Gynäkomastie

Was ist eine Gynäkomastie beim Mann (Männerbrust)?

Die Gynäkomastie bezeichnet eine Vermehrung von Brustdrüsengewebe beim Mann. Äußerlich ist eine Schwellung der Brustwarze zu erkennen. Ab einer tastbaren Vergrößerung des Brustgewebes von zwei Zentimetern Durchmesser spricht man von einer Gynäkomastie. In den meisten Fällen lässt sich keine Ursache für die Gynäkomastie finden. Man spricht dann auch von einer idiopathischen Gynäkomastie. Die Behandlung der ersten Wahl der idiopathischen Gynäkomastie ist die operative Korrektur.

Wann zahlt die Krankenkasse die Behandlung einer Gynäkomastie?

Der Gesetzgeber hat entschieden, dass die Korrektur einer Gynäkomastie von der Krankenkasse bezahlt wird, wenn eine „krankheitswertige Entstellung“ vorliegt. Richter haben eine „krankheitswertige Entstellung“ wie folgt definiert:

  • Bei einer Entstellung muss eine erhebliche Auffälligkeit vorliegen, die erwarten lässt, dass Betroffene ständig viele Blicke auf sich ziehen (Bundessozialgericht, Urteil vom 28.02.2008, B 1 KR 19/07 R).
  • Die Auffälligkeit muss bereits bei flüchtiger Begegnung in alltäglichen Situationen quasi "im Vorbeigehen" bemerkbar sein (Bundessozialgericht, Urteil vom 28.02.2008, B 1 KR 19/07 R).
  • Eine Entstellung liege nicht vor, wenn die Körperstellen durch das Tragen angepasster Kleidung verdeckt werden können (Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 14.12.2017, L 5 KR 608/16).

Naturwissenschaftlich lassen sich die seelischen Folgen einer Entstellung gut belegen. Das Bundessozialgericht vertritt die Auffassung, dass psychische Probleme, die sich aus einer Deformität ergeben, vorrangig mit Mitteln der Psychotherapie oder Psychiatrie zu behandeln sind (Bundessozialgericht, Urteil vom 28.02.2008, B 1 KR 19/07 R).

Über die Kostenübernahme entscheidet die Krankenkasse beziehungsweise der medizinische Dienst der Krankenkassen. Die Entscheidungen sind von Fall zu Fall, von Versicherer zu Versicherer, von Bundesland zu Bundesland und von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Die Argumentation der Versicherungsgesellschaften und der Richter stimmen oft nicht mit den Bedenken der Patienten und den Empfehlungen der Ärzte überein. Ärzte sprechen von einer Deformität (Abweichung von der normalen Form) und nicht von einer „krankheitswertige Entstellung“. Die Symmetrie oder Schmerzen beeinflussen die Entscheidungen der Krankenkassen nicht maßgebend. Der Antrag auf Kostenübernahme muss durch den versicherten Patienten gestellt werden. Der Antrag wird durch eine fachärztliche schriftliche Stellungnahme unterstützt. Die Ausstellung einer fachärztlichen Stellungnahme ist nur sinnvoll, wenn eine erhebliche Abweichung von der normalen Brustform vorliegt und, nach Ermessen des Plastischen Chirurgen eine Aussicht auf Erfolg besteht.

Besteht der seltene Verdacht auf eine bösartige Neubildung, muss eine Gewebeprobe entnommen werden. Hierfür ist ein Antrag auf Kostenübernahme nicht erforderlich.

Mehr erfahren Sie unter Leistungspflicht der Krankenkassen.

Welche Besonderheiten gibt es bei einer Gynäkomastie in der Pubertät?

Die Gynäkomastie tritt besonders häufig zwischen dem dreizehnten und dem vierzehnten Lebensjahr auf. Das sind wichtige prägende Jahre der Selbstfindung, in denen sich Geschlechterrollen und Geschlechtsreife entwickeln. Bei den meisten Jugendlichen bildet sich die Männerbrust nach einem Jahr zurück. Bleibt die Männerbrust länger bestehen, ist eine Besserung ohne eine Behandlung unwahrscheinlich. In einer wissenschaftlichen Untersuchung waren bis zu zwei Drittel der Jugendlichen mit Gynäkomastie übergewichtig oder fettleibig (Rosen H, et al., 2010, Ann Plast Surg). Bei Übergewicht bildet das überschüssige Fettgewebe mehr weibliche Hormone (Östrogen). Unter dem Einfluss weiblicher Hormone wächst das Brustdrüsengewebe. Überschüssiges Fett- und Brustdrüsengewebe führt zur Ausbildung einer Männerbrust. Die Gewichtsabnahme ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Wenn ein Übergewicht über mehrere Jahre bestanden hat, bleibt allerdings das Brustdrüsengewebe trotz Gewichtsabnahme bestehen. Kinder leiden unter den körperlichen Folgen von Übergewicht und den Hänseleien. Eine Gynäkomastie verstärkt das Unwohlsein und verringert das Selbstwertgefühl (Kinsella C Jr et al. 2012 Plast Reconstr Surg). Die Scham bewegt Jugendliche auf verschiedenen Wegen ihre Brust zu verstecken. So tragen Betroffene mehrere Hemden, wickeln die Brust in Plastikfolie oder Klebeband ein, gehen mit nach vorne gezogenen Schultern oder verschränkten Armen. Der Leidensdruck führt nicht selten zur Meidung sportlicher Aktivitäten wie Schwimmen und einem sozialen Rückzug. Daraus folgen haltungsbedingte Rückenschmerzen und depressive Stimmung. Da die einseitige Gynäkomastie besonders auffällig ist, ist die Belastung häufig größer. Eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung ist unzureichend, da die Ursache nicht behoben wird. Da die Gynäkomastie erwiesenermaßen mit einem hohen Leidensdruck einher geht und sich nach einer gewissen Zeit nicht zurückbildet, müsste eine lebenslange Psychotherapie durchgeführt werden.

Wie erkennt man eine Gynäkomastie?

Eine Gynäkomastie ist bei freiem Oberkörper deutlich sichtbar. Geringe Ausprägungen einer Gynäkomastie sind bei der Ansicht im Halbprofil, also bei fünfundvierzig Grad abgewendetem Oberkörper gut zu erkennen. Dabei bildet die abgewendete Brust die Körpersilhouette und die vorgewölbte Brustwarze sticht hervor. Beim Abtasten der Brust kann die Größe des Brustdrüsenkörpers unterhalb der Brustwarze eingeschätzt werden. Eine Ultraschalluntersuchung lässt eine genauere Untersuchung zu. Liegen Zweifel vor, kann zusätzlich eine Röntgenuntersuchung der Brust durchgeführt werden.

Kann sich eine Gynäkomastie zurückbilden oder wegtrainiert werden?

Überschüssiges Brustdrüsengewebe kann sich in den ersten zwölf Monaten teilweise zurückbilden. Nach diesem Zeitraum nehmen die derben Kollagenfasern und andere Eiweißablagerungen des Brustgewebes zu. Das feste Kollagengewebe bildet sich nicht von alleine zurück. Regelmäßiges intensives Training führt zum Abbau von Körperfettgewebe. Sport hat darüber hinaus sehr viele positive Auswirkungen auf alle Organsysteme. Eine Rückbildung des Brustdrüsengewebes kann durch Sport allerdings nicht erreicht werden.

Wann bildet sich eine Gynäkomastie in der Pubertät zurück?

Eine Gynäkomastie tritt bei ein bis zwei Drittel der Jungen zwischen dem zehntem und dem sechzehnten Lebensjahr auf. Bis zum siebzehnten Lebensjahr haben noch zehn Prozent der Jungen eine Gynäkomastie. Da Jugendliche mit einer Gynäkomastie häufig übergewichtig sind, wird zur Behandlung der Gynäkomastie häufig zu einer Gewichtsabnahme geraten. Eine Normalisierung des Körpergewichts ist für alle Organe von Vorteil. Die Schmerzen, die Scham und die psychische Belastung einer ausgeprägten Gynäkomastie können aber dadurch unnötig verlängert werden. Die stark gedehnte Haut der Brust und das überschüssige Brustgewebe werden durch eine Gewichtsabnahme nicht verbessert. Bei gesunden Jugendlichen mit einer Gynäkomastie, die länger als ein Jahr besteht, ist eine Operation zur Korrektur sinnvoll.

Gibt es Medikamente gegen eine Gynäkomastie?

Ein Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Hormonen regt das Wachstum von Brustgewebe in der Pubertät an. Nach spätestens zwölf Monaten baut der Körper das Brustgewebe um, so dass es sich nicht mehr zurückbildet. Es gibt keine Medikamente die für die Behandlung der Gynäkomastie zugelassen sind. Eine gewisse Verbesserung konnte unter der Einnahme von Medikamenten, die zum Beispiel zur Behandlung des Brustkrebses zugelassen sind, beobachtet werden. Ob die Brustverkleinerung diesen Medikamenten zu verdanken ist, ist zweifelhaft. Ein Behandlungsversuch ist nur bei geringer Vergrößerung der Brust sinnvoll und hat nur in den ersten Monaten nach Auftreten der Gynäkomastie in der Pubertät Aussicht auf Erfolg. Die Medikamente müssen drei bis sechs Monaten eingenommen werden. Manchmal wird nach dem Absetzen der Medikamente eine Wiederkehr der Gynäkomastie beobachtet. Bisherige wissenschaftliche Studien haben eine geringe Anzahl von sehr unterschiedlichen Patienten untersucht und die Ergebnisse nicht mit anderen Behandlungsmethoden verglichen. Bei einer Gynäkomastie die länger als zwölf Monate besteht ist die Operation die Behandlung der ersten Wahl. Im Vergleich mit der beschriebenen Wirkung der Medikamente liefern Operationen schnellere, effektivere und ästhetisch bessere Ergebnisse. Zudem ist das Wiederkehren der Gynäkomastie nach einer Operation ausgeschlossen. Die Fettabsaugung und die Entfernung des Brustdrüsengewebes verbessern nachweislich die Lebensqualität der Patienten (Fagerlund A, et al., 2015, J Plast Surg Hand Surg).

Die hier erwähnten Medikamente hemmen die Wirkung weiblicher Hormone (Östrogen). Aromatasehemmer unterbinden die Umwandlung der Hormon-Vorstufen in aktive weibliche Hormone. Östrogenantagonisten blockieren die Signalübertragung weiblicher Hormone. Behandlungsversuche mit den folgenden Wirkstoffen wurden bereits beschrieben:

  • Tamoxifen (Östrogenrezeptorblocker): Dosierungen von 10 bis 20 Milligramm pro Tag. Nebenwirkungen von Tamoxifen nehmen mit dem Alter und der Behandlungsdauer zu. Zu den Nebenwirkungen gehören unter anderem: vermindertes sexuelles Verlangen, Hitzewallungen, Haarausfall, Gewichtszunahme, Thrombose, Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Depression, Angstzustände, Schweißausbrüche.
  • Clomiphen (Östrogenrezeptorblocker): Dosierungen von 50 Milligramm pro Tag.
  • Danazol (Unterdrückt die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse): Dosierungen von 2 Mal 200 Milligramm pro Tag.
  • Testolacton (Aromatasehemmer): Dosierungen von 450 Milligramm pro Tag.
  • Anastrazol (Aromatasehemmer): Dosierungen von 1 Milligramm pro Tag.

Hilft die Bestrahlung der Brust gegen eine Gynäkomastie?

Niedrig dosierte Röntgenstrahlung und Elektronenstrahlung werden für die Behandlung der Gynäkomastie eingesetzt. Die Anwendung beschränkt sich allerdings auf Patienten mit Prostatakrebs, die auf Grund Ihrer Hormonbehandlung eine Gynäkomastie entwickeln. Bei der Strahlentherapie kommen ionisierende Strahlung zu Anwendung. Die Strahlen spalten chemische Verbindungen auf. Hochtoxische freie Radikale entstehen, die zum Beispiel die Erbsubstanz von Zellen schädigen. In der Folge einer Strahlenbehandlung kann Krebs entstehen. Eine niedrig dosierte Bestrahlung der Brust erhöht das Risiko von Brustkrebs, Lungenkrebs, Magenkrebs und einer Verengung der Herzkranzgefäße (McKeown SR et al., 2015, Br J Radiol). Die Risiken einer Strahlenbehandlung werden von folgenden Parametern beeinflusst:

  • Je jünger der Patient, desto wahrscheinlicher ist, dass sich im Laufe des Lebens ein Krebs in der Folge der Bestrahlung entwickelt.
  • Der Körper von Kindern und Jugendlichen reagiert besonders empfindlich auf Strahlen.
  • Eine Stammnahe Strahlenbehandlung ist mit einem höheren Risiko verbunden als eine Behandlung der Hände oder der Füße.
  • Das Risiko einer hoch dosierten Bestrahlung zur Krebsbehandlung (über 50 Gray) ist höher als das Risiko einer niedrig dosierten Bestrahlung zur Behandlung einer gutartigen Gewebewucherung (3 bis 50 Gray).

Nach einer Strahlenbehandlung verändert sich das Körpergewebe nachhaltig. Auch Jahrzehnte nach einer Strahlenbehandlung muss im Falle einer Operation mit einem hohen Risiko von Wundheilungsstörungen gerechnet werden.

Hilft eine Kryolipolyse (Coolsculpting) bei einer Gynäkomastie?

Es gibt verschiedene nicht-invasive Verfahren zur Verminderung kleiner Fettansammlung des Körpers wie zum Beispiel:

  • die Kryolipolyse,
  • Ultraschall,
  • Radiofrequenz,
  • elektromagnetische Impulse und
  • die Laserlipolyse.

Diese Verfahren können nach mehrmaliger Anwendung zu einer leichten Verminderung des Fettgewebes führen. Eine Straffung der Haut oder eine Verminderung des Brustgewebes kann durch nicht-invasive Verfahren wie die Kryolipolyse nicht erreicht werden. Nicht-invasive Verfahren eignen sich ausschließlich zur Behandlung einer leichten Fettgewebsvermehrung der Brust (Pseudogynäkomastie).

Wie wird die Gynäkomastie in Stadien eingeteilt?

Es wurden zahlreiche Klassifikationen beschrieben, um die Gynäkomastie in Schweregrade einzuteilen. Die meisten Klassifikationen teilen die Gynäkomastie je nach Ausprägung in Rangordnungen auf (gering, mittelmäßig und stark ausgeprägt). Die Klassifikationen beschreiben die Größe der Brust, das Durchhängen der Brust und die Art des überschüssigen Gewebes (Brustgewebe, Fettgewebe, Haut). Die Klassifikationen werden nach dem Plastischen Chirurgen benannt, der die Einteilung veröffentlicht hat (Cohen, Tanner, Simon, Rohrich, Webster, Monarca, Waltho). Objektivierbare Werte wie die Größe, das Körpergewicht, der Brustumfang oder der Unterbrustumfang werden in den Klassifikationen nicht berücksichtigt. Wenige Klassifikationen unterteilen die Männerbrust in messbaren Größen (zum Beispiel kleiner als 250 Gramm, 250 bis 500 Gramm, mehr als 500 Gramm). Allerdings kann das überschüssige Brust- oder Fettgewebe erst nach der Entfernung und nicht bei der Untersuchung gewogen werden.

Die Klassifikation von Simon ist in Deutschland weit verbreitet. Sie hat jedoch zwei wesentliche Nachteile:

  • Die Einteilung ist von der subjektiven Bewertung des Untersuchers abhängig.
  • Die Einteilung lässt nur sehr eingeschränkt einen Rückschluss auf die jeweils angemessene Behandlungsmethode zu.

Klassifikation von Simon (Simon BE et al., 1973, Plast Reconstr Surg)

Stadium Beschreibung
I Gering sichtbare Vergrößerung der Brust ohne Hautüberschuss
IIa Moderate Vergrößerung der Brust ohne Hautüberschuss
IIb Moderate Vergrößerung der Brust mit wenig Hautüberschuss
III Weiblich geformte Brust mit Unterbrustfalte, Ptosis und deutlichem Hautüberschuss

Welche Ursachen gibt es für eine Gynäkomastie?

In etwa zwei Drittel der Fälle bleibt die Ursache einer Gynäkomastie ungeklärt. Der Ausdruck idiopathische Gynäkomastie beschreibt den Umstand, dass sich keine Ursache für eine Gynäkomastie finden lässt. Hormonähnliche Nebenwirkungen zahlreicher Medikamente sind die häufigste Ursache einer Gynäkomastie. Behandelbare Ursachen der Männerbrust betreffen überwiegend Patienten im mittleren (35 bis 65) und höherem (65 bis 80) Lebensalter. In diesen Fällen kann ein Ungleichgewicht bestimmter Hormone zu einem Wachstum der Brust führen. Das Ungleichgewicht beruht auf einer Verminderung männlicher Hormone (Testosteron) oder einem Anstieg weiblicher Hormone (Östrogene). Unterschiedliche Erkrankungen können die Testosteron Produktion in den Hoden beeinträchtigen. Auch die Signalübertragung männlicher Hormone kann im Fall einer seltenen Erbkrankheit gestört sein. Gewisse Tumoren können auch bei Männern Schwangerschaftshormone bilden. Diese Hormone (Prolaktin, humanes Choriongonadotropin, kurz hCG) fördern das Wachstum der Brust. Mehrere Untersuchungen sind notwendig, um die Ursachen einer Gynäkomastie aufzudecken. Die Untersuchungen werden von verschiedenen Fachärzten durchgeführt. Fachärzte für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie sind spezialisiert in der Untersuchung der Hormonwerte. Der Hoden wird durch Urologen untersucht. Radiologen führen die bildgebende Untersuchung der Brust und falls erforderlich der Bauchorgane oder des Gehirns durch. Fachärzte für Humangenetik gehen Hinweisen auf Erbkrankheiten nach.

Mögliche Ursachen einer Gynäkomastie

Ursachen Zugrunde liegende Erkrankung Erläuterung
Medikamente   Siehe „Welche Medikamente können eine Gynäkomastie auslösen?“
Funktionsstörung der Hoden 5α-Reduktasemangel Erbkrankheit, bei der die Bildung von Testosteron eingeschränkt ist.
  Androgenresistenz (Goldberg-Maxwell-Morris-Syndrom) Erbkrankheit, bei der die Signalübertragung von Testosteron beeinträchtigt ist.
  Anorchie Fehlen oder Unterentwicklung der Hoden.
  Hämochromatose Meist erblich bedingt erhöhte Aufnahme von Eisen im Körper, die zu Funktionsminderung der Hoden führt.
  Klinefelter Syndrom Angeborener Fehler im Erbgut.
  Kallmann Syndrom Angeborene Entwicklungsstörung des Gehirns.
  Hodentorsion oder Hodenverletzung Verdrehung des Hodens mit Gefahr des Funktionsverlustes.
  Virale Orchitis Hodenentzündung meist durch das Mumpsvirus mit Gefahr des Funktionsverlustes.
Tumore Bösartige Nebennierentumore Können Östrogene produzieren.
  Bösartige Magentumore Können hCG produzieren.
  Großzelliger Lungenkrebs Kann hCG produzieren.
  Gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse Kann Prolaktin produzieren.
  Bösartiger Nierentumor Kann hCG produzieren.
  Seltene Hodentumore (Leydig- oder Sertoli-Zelltumore) Meist gutartige Tumore die Hormone produzieren.
  Embryonale Tumore, (Teratokarzinom, Chorionkarzinom, oder gonadale Mischtumore) Können hCG produzieren.
  Brustkrebs beim Mann Wucherung von Brustgewebe.
Schilddrüsenerkrankung Schilddrüsenüberfunktion Kann zum Anstieg von Östrogenen führen.
  Schilddrüsenunterfunktion Kann zum Anstieg von Prolaktin führen.
Nierenerkrankung   Hormone werden nicht mehr ausgeschieden.
Lebererkrankungen   Unklar.
HIV (Menschliches Immunschwäche-Virus)   Funktionsminderung der Hoden.

Welche Medikamente können eine Gynäkomastie auslösen?

In etwa zwanzig Prozent der Fälle sind die Nebenwirkungen von Medikamenten die Ursache eine Gynäkomastie. Medikamente können auf verschiedenen Wegen eine Gynäkomastie verursachen:

  • sie können die Wirkung weiblicher Hormone nachahmen oder die Wirkung männliche Hormone hemmen,
  • sie erhöhen die Bildung oder stören den Abbau weiblicher Hormone (Östrogene, Prolaktin),
  • sie vermindern die Bildung männlicher Hormone (Androgene), oder
  • sie liefern einen Überschuss an Hormonvorläufern (zum Beispiel Testosteron oder Androstendion), die zu weiblichen Hormonen umgewandelt werden können.

Bei vielen Medikamenten ist der Mechanismus, der zur Ausbildung einer Gynäkomastie führt, noch nicht verstanden.

Medikamente, die eine Gynäkomastie auslösen können

Medikamenteneinsatz Wirkstoff Mechanismus der eine Gynäkomastie verursacht Häufigkeit in Prozent
Antibiotikum Ethianomide Unbekannt  
Antibiotikum Isoniazid Multifaktoriell  
Antibiotikum Metrodinazol Vermindert die Bildung männlicher Hormone  
Behandlund von Virenerkrankungen Antivirale Medikamente Unbekannt  
Behandlung der Schizophrenie Haloperidol Erhöht die Bildung von Prolaktin  
Behandlung der Schizophrenie Olanzapin Unbekannt  
Behandlung der Schizophrenie Risperdon Unbekannt 2 bis 3
Behandlung von Asthma Theophylline Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Amiodaron Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Amlodipin Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Captopril Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Diltiazem Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Digitoxin Kann die Wirkung von Östrogen nachahmen  
Behandlung von Bluthochdruck Enalapril Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Hydrochlorothiazid Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Methyldopa Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Nebivolol Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Nifedipin Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Nitrendipin Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Ramipril Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Reserpin Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Spironolacton Hemmt die Wirkung von Androgenen und Progesteron 9
Behandlung von Bluthochdruck Valsartan Unbekannt  
Behandlung von Bluthochdruck Verapamil Unbekannt  
Behandlung von Depressionen Amitriptylin Erhöht die Bildung von Prolaktin  
Behandlung von Depressionen Doxepin Erhöht die Bildung von Prolaktin  
Behandlung von Depressionen Duloxetin Unbekannt  
Behandlung von Depression Fluoxetine Unbekannt  
Behandlung von Depressionen Mirtazapin Unbekannt  
Behandlung von Depressionen Paroxetin Unbekannt  
Behandlung von Depressionen Venlafaxin Unbekannt  
Behandlung von Epilepsie Phenytoin Verstärkt die Wirkung von Östrogenen  
Behandlung von Epilepsie Valproinsäure Unbekannt  
Behandlung von Haarausfall Finasterid Vermindert die Bildung männlicher Hormone 3 bis 4
Behandlung von Haarausfall Minoxidil Unbekannt  
Behandlung von Pilzerkrankungen Ketoconazol Vermindert die Bildung männlicher Hormone 7 bis 8
Behandlung von Pilzerkrankungen Itraconazol Vermindert die Bildung männlicher Hormone  
Behandlung von Prostatakrebs Bicalutamid Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Behandlung von Prostatakrebs Flutamid Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Behandlung von Rheuma Penicillamine Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Behandlung von Schmerzen Cannabis Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Behandlung von Übelkeit Domperidon Unbekannt  
Behandlung von Übelkeit Metoclopramid Erhöht die Bildung von Prolaktin  
Beruhigungsmittel Diazepam Erhöht das Sexualhormon-bindende-Globulin  
Beruhigungsmittel Phenothiazid Erhöht die Bildung von Prolaktin  
Cholesterinsenker Pravastatin Vermindert die Bildung männlicher Hormone  
Cholesterinsenker Rosuvastatin Vermindert die Bildung männlicher Hormone 1 bis 2
Muskelaufbau Anabolika Vermindert die Bildung männlicher Hormone  
Narkosemittel Etomidate Erhöhen die Bildung von Östrogen  
Stärkungs- und Kräftigungsmittel Ginseng Unbekannt  
Unterdrückung der Abwehrkräfte Cyclosporin Multifaktoriell  
Unterdrückung der Abwehrkräfte Methotrexat Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Unterdrückung der Magensäure Omeprazol Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Unterdrückung der Magensäure Pantoprazol Hemmt die Wirkung von Androgenen  
Unterdrückung der Magensäure Ranitidin Hemmt die Wirkung von Androgenen  

Zu welchem Facharzt soll ich wegen einer Gynäkomastie gehen?

Immer mehr Patienten informieren sich im Internet. Viele Betroffene kommen daher gezielt zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie zur Korrektur der Männerbrust. Das hat einen guten Grund: Die Techniken zur Korrektur der Gynäkomastie und zur Wiederherstellung der Brust sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Manche Patienten mit einer Männerbrust vertrauen sich zunächst ihrem Hausarzt an. Der Hausarzt überprüft, ob die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente die Ursache der Gynäkomastie sind. Gegebenenfalls bestimmt der Hausarzt Hormonwerte (follikelstimulierende Hormon: FSH, luteinisierendes Hormon: LH, Testosteron, Östradiol, Prolaktin, Sexualhormon-bindendes-Globulin: SHBG, humanes Choriongonadotropin: HCG). Bei Jugendlichen ist der Stellenwert einer Hormonuntersuchung umstritten, da die Ergebnisse bei 99% der jugendlichen mit einer Gynäkomastie keinen Krankhaften Befund aufweisen (Malhotra AK et al. 2018 Plast Reconstr Surg). Hormonspiegel schwanken je nach Tageszeit. Deshalb werden die Laborwerte morgens zum Zeitpunkt der maximalen Hormonausschüttung untersucht. Bei Auffälligkeit der Hormonwerte ist eine Untersuchung durch Fachärzte für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie sinnvoll. Normabweichungen der Hoden werden durch den Urologen untersucht (Tastuntersuchung und Ultraschall der Hoden). Wenn sich Hinweise auf eine Erbkrankheit ergeben, wird ein Humangenetiker das Erbgut untersuchen. Der Radiologe untersucht die Größe der Brustdrüse und die Beschaffenheit des Brustdrüsengewebes mit Hilfe des Ultraschalls oder einer Mammographie. Erkennt der Radiologe eine verdächtige Veränderung des Brustgewebes wird eine Gewebeprobe durch den Pathologen feingeweblich (histologisch) untersucht. Wenn die Laborwerte einen Tumor vermuten lassen, wird der Radiologe weitere Untersuchungen durchführen (Kernspintomographie der Hirnanhangsdrüse, Ultraschall oder Computertomographie des Bauches). Im unwahrscheinlichen Fall, dass ein Brustkrebs vorliegt, wird der Tumor durch den Frauenarzt mitbehandelt.

Was erwartet Sie bei einem Beratungsgespräch über eine Gynäkomastie?

Um Ihre Erwartungen bestmöglich erfüllen zu können, werden im Rahmen des ersten Gesprächs Ihre Beschwerden erfasst (Schmerzen oder Empfindlichkeit der Brust, Unzufriedenheit mit dem Aussehen des Oberkörpers, Schamgefühl). In dem Gespräch sollten auch Beschwerden zum Ausdruck kommen, die ein Hinweise auf bestimmte Ursachen sein können (Verminderte Lust am Sex, Müdigkeit, Verstimmung, Veränderung des Körpergewichts). Die Körpergröße und das Körpergewicht sowie die Häufung bestimmter Erkrankungen in der Familie gehören zu einer gründlichen Erhebung wichtiger Informationen. Zur Einschätzung der Behandlungsrisiken werden die Einnahme von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmittel, das Rauchen von Tabakzigaretten oder E-Zigaretten und Allergien erfragt. Bei der Untersuchung werden die Größe und Form der Brust, sowie Verformungen des Brustkorbs oder der Wirbelsäule dokumentiert. Der Chirurg untersucht, ob überschüssige Haut vorhanden ist und schätzt die Elastizität der Haut ein. Bei der Tastuntersuchung wird die Größe des Brustdrüsengewebes ermittelt. Schließlich werden die Brust und die Position der Brustwarzen vermessen. Für die Operationsplanung und zur Qualitätskontrolle wird die Brust fotografiert. Gegebenenfalls empfiehlt Ihnen der Chirurg weitere Untersuchungen (Bestimmung von Hormonwerten, Ultraschall). Wenn alle erforderlichen Informationen vorliegen, empfiehlt Ihnen der Chirurg einen Behandlungsplan. Es ist sehr wichtig Ihre Erwartungen offen mit dem Chirurgen zu besprechen. Oft ist ein schlecht informierter Patient oder Chirurg die Ursache für ein unbefriedigendes Ergebnis, auch wenn es keine Komplikationen bei der Operation gibt. Die einzelnen Schritte der Operation, der Nachbehandlung und die Kosten werden Ihnen transparent und nachvollziehbar dargelegt. Für eventuelle später aufkommende Fragen, vereinbaren wir gerne auch ein Zweitgespräch. Wir freuen uns auf Sie!

Was tun wenn eine einseitige Gynäkomastie vorliegt?

In 95 Prozent der Fälle von Gynäkomastie liegt eine symmetrische Vergrößerung der Männerbrust vor. In vier bis fünf Prozent der Fälle besteht eine asymmetrisch vergrößerte Männerbrust. In weniger als 0,5 Prozent der Fälle ist eine Gynäkomastie nur auf einer Seite vorhanden (Lee SR et al., 2018, Aesthetic Plast Surg). Die einseitige Gynäkomastie wird durch eine Vermehrung des Brustdrüsengewebes verursacht (Al-Qattan M et al., 2005, Ann Plast Surg). In schätzungsweise zwei Prozent der Fälle von einseitiger Gynäkomastie lässt sich ein Brustkrebs nachweisen (S.E. Janes et al., 2006, Breast). Die einseitige Gynäkomastie ist häufiger mit Brustkrebs vergesellschaftet als die beidseitige Gynäkomastie (Agostini T et al., 2014, J Plast Reconstr Aesthet Surg). Die Entfernung des Brustdrüsengewebes ist die beste Behandlung der einseitigen Männerbrust.

Besteht bei einer Gynäkomastie ein Risiko von Brustkrebs?

Schätzungsweise beträgt das Risiko von Brustkrebs bei Jugendlichen mit einer Gynäkomastie höchstens 0,012 Prozent (Koshy JC et al., 2011, Plast Reconstr Surg). In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 600 Männer neu an Brustkrebs. Der Brustkrebs beim Mann ist über hundert Mal seltener als bei der Frau. Der Brustkrebs beim Mann entspricht 0,17 Prozent aller Tumore und weniger als 0,1 Prozent aller Krebsbedingten Todesfälle. Der Brustkrebs beim Mann tritt am häufigsten zwischen dem fünfzigsten und dem sechzigsten Lebensjahr auf (Cutuli B et al., 1997, Eur J Cancer). Äußerlich kann eine Einziehung der Haut erkennbar sein. Durch den Brustkrebs kann die Hautoberfläche einer Apfelsinenschale ähnlich werden. Folgende Eigenschaften erhöhen das Risiko eines Brustkrebses bei der Gynäkomastie:

  • Bestrahlung,
  • Genveränderungen (BRCA -1/-2-Mutationen),
  • Angeborene Chromosomenstörung (Klinefelter-Syndrom, zwanzig- bis fünfzigfach erhöhtes Risiko).

Muss das entfernte Brustdrüsengewebe feinschichtig untersucht werden?

Das anlässlich einer Operation entfernte Gewebe kann durch einen Pathologen unter dem Mikroskop untersucht werden. Ziel dieser Untersuchungen ist es, gutartige von bösartigen Veränderungen der Zellen zu unterscheiden. Eine feingewebliche Untersuchung ist gerechtfertigt, wenn der Patient einen Nutzen aus der Untersuchung zieht. Dies ist der Fall, wenn einer Verdacht eines Brustkrebses vorliegt. Ein Brustkrebs kann vermutet werden, wenn der Patient ein erhöhtes Risiko für einen Brustkrebs hat (familiär gehäuftes Vorkommen von Brustkrebs, angeborene Chromosomenstörung, einseitige Gynäkomastie). Bei 0 bis 2,5 Prozent der Jugendlichen mit einer Gynäkomastie wird bei der feingeweblichen Untersuchung eine abnorme Vermehrung der Zellen des Brustdrüsengewebes vorgefunden (Fachbezeichnung: atypische ductale Hyperplasie). Die Bedeutung dieser Veränderung ist jedoch unklar. Dieser Befund wirkt sich nicht auf die weitere Behandlung aus. Eine routinemäßige histopathologische Untersuchung des entfernten Brustdrüsengewebes ist bei jungen Patienten nicht erforderlich (Koshy JC et al, 2011, Plast Reconstr Surg).

Welche Risiken gibt es bei einer Gynäkomastie Operation?

Die operative Korrektur der Männerbrust ist eine sichere Behandlungsmethode. Dennoch gibt es keine Behandlung ohne Risiken. In den ersten 30 Tagen nach einer Operation beträgt die Komplikationsrate 2,1 Prozent. Zu den häufigsten Komplikationen gehören Entzündungen in 1,3 Prozent, das Auseinanderweichen der Wundränder in 0,3 Prozent oder Blutungen, die eine Blutübertragung erforderlich machen in 0,1 Prozent der Fälle. Zuckerkrankheit, Erkrankungen des Herzens oder der Leber erhöhen die Risiken von Komplikationen (Zavlin D et al., 2017, Aesthetic Plast Surg). Im Allgemeinen besteht ein höheres Operationsrisiko bei Rauchern, übergewichtigen oder älteren Patienten als bei Nichtrauchern, normalgewichtigen oder jüngeren Patienten.

Jede Wunde stellt eine mögliche Eintrittspforte für Keime dar. Eine Entzündung kann eine medikamentöse oder operative Behandlung erforderlich machen. Das Zigarettenrauchen, auch wenn es vier Wochen vor der Operation pausiert wird, ist nachweislich mit einem höheren Entzündungsrisiko verbunden.

Um das Risiko von Nachblutungen zu minimieren werden im Beratungsgespräch die Einnahme blutverdünnender Medikamente, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel genau erfragt. Eine Operation ist möglich, wenn blutverdünnende Mittel vorübergehend abgesetzt werden können. Normale laborchemische Gerinnungswerte schließen eine Blutungsneigung nicht aus. Um das Risiko von Blutergüssen zu verringern, wird Adrenalin in das Operationsgebiet eingespritzt. Blutdruckschwankungen können dazu führen, dass sich Blutergüsse auch mehrere Tage nach der Operation entwickeln. Eine körperliche Anstrengung sollte daher in den ersten vierzehn Tagen vermieden werden.

Durch schonende Operations- und Nahttechniken kann der Operateur dazu beitragen, dass das Gewebe gut und rasch verheilt. Andere Faktoren wie zum Beispiel höheres Lebensalter, Zigarettenrauchen, Übergewicht, Zuckerkrankheit, Gefäßverkalkung, Medikamente (Kortison, Marcumar), Scherkräfte und Druckeinwirkung begünstigen Wundheilungsstörungen. Wenn schwerwiegende Erkrankungen vorliegen, raten wir von einer Operation ab.

Ziel einer guten Hautnaht ist der präzise, spanungsfreie und schonende Verschluss der Wunde. Die Bildung neuer Strukturproteine sowie die Ausrichtung und Vernetzung des Fasergerüstes benötigt bis zu einem Jahr. In den ersten Wochen sind Narben leicht verhärtet, gerötet, eventuell schmerzhaft oder juckend und manchmal leicht über dem Hautniveau erhaben. In der Regel werden Narben nach einem Jahr blass, weich, schmerzlos und flach. Eine Narbenwucherung bezeichnet Narbengewebe, welches über die Wundränder hinaus wächst. Narbenwucherungen entstehen bei bestimmten Veranlagungen bevorzugt an den Ohren, am Brustbein oder an den Schultern. Narbenwucherungen zeichnen sich durch eine Neigung zur Wiederkehr aus und können durch Kortison-Unterspritzungen, Kompression und Silikon oder Bestrahlung behandelt werden.

Bei der Korrektur einer Männerbrust kann es zu einer Reizung von Hautnerven kommen. Das betrifft die Nerven der Brustwarze und die Hautnerven der Brusthaut. Das kann einem vorübergehendem Taubheitsgefühl führen.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sind Seitenunterschiede und Konturunregelmäßigkeiten sind nicht auszuschließen. Vorbestehende Ungleichheiten, eine ausgeprägte Hautstraffung oder Verkleinerung der Brust erschweren die Herstellung seitengleicher Ergebnisse. Ein Elastizitätsverlust der Haut sowie individuell unterschiedliche Narbenheilungsverläufe können zu einer Asymmetrie der Narbe führen. Eine Korrektur nach abgeschlossener Narbenausreifung ist in der Regel möglich. Nach der Korrektur einer Männerbrust, tritt möglichweiser ein Volumenüberschuss am Bauch verstärkt hervor. Ihre Ziele werden im Vorfeld genau besprochen, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen, der Ihren Körper ganzheitlich berücksichtigt.

Bei ausreichender Elastizität schrumpft die Haut und passt sich den neuen Körperkonturen an. Reicht bei schlaffer Haut die natürliche Schrumpfung nicht aus, können sich Hautfaltenüberschüsse ergeben. Eingriffe zur Hautstraffung können diese Falten durch Verkleinerung des Hautmantels beheben.

Wie kann ich mich auf eine Gynäkomastie OP vorbereiten?

Die Korrektur einer Gynäkomastie ist ein Wahleingriff und sollte unter den bestmöglichen Voraussetzungen gemacht werden, also ohne vermeidbare Risiken.

  • Zur Ursachenklärung wird eine Blutuntersuchung und eine Vorstellung bei einem Facharzt für Endokrinologie sowie eine Ultraschall-Untersuchung von Brust und Hoden empfohlen.
  • Alle Ihre Fragen zu möglichen Komplikationen und alternativen Behandlungen sollten vor dem Eingriff beantwortet sein.
  • Bei Rauchern ist die Wundheilung verzögert, und die kosmetischen Ergebnisse können deutlich schlechter sein. Verzichten Sie daher möglichst zwei Wochen vor bis vier Wochen nach dem geplanten Eingriff auf das Rauchen.
  • Blutverdünnende Medikamente (zum Beispiel ASS, Thomapyrin®) müssen mindestens zehn Tage vor der Operation nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt werden.
  • Vitaminpräparate (A, E) und Nahrungsergänzungsmittel (Omega-3-Fettsäuren, Johanniskraut-Präparate usw.) müssen mindestens vier Wochen vor der Operation abgesetzt werden.
  • Vor der Durchführung ästhetischer Eingriffe sollte eine Folgekostenversicherung abgeschlossen werden.
  • Sie können dazu beitragen das Risiko einer Entzündung gering zu halten, in dem Sie am Tag der Operation Ihre Brust mit einer desinfizierenden Seife reinigen (zum Beispiel HiBiScrub® Plus Fa. Mölnlycke, Octenisan® Wash Lotion Fa. Schülke, Prontoderm® Shower Gel Fa. B.Braun).
  • Operationen schränken die Flugreisetauglichkeit ein. Planen Sie daher in den sechs Wochen nach der Operation keine Flugreisen beruflich wie privat.

Wie lange sollte nach einer Gynäkomastie OP kein Sport betriebe werden?

Cardiotraining und Muskelaufbau sollten frühesten nach drei bis sechs Wochen wieder aufgenommen werden. Kurze Spaziergänge regen den Kreislauf an und sind daher durchaus hilfreich. Selten ist nach dem dritten Operationstag noch die Einnahme von Schmerzmedikamenten erforderlich. Da die äußerlichen Wunden sehr unscheinbar sind, kann die Versuchung groß sein, das gewohnte Krafttraining schon nach wenigen Tagen wieder aufzunehmen. Der Körper braucht mindestens zwei Wochen Ruhe. Je nach Schwellungszustand kann auch eine längere Schonung erforderlich sein.

Wie sollten Sie sich nach einer Gynäkomastie OP verhalten?

Für ein perfektes Ergebnis ist eine optimale Nachbehandlung erforderlich.

  • Unmittelbar nach dem Eingriff werden regelmäßige Kontrollen Ihres Wohlbefindens und des Operationsergebnisses vereinbart.
  • Eine Oberkörperhochlagerung von etwa dreißig Grad (auch beim Schlafen) über fünf Tage ist für die Abschwellung und Wundheilung förderlich.
  • Zuvor angepasste Kompressionsmieder sollten kontinuierlich drei bis sechs Wochen lang getragen werden.
  • Duschen ist unmittelbar vor der Wundkontrolle ab dem dritten postoperativen Tag möglich.
  • In der Regel können Sie Ihren gewohnten Alltagstätigkeiten wieder nach fünf bis sieben Tagen nachgehen.
  • Narbenpflege (Narbenmassage, Sonnenschutz, Silikonauflage) ab der dritten postoperativen Woche verhilft zu unscheinbaren Narben.
  • Sport, Saunagänge, Schwimmen, schweres Arbeiten und Sonnenbäder sollten für mindestens drei Wochen gemieden werden.
  • Massieren Sie ab der dritten postoperativen Woche mehrfach täglich die Narbe für einige Minuten. Benutzen Sie eine fettende Creme, wie zum Beispiel Bepanthen® Salbe oder Linola® Fett. Achten Sie auf kreisförmige, sowie längs und quer zur Narbe verlaufende Bewegungen. Diese Maßnahmen verhelfen zu einer unscheinbaren Narbe.
  • Das Rauchen erhöht das Entzündungs- und Thromboserisiko. Vermeiden Sie Tabakrauchen und E-Zigarette nach der Operation.

Autorenhinweis

Autor: PD Dr. Stéphane Stahl. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zur Pharma- oder Medizinprodukteindustrien, die den o.g. Text beeinflusst haben könnten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt. Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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