Komplikationen und Beschwerdebilder der Hand zu behandeln. Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Handchirurgie sind eine besondere Auszeichnung und vermitteln ein fundiertes und aktuelles Wissen.

    Sehnenscheidenentzündung ohne OP behandeln

    Das Internet liefert eine Vielzahl unterschiedlicher Empfehlungen und Tipps zur konservativen Behandlung einer Sehnenscheidenentzündung. Die Wirksamkeit vieler Therapieformen ist schlecht oder gar nicht belegt. Naturheilkundliche Wirkstoffe wie Bromelain, Propolis und die Inhaltsstoffe der Arnicablüte wirken abschwellend oder entzündungshemmend. Als Alternativen zu entzündungshemmenden Tabletten werden auf Grund ähnlicher Wirkstoffe die sogenannte Pferdesalbe (ätherische Öle und Arnika) oder eine Retterspitz® Tinktur (ätherische Öle und Arnika) genannt. Diese Heilmittel sind allerdings nicht für die Behandlung von Sehnenscheidenentzündungen zugelassen, da faktenbasierte Belege der Wirkung nicht vorliegen. Wissenschaftliche Hinweise für die Wirkung von Hausmitteln wie Quarkwickel oder Heilerden wurden bisher nicht veröffentlicht. Auch für die Wirkung der Homöopathie, der Akupunktur, des Reizstroms (TENS) oder der Laser-Behandlung bei Sehnenscheidenentzündungen gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Eine Umstellung der Ernährung kann den Verlauf einer Sehnenscheidenentzündung nicht beeinflussen. Die Belege für eine Wirkung der Unterspritzung von Hyaluronsäure oder dem Verfahren mit aufbereitetem körpereigenen Blut sind von geringer Aussagekraft. Bestimmte Medikamente wie Diclofenac (Voltaren®) oder Ibuprofen hemmen das Entzündungsgeschehen. Die Einnahme entzündungshemmender Medikamente über Wochen kann jedoch zu schweren Nebenwirkungen führen. Schienen, Bandagen oder Tapes verhindern, dass Schmerzen auftreten. Bei einer Ruhigstellung über mehrere Tage drohen jedoch bleibende Bewegungseinschränkungen. Das Hochlagern und das Kühlen der Hand fördern die Abschwellung. Bewegungsübungen, Physiotherapie oder Handtherapie sind zum richtigen Zeitpunkt ein wichtiger Baustein der Behandlung. Eine ergonomische Maus und Tastatur sowie eine zeitlich beschränkte Nutzung des Handys sind zur Vermeidung schmerzhafter Bewegungen sinnvoll. Der Nutzen der extraporalen Stoßwellentherapie (ESWT) zu Behandlung von Sehnenscheidenentzündungen ist umstritten [7].

    Was hilft bei einer Sehnenscheidenentzündung?

    Am Handgelenk sind Kortisonspritzen besonders wirksam, wenn die Beschwerden noch nicht lange bestehen [8]. Eine kurzzeitige Linderung der Beschwerden durch Kortisonspritzen ist gut belegt. Ein Jahr nach der Kortison Einspritzung kehren die Beschwerden bei ca. 50 Prozent der Patienten wieder. Eine Operation führt in 99 Prozent der Fälle zu einer dauerhaften Beschwerdelinderung bei Sehnenscheidenentzündungen an der Hand. Die Risiken einer Operation sind in der Hand eines Handchirurgen nicht größer als die einer Kortisonspritze [9].

    Wie wirkt eine Kortisonspritze bei Sehnenscheidenentzündungen?

    Die Unterspritzung von Kortison ist eine weitverbreitete Therapie sowohl am Handgelenk wie an der Hand. Kortison beeinflusst den Zellstoffwechsel in vielschichtiger Art und Weise. Es hemmt die Signalübermittlung bei entzündlichen Prozessen und die Herstellung von Kollagen wird vermindert. Die Zellvermehrung und die Ausreifung von Stammzellen werden beeinträchtigt. Zudem ist eine Verminderung der Lebensdauer von Zellen des Bindegewebes (Fibroblasten) festzustellen. Kortison kann Sehnen schwächen und insbesondere bei wiederholter Anwendung zum Reißen der Sehne führen [10].

    Was sind die Risiken einer Kortisonspritze bei einer Sehnenscheidenentzündung?

    Heller Hautfleck mit Gefäßzeichnung und Fettgewebsschwund nach Kortisonspritzen am rechten Handgelenk

    Häufig wird Kortison als Überbegriff für eine ganze Wirkstoffgruppe verwendet. Bei der Betrachtung der Risiken ist daher eine genaue Unterscheidung notwendig. Die Risiken von Kortisonspritzen sind abhängig von dem Wirkstoff, der unterspritzten Menge und der Anzahl von Behandlungen. Zu den verwendeten Wirkstoffen zählen Methylprednisolon, Triamcinolon, Dexamethason und Betamethason. Die Wirkstärke von Dexamethason und Betamethason ist etwa fünf Mal größer als die von Methylprednisolon und Triamcinolon. Die einmalige gezielte Anwendung einer möglichst geringen Wirkstoffmenge ist nebenwirkungsärmer als die häufig wiederholte Anwendung einer großen Menge. In etwa 50 Prozent der Fälle ist nach ein bis zwei Behandlungen mit einer Besserung zu rechnen [11]. Bei länger bestehenden Beschwerden, älteren Patienten und bei Zuckerkrankheit ist der Behandlungserfolg meist vorübergehend [12].

    Da Kortison pigmentbildenden Zellen schädigen kann, kann es zu hellen oder dunklen Flecken auf der Haut kommen. Die verminderte Bildung von Kollagen schwächt zudem die Elastizität der Haut und kann zu einer Sehnenruptur führen. Die Veränderung des Zellstoffwechsels kann eine Gefäßzeichnung und einen Fettgewebsschwund verursachen. Diese Veränderungen bessern sich häufig von selbst nach neun bis zwölf Monaten. Mit Veränderungen der Haut muss in 31 Prozent der Fälle am Handgelenk und in 40 Prozent der Fälle am Ellenbogen gerechnet werden [13]. Das Risiko einer Infektion wird auf 0,16 Prozent geschätzt [14].

    Wie wird Cortison an der Hand gespritzt?

    Vor der Unterspritzung sollte sowohl der Patient wie der Behandler die Hände gründlich waschen, am besten mit einer desinfizierenden Seife (zum Beispiel HiBiScrub® Plus Fa. Mölnlycke, Octenisan® Wash Lotion Fa. Schülke, Prontoderm® Shower Gel Fa. B.Braun). Die genaue Beachtung von Hygienemaßnahmen beugt dem Risiko einer Infektion vor. Dazu gehören das Tragen von Handschuhen und die Einhaltung der Einwirkzeit des Desinfektionsmittels. Das Kortison wird direkt vor Gebrauch mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt. An der Hand hat sich die Einspritzung eines halben Milliliters der Triamcinolon Lösung mit einer sehr feinen Hohlnadel bewährt. Eine oberflächliche Einspritzung kann zu einer Schädigung der Haut, während eine tiefe Einspritzung zu einer Schädigung der Sehne führen. An der Hand und am Handgelenk ist die Unterspritzung von zehn Milligramm Triamcinolon meist ausreichend. Die Einstichstelle wird mit einem Pflaster verbunden.

    Wie lange dauert eine Sehnenscheidenentzündung?

    Der Beginn einer Sehnenscheidenentzündung ist in der Regel schleichend. Die Schmerzen an der betroffenen Hand können Wochen oder Monate anhalten. Eine Schonung über mehrere Wochen ist nicht zu empfehlen, da es zu einem Muskelschwund oder eine Einsteifung der Gelenke kommen kann. Ein Schwund der Muskeln kann weitere körperliche Probleme verursachen. Eine Arbeitsunfähigkeit ist, in Abhängigkeit der ausgeübten beruflichen Tätigkeit, nur für wenige Tage sinnvoll, zum Beispiel nach einer Operation. Je früher eine Behandlung erfolgt, desto wahrscheinlicher ist die Heilung und desto schneller die Erholung. Dies gilt auch bei einer nicht-infektiösen Sehnenscheidenentzündung. Wenn die Beschwerden länger als drei Monate dauern spricht man im Gegensatz zur akuten Sehnenscheidenentzündung von einer chronischen Sehnenscheidenentzündung [15].

    Was tun bei Handgelenksschmerzen in der Schwangerschaft?

    Jeder Behandlung sollte eine körperliche Untersuchung vorausgehen. Wenn der Handchirurg eine Sehnenscheidenentzündung feststellt, können Sie unbesorgt sein. Die Behandlung der Sehnenentzündung am Handgelenk oder an der Hand stellt keine Gefahr für das Baby dar. Im Fall einer Kortisonspritze reicht eine gezielte Unterspritzung von einem halben Milliliter beziehungsweise zehn Milligramm Triamcinolon. Wenn eine Kortisonspritze nicht zu einer Besserung führt, kann der chirurgische Eingriff in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Es gibt keine Hinweise für eine Beeinträchtigung einer Schwangerschaft bei der Anwendung einer örtlichen Betäubung [16].

    Kann man einer Sehnenscheidenentzündung vorbeugen?

    Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Bindungsstelle (Rezeptor) für Östrogen besonders zahlreich im Gewebe von Sehnenscheidenentzündungen vorhanden ist [17]. Da es eine erblich bedingte Veranlagung gibt, ist eine Vorbeugung nicht möglich [18]. Eine Änderung der Lebensgewohnheit oder der Essgewohnheiten sind nicht geeignet, um das Aufkommen der entzündeten Sehne zu vermeiden. Grundsätzlich ist ein ergonomischer Arbeitsplatz sinnvoll, um die beanspruchten Stellen nicht unnötig zu belasten. Regelmäßige Pausen können nicht schaden. Bei einer Tendovaginitis stenosans de Quervain lösen bestimmte manuelle Tätigkeiten Schmerzen aus. Da manuelle Tätigkeiten nicht eine Sehnenscheidenentzündung verursachen, hilft die Vermeidung von übermäßiger Belastung nicht zur Vorbeugung.

    Was ist eine Tendovaginitis stenosans de Quervain?

    Die Tendovaginitis stenosans de Quervain ist eine Sehnenscheidenentzündung der Daumensehnen am speichenseitigen Handgelenk. Umgangssprachlich wird auch der Begriff Hausfrauendaumen benutzt, während in der Fachsprache auch die Abkürzung TVS gebräuchlich ist. Die Erkrankung wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals von dem Schweizer Chirurgen de Quervain beschrieben. Ähnlich dem Führungsring einer Angel, werden die Sehnen an der Hand von Sehnenfächern geführt. Eine Verdickung des Sehnenfachs oder der Sehne verhindert ein reibungsloses Gleiten. Bei der Tendovaginitis stenosans de Quervain ist das erste Strecksehnenfach betroffen. Hier verlaufen zwei bis drei Sehnen des kurzen Daumenstreckmuskels (Mm. Extensor pollicis brevis) und die Sehne des langen Daumenabspreizmuskels (abductor pollicis longus). Gelegentlich wird das erste Strecksehnenfach von Geburt an durch ein zusätzliches Sehnenfach unterteilt [19]. Die Tendovaginitis stenosans de Quervain tritt meist bei Frauen um das fünfzigste Lebensjahr auf [20]. Jedes Jahr wird die Tendovaginitis bei einer von tausend Personen diagnostiziert (Inzidenz: 0,94 pro 1.000 Personenjahre; [21]). Einer von zweihundert Menschen in der Allgemeinbevölkerung hat eine Sehnenscheidenentzündung de Quervain (Prävalenz: 0,49 %; [22])). Eine chronische Entzündung des ersten Strecksehnenfachs kann zu einem Sehnenriss führen [23].

    Ursachen einer Tendovaginitis stenosans de Quervain

    Bei einer Tendovaginitis stenosans kommt eine Bindungsstelle (Rezeptor) für Östrogen besonders zahlreich im Sehnenscheidengewebe vor [24]. Tatsächlich sind Frauen um das 50. Lebensjahr sowie während der Schwangerschaft und der Stillzeit auffällig häufig von der Tendovaginitis stenosans de Quervain betroffen. Es wird angenommen, dass es eine erbliche Veranlagung gibt. Die weitläufige Vermutung, dass Überbelastung eine Tendovaginitis stenosans de Quervain verursacht, wurde widerlegt [25].

    Diagnose der Tendovaginitis stenosans de Quervain

    Die Schilderung Ihrer Beschwerden und die Untersuchung Ihres Handgelenks sind für einen Handchirurgen in aller Regel ausreichend, um eine Tendovaginitis stenosans de Quervain zu diagnostizieren. Zwei Untersuchungsverfahren helfen den Handchirurgen die Sehnenscheidenentzündung festzustellen. Bei dem sogenannten Finkelstein Test legt der Patient seinen Unterarm auf einen Tisch ab, sodass die Hand übersteht und das Handgelenk ellenwärts (in Richtung Kleinfinger) bewegt wird. Löst ein sanfter Druck auf das Daumengrundglied Schmerzen aus, so ist eine Sehnenscheidenentzündung des ersten Strecksehnenfaches wahrscheinlich. Bei Eichhoff Test wird der Daumen beim Faustschluss umschlossen und das Handgelenk ellenwärts bewegt. Dadurch werden Schmerzen punktgenau am Strecksehnenfach ausgelöst [26].

    Tendovaginitis stenosans de Quervain ohne OP behandeln

    Bei einer Sehnenscheidenentzündung können folgende Maßnahmen vorübergehend Linderung verschaffen:

    • Die Schonung des Handgelenks
    • Eine leichte Kühlung mit Kühlkissen oder Eiswasser
    • Eine kurzfristige Ruhigstellung in einer Schiene
    • Die Hochlagerung des Handgelenks über Herzhöhe
    • Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac und Ibuprofen (rezeptfrei)

    Letztere werden auch als nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bezeichnet. Hochwertige und belastbare wissenschaftliche Belege für den Nutzen von Homöotherapie, Akupunktur, Sklerosierungstherapie oder Ozontherapie bei der Tendovaginosis stenosans de Quervain gibt es nicht [27]. Der Nutzen einer Kortisonspritze und eines chirurgischen Eingriffs ist wissenschaftlich gut belegt [28]. Nach einer Kortisonspritze kehren die Beschwerden häufig zurück. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen liegt ein zusätzliches Sehnenfach vor. In diesen Fällen hilft eine Kortisonspritze oft nicht [29]. Die Enge des Sehnenfachs wird durch eine Operation langfristig behoben.

    Wie läuft die Operation bei einer Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk ab?

    Der Eingriff am betroffenen Gelenk kann in örtlicher Betäubung ausgeführt werden und dauert nur wenige Minuten. Während des operativen Eingriffs liegen Sie auf einem Operationstisch und strecken den Arm seitlich aus. Unmittelbar vor der Operation füllt sich eine Blutdruckmanschette am Oberarm, um die Blutzufuhr kurzzeitig zu unterbinden. Mit der Blutleere wird der Blutverlust verringert und der Chirurg hat eine bessere Sicht. Um sehr genau und gewebeschonend arbeiten zu können, wird mit Hilfe einer Lupenbrille operiert. Ein oberflächlicher Hautnerv wird zum Schutz vorsichtig beiseite gehalten. Über einen kurzen Hautschnitt wird das Sehnenfach in Augenschein genommen. Das entzündete Gewebe ist an der betroffenen Stelle meist verdickt und gefäßreich. Das Sehnenfach wird eröffnet. Entzündlich verändertes Gewebe wird entfernt, wenn es das Gleiten der Sehnen behindert. Der Handchirurg untersucht, ob ein zusätzliches angeborenes Sehnenfach vorliegt, das eröffnet werden muss. Wenn die Sehnen wieder reibungslos gleiten, wird sichergestellt, dass die Sehnen gut geführt werden. Falls die Führung der Sehnen wiederhergestellt werden muss, wird das Sehnenfach mit einer Verlängerungsplastik wiederhergestellt. Der kurze Schnitt wird mit feinen Fäden wieder verschlossen und das Handgelenk verbunden.

    Was sind die Risiken einer Operation bei Sehnenscheidenentzündung?

    Das Risiko einer Komplikation nach einer Operation durch einen Handchirurgen ist geringer als 1:500 [30]. Allgemein sind die Risiken bei älteren Patienten, übergewichtigen Patienten, Rauchern und Patienten mit Begleiterkrankungen höher als bei jungen, gesunden, normalgewichtigen Nicht-Rauchern.

    Störungen der Wundheilung oder Entzündungen sind bei Operationen an der Hand die häufigsten Komplikationen mit 0,09 Prozent. Das Waschen der Hand mit einer antiseptischen Seife und die sorgfältige Desinfektion vor der Operation beugen einer Entzündung vor. Die regelmäßigen Kontrollen nach der Operation helfen eine Entzündung rechtzeitig zu erkennen. Bei Zuckerkrankheit ist das Risiko von Entzündungen erhöht [31].

    Bei einer Spaltung des ersten Strecksehnenfachs besteht das Risiko, einen Hautnerven (Ramus superficialis nervi radialis) zu verletzen. Das Operieren in Blutleere, feine Instrumente, ein wohldurchdachter Hautschnitt, eine schonende Gewebebehandlung und die optische Vergrößerung mit einer Lupenbrille helfen, das Risiko einer Nervenverletzung zu vermindern [32].

    Das Risiko eines Sehnenschnappens wegen unzureichender Sehnenführung nach einer Operation ist kleiner als ein Prozent [33]. Nach der Lösung der Sehnen, kann daher einer Verlängerungsplastik des Sehnenfaches sinnvoll sein.

    Anhaltende Beschwerden nach einer Operation können zwei Ursachen haben. Die Schmerzen können durch eine andere Erkrankung oder Verletzung (Kahnbeinbruch, Nervenreizung, Gelenkverschleiß) verursacht werden. Weiterführende Untersuchungen können andere Ursachen aufdecken. Die Schmerzen können auch bestehen bleiben, wenn ein zusätzliches Sehnenfach übersehen wurde. Die gezielte Untersuchung der Daumensehnen und einer Ultraschall Untersuchung liefert Hinweise, ob noch eine Enge der Sehnen fortbesteht.

    Was sollte nach der Operation einer Tendovaginitis de Quervain beachtet werden?

    In den 24 Stunden nach dem Eingriff sollte das Handgelenk über Herzhöhe gehalten werden, um einer Schwellung vorzubeugen. Auch eine leichte Kühlung am ersten Tag hilft eine Schwellneigung zu verringern und fördert somit eine schnelle Heilung. Mehrmals stündliche motorische Übungen der Finger und des Daumens sind wichtig, damit die Gelenke beweglich bleiben. Die Schmerzen im betroffenen Bereich sind meist gering. Bei Bedarf können schmerzlindernde Mittel Abhilfe schaffen. Um eine in seltenen Fällen auftretende Nachblutung oder Wundheilungsstörung rechtzeitig zu erkennen, wird die Wunde regelmäßig untersucht. Bei guter Heilung werden die Fäden nach 10 bis 14 Tagen entfernt. Drei bis vier Wochen nach der Operation können Sie die Narbenheilung durch regelmäßiges Eincremen und Massieren unterstützen.

    Erfahrungsbericht einer Sehnenscheidenentzündung OP

    Bevor sich Patienten für einen Handchirurgen entscheiden, recherchieren sie in der Regel ausführlich nach erfahrenen Spezialisten in ihrer Nähe. Sie möchten sicher gehen, dass sie sich in gute Hände begeben. Besuchen Sie jetzt den Menüpunkt Erfahrungsberichte in der Kategorie „Über uns“. Dort finden Sie Bewertungen und Patientenstimmen zu der Behandlung. Dort wird auch auf die bekannten Bewertungsseiten wie Jameda und Google zur Einsicht weiterer Rezensionen verwiesen, um zusätzliche Meinungen zu lesen.

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    Zum Autor

    Privatdozent Dr. Stéphane Stahl

    “Wir liefern Ihnen umfangreiches Experten-Wissen, um gemeinsam mit Ihnen den bestmöglichen Behandlungsweg auszuwählen.”

    Privatdozent Dr. med. Stéphane Stahl ist ehemaliger Direktor der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie am Klinikum Lüdenscheid. Dr. Stahl studierte Medizin an den Universitäten Freiburg und Berlin. 2011 legte er die Europäische und 2012 die Deutsche Facharztprüfung für Plastische und Ästhetische Chirurgie ab. Es folgten weitere Facharztqualifikationen und Zusatzqualifikationen (u.a. Qualitätsmanagement, Medizindidaktik, Physikalische Therapie, Notfallmedizin, Laserschutzbeauftragte, Handchirurgie) sowie Preise und Auszeichnungen. 2015 habilitierte er sich im Fach Plastische und Ästhetische Chirurgie in Tübingen. Er ist ein erfahrener Mikrochirurg, gefragter Gutachter und regelmäßiger Referent auf Fachkongressen. Stéphane Stahl wurde nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren zum Mitglied der American Society for Aesthetic Plastic Surgery (ASAPS), eine der weltweit größten und einflussreichsten Fachgesellschaften für Ästhetische Chirurgie. Zu seinen Autorenschaften gehören u.a. zahlreiche Beiträge in angesehenen peer review Zeitschriften und chirurgischen Standardlehrwerken.

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